Die EU nimmt jetzt über den Anleihenmarkt in großem Stil Geld auf für die Krisenbewältigung. Mit der Ausgabe ihres ersten Social Bonds in ihrer Geschichte stieß sie auf eine enorme Nachfrage am Markt. Es handelt sich um die erste Geldaufnahme der EU-Kommission am Anleihenmarkt seit der Einigung auf einen europäischen Wiederaufbaufonds beim EU-Krisengipfel im Juli. Das Orderbuch hat bereits mehr als 233 Milliarden Euro für zwei Anleihe-Tranchen mit einem Gesamtvolumen von
17 Milliarden Euro (Laufzeit
10 und 20 Jahre) erreicht. Mit diesen Einnahmen wird das "SURE"-Programm der EU finanziert, das der Sicherung von Jobs und der Vermeidung von Arbeitslosigkeit in den Mitgliedstaaten dient. Damit stellen die Mittel ein wichtiges Element in der Unterstützung zur Bewältigung der Corona-Krise dar.

Christian Kopf ist Leiter des Portfoliomanagements Renten und Mitglied des Union Investment Committee. - © Union Investment/Axel Gaube
Christian Kopf ist Leiter des Portfoliomanagements Renten und Mitglied des Union Investment Committee. - © Union Investment/Axel Gaube

Der Auftritt der EU-Kommission ist aber auch wegen der bereits absehbaren weiteren Emissionen ein Meilenstein in der Geschichte des europäischen Staatsanleihenmarktes. Denn die EU-Kommission dürfte sich bis 2026 mit einem möglichen Anleihevolumen von bis zu 850 Milliarden Euro zu einem gewichtigen Spieler am Kapitalmarkt entwickeln. Dies sogar auch dann, wenn nicht von allen EU-Staaten die möglichen Unterstützungsgelder der Kommission tatsächlich gezogen werden. Deutschland etwa dürfte sich für Krisenhilfen günstiger selbst über den Kapitalmarkt refinanzieren.

Mit einem Volumen von rund 850 Milliarden Euro käme die EU-Kommission nach Spanien auf Platz fünf der größten Anleiheemittenten. Aufgeteilt würde diese Summe auf die Finanzierung der Arbeitslosenhilfen, bei der bis zu 100 Milliarden Euro möglich sind, und auf die Finanzierung von "Next Generation EU" (bis zu 750 Milliarden Euro). Aktuell hat die EU-Kommission rund 52 Milliarden Euro an Anleihen ausstehend.

Das große Emissionsvolumen der EU-Kommission setzt aber voraus, dass die Mittelaufnahme möglichst berechenbar wird. Eine Möglichkeit hierfür wäre die Schaffung eines zentralen europäischen Schuldenmanagers, der Transparenz bezüglich der geplanten Emissionsdaten und Emissionsvolumen sowie der Laufzeiten schafft. Dies ist für Investoren wichtig. Daher sollten die Anleihen der EU-Kommission künftig im Rahmen von Auktionen auf den Markt kommen und nicht nur über Bankensyndikate.

Für nachhaltig ausgerichtete Investoren sind die Social Bonds eine interessante Anlage. Sie haben derzeit ein Top-Rating (Triple-A), bieten aber einen Risikoaufschlag gegenüber Papieren von anderen europäischen Adressen wie dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) oder der europäischen Investitionsbank (EIB) sowie gegenüber erstklassigen Staatsanleihen. Und: Die über EU-Social-Bonds aufgenommenen Mittel sind strikt zweckgebunden. Ein Anleger sollte sich also darauf verlassen können, dass die investierten Gelder nach Vorgabe der EU-Kommission in entsprechende Projekte fließen. Deshalb stellen die EU-Social Bonds eine wichtige Ergänzung für den Markt an nachhaltigen Anleihen dar, der bisher von grünen Anleihen dominiert wird.