Wenn die Corona-Pandemie im nächsten Jahr medizinisch einigermaßen im Griff ist, wird sich zeigen, wie sehr das Virus die Verteilung des Wohlstandes, der Macht und der Zukunftschancen auf der ganzen Welt neu zu ordnen im Begriff ist. Denn je nachdem, wie erfolgreich Staaten die ökonomischen Folgen der Krise bewältigen, vor allem aber, welche in die Zukunft weisenden Maßnahmen sie ergreifen oder unterlassen, werden sie in der Folge in den globalen Rankings der Prosperität auf- oder absteigen. Dabei geht es auch um einen Wettbewerb der Systeme: Sind westliche liberale Demokratien besser imstande, diese harte Prüfung zu bestehen - oder doch das autoritär verfasste China?

Und, davon nicht ganz zu trennen: Wer wird innerhalb der EU vergleichsweise gestärkt aus der Pandemie kommen - wenn überhaupt - und wer geschwächt?

Absehbar ist schon jetzt, dass China - soweit man den dortigen Zahlen trauen kann - eher zu den Gewinnern des großen Corona-Spiels gehören wird. Chinas BIP dürfte 2020 um etwa 3 Prozent wachsen, ein zu Corona-Zeiten sehr guter Wert; in der EU werden es wohl minus 7 Prozent sein.

China wird also jedenfalls gegenüber Europa, höchstwahrscheinlich auch gegenüber den USA erheblich an Terrain gewinnen. Nicht zuletzt, weil es auch in der Seuchenbekämpfung früh erfolgreich war; ähnlich übrigens wie Österreich. "China kommt im Vergleich zu anderen Ländern sehr gut durch die Krise", diagnostiziert deshalb etwa der Ökonom Gabriel Felbermayr, Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

Das kann man leider von der EU insgesamt so nicht sagen. Wie schon nach der Finanzkrise 2008 besteht die akute Gefahr, dass der Staatenblock vergleichsweise geschwächt aus der Pandemie hervorgeht. Und zwar vor allem, weil Europas Rettungspolitik zu sehr darauf setzt, Bestehendes zu erhalten, auch wenn es nicht wirklich überlebensfähig ist, und zu wenig auf Maßnahmen setzt, die unternehmerische Vitalität fördern und erhöhen, zu mehr Produktivität und damit zu steigendem Wohlstand führen. Der frühere EZB-Chef Mario Draghi forderte jüngst zu Recht, dass staatliche Hilfen viel mehr dazu verwendet werden sollten, Jungen bei der Firmengründung zu helfen und Hightech-Betriebe zu fördern. Viel Geld für die chronisch malade Alitalia auszugeben, erscheint hingegen nicht eben hilfreich.

Wenig hilfreich ist auch, dass 2021 der Deutsche Bundestag gewählt wird - nicht eben eine Zeit, in der die Politik Schumpeter’sche Prozesse der kreativen Zerstörung gern sieht. Weshalb in Berlin soeben die Kurzarbeit bis Ende 2021 verlängert wurde. Fein für die Betroffenen, aber nicht so gut für den nötigen Wandel. Genauso wenig wie das sture Festhalten an der Nullzinspolitik der EZB, die damit Zombie-Unternehmen am Leben hält, die unter normalen Umständen längst aus dem Markt ausgeschieden wären. "Es würde mich nicht überraschen, käme die EU am Ende als schwächste der hochentwickelten Volkswirtschaften aus der Krise", meine jüngst Wolfgang Münchau, Chefökonom der "Financial Times". Es würde nicht überraschen, behielte er damit recht.