Ein halbes Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie haben nur wenige Bereiche des öffentlichen Lebens zur Normalität zurückgefunden. Die ökonomischen Folgen der monatelangen Kindergarten- und Schulschließungen sind bereits heute gravierend. Ohne einen Bildungsruck droht eine ganze Generation zu Verlierern der Corona-Krise zu werden. Laut der jüngst vorgestellten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2020" führt bereits der Verlust von einem Drittel Schuljahr zu einer Einbuße von 3 Prozent beim späteren Lebenseinkommen. Für junge Menschen mit einer Lehre belaufen sich die Verluste auf insgesamt mindestens 18.000 Euro, bei akademischen Bildungsbiografien sind es rund 30.000 Euro.

Der Autor ist Zukunftsforscher, er berät Institutionen und Unternehmen und leitet das von ihm gegründete Institutfür Zukunftspolitik in Berlin (www.zukunftspolitik.de). Seine Studie "Schulen der Zukunft" ist online unter www.freiheit.org abrufbar. Buchtipp: "Zukunftsintelligenz statt Angst. Corona und die Folgen für Arbeit, Bildung und Demokratie" (LangenMüller). Edgar Rodtmann
Der Autor ist Zukunftsforscher, er berät Institutionen und Unternehmen und leitet das von ihm gegründete Institutfür Zukunftspolitik in Berlin (www.zukunftspolitik.de). Seine Studie "Schulen der Zukunft" ist online unter www.freiheit.org abrufbar. Buchtipp: "Zukunftsintelligenz statt Angst. Corona und die Folgen für Arbeit, Bildung und Demokratie" (LangenMüller). Edgar Rodtmann

Gesamtwirtschaftlich summieren sich die Einbußen in Österreich auf rund 3 Prozent des künftigen Bruttosozialprodukts, somit rund 12 Milliarden Euro. Die Bildungsungerechtigkeit dürfte sich wegen Corona künftig weiter verschärfen, wenn nicht massiv gegengesteuert wird. Stärker als Pisa vor 20 Jahren muss Corona zum Game Changer werden. Konkret geht es dabei um einen vierfachen Aufbruch: digital, sozial, demokratisch und pädagogisch.

Digital: Die Schulschließungen haben den Rückstand der österreichischen Schulen bei der digitalen Ausstattung offenbart. Nur wenige Schulen wussten, wie sie digitalen Unterricht gestalten können. Jede Schule muss über eine Lernplattform und jeder Schüler über ein digitales Endgerät verfügen, auch weil jederzeit neue Schulschließungen drohen können.

Sozial: Corona vertieft die Bildungsungerechtigkeit. Damit Schulen in sozialen Brennpunkten schnell und effektiv reagieren können, brauchen sie zusätzliche Mittel. Die Finanzierung sollte nach einem Sozialindex differenziert werden: Für Kinder aus weniger gut situierten Haushalten müssten Schulen mehr Förderung bekommen.

Demokratisch: Corona hat auch die politische Spaltung der Gesellschaft verdeutlicht. Fake News und Verschwörungstheorien verbreiten sich durch die Sozialen Medien wie ein ungeschütztes Lauffeuer. Die Bildung zu demokratischer und medialer Kompetenz muss zum schul- und fächerübergreifenden Prinzip der Schul- und Unterrichtsentwicklung werden.

Pädagogisch: Corona verdeutlicht die zentrale Rolle der Schulleitungen als Manager der Krise wie Gestalter der "neuen Normalität". Schulleitungen sind bisher Führungskräfte ohne Ausbildung. Es braucht ein Qualifizierungsprogramm für schulisches Führungspersonal.

Wir brauchen beste Bildung für alle! In den Schulen der Zukunft werden Lehrkräfte zu Trainern und Coaches, Klassenzimmer zu Workshops und Schulen zu Kreativlaboren. Beste Bildung für alle geht nur über eine deutliche Verbesserung von Bildungszugang, Bildungsqualität und Bildungsgerechtigkeit. Die Schule der Zukunft setzt auf ganzheitliches, gemeinsames und ganztägiges Lernen. Viele Schulen und Lehrkräfte haben die Corona-Krise in Österreich mit Improvisationstalent und Mut für neue Wege gemeistert. Diese Leistung darf nun nicht verpuffen. Jetzt schlägt die Stunde der kreativen Veränderer.