Die Industriellenfamilie Reimann, mit einem geschätzten Vermögen von 33 Milliarden Euro angeblich Deutschlands reichste Dynastie, bricht laut dem Magazin "trend" ihre Zelte in Wien ab und verlegt zwei große Holdinggesellschaften nach Luxemburg. Das muss für alle Politiker und Medienmenschen, die regelmäßig die ungerechte Vermögensverteilung und die "immer weiter auseinanderklaffende Vermögensschere" beklagen, eine gute Nachricht sein. Denn mit dem Abgang jedes Milliardärs aus Österreich sinkt rein mathematisch die Ungleichheit der Vermögensverteilung.

Anlass, eine Flasche Champagner zu öffnen, ist das trotzdem für genau niemanden. Denn durch den Wegzug der Reimanns wird niemandes Vermögen auch nur um einen Cent größer, ganz im Gegenteil. Wenn Reiche weggehen, fallen die Jobs jener weg, die ihnen üblicherweise das Leben erleichtern, vom Steuerberater bis zu persönlichen Dienstleistungen.

Wem - außer jenen, die das Thema "Vermögensungleichheit" politisch ertragreich bewirtschaften - damit unterm Strich gedient sein soll, erklärt sich nicht wirklich. Es zeigt sich freilich wieder einmal, dass nicht der "Kampf gegen die Ungleichheit" ein sinnvolles politisches Konzept zur Stärkung des Mittelstandes und der Bekämpfung von Armut ist, sonder viel eher das Erzeugen eines ökonomischen Umfeldes, das möglichst vielen Menschen erlaubt, wohlhabend oder gar reich zu werden. Dass ein paar dabei auch sehr reich werden können, schadet niemandem. Das ökonomische Leben der meisten Österreicher hat ja auch keinen Schaden durch die Anwesenheit der Familie Reimann genommen.

Deshalb ist auch jene sittliche Empörung entbehrlich, die durch die Sozialen Medien schwappte, nachdem eine Schweizer Bank eine Studie publiziert hatte, laut der die Superreichen dieser Welt ausgerechnet im ersten Corona-Halbjahr 2020 noch an Wohlstand zulegten. Wem schadet es, wenn Amazon-Gründer Jeff Bezos um ein paar Milliarden reicher wird, weil die Nachfrage nach seinen Dienstleistungen ansteigt? Wer wird ärmer, wenn Bill Gates noch mehr besitzt? Was würde für die Armen der USA besser, übersiedelten beide morgen nach Österreich? Und wie würde in diesem Fall die hierzulande dann natürlich - Mathematik! - sofort steil ansteigende Vermögensungleichheit jemandem schaden?

Dass in einer Zeit, in der viele ihren Job verlieren oder um ihn bangen müssen, enormer Reichtum für Irritationen sorgt, mag menschlich nachvollziehbar sein. Ganz rational ist das freilich nicht: Gerade die Hyperreichen des 21. Jahrhunderts wie Bill Gates, Elon Musk oder Jeff Bezos sind nicht Erben, sondern dank brillanter unternehmerischer Ideen, die unterm Strich Millionen Jobs geschaffen haben, zu ihrem Besitz gekommen.

Ein Klima, in dem mit dem Argument der Vermögensungleichheit unternehmerische Tätigkeit, gar sehr erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit denunziert und schlechtgeredet wird, hilft deshalb genau niemandem. Wenn es jemandem gelingen kann, die heute Arbeitslosen wieder in gute Jobs zu bringen, dann sind das die nächsten Generationen von Entrepreneuren dieses Typs - und nicht staatliche Programme oder bürokratische Wirtschaftsplanung.