Das österreichische Bundesheer macht international einen guten Eindruck. Das liegt nicht nur daran, dass die Garde in der Hofburg die Akkreditierung von Botschaftern aus aller Welt beim Bundespräsidenten mit einer sehr würdevollen Parade flankiert. Österreichs Streitkräfte leisten auf der ganzen Welt einen überproportional hohen Beitrag an friedenssichernden Maßnahmen; derzeit sind fast 900 Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz.

Ralf Beste ist seit September 2019 deutscher Botschafter in Österreich. Davor war der studierte Historiker als Journalist tätig, unter anderem für die "Berliner Zeitung" und den "Spiegel". - © Deutsche Botschaft Wien
Ralf Beste ist seit September 2019 deutscher Botschafter in Österreich. Davor war der studierte Historiker als Journalist tätig, unter anderem für die "Berliner Zeitung" und den "Spiegel". - © Deutsche Botschaft Wien

Kürzlich las ich eine Umfrage über die Einstellung der Österreicher zu ihren Streitkräften. Ein paar Zahlen fielen besonders auf: 74 Prozent der Befragten wünschten sich bewaffneten Beistand der EU-Partner, falls Österreich angegriffen würde. Allerdings wären nur 30 Prozent bereit, ihrerseits bedrängten Partnern militärisch beizustehen.

Vermutlich würden die Zahlen in Deutschland so anders nicht ausfallen, aber sie weisen dennoch auf einen wichtigen Unterschied zwischen unseren Ländern hin. In den Debatten zum Nationalfeiertag war zu spüren, wie wichtig den Österreichern die Neutralität ist. Die Frage, wie damit die Sicherheit zu sichern ist, war allerdings nie trivial und wird es nie sein. Seit 1955 gaben wir Deutsche auf diese Frage eine andere Antwort, indem wir der Nato beitraten. Zu den eindrücklichsten Erfahrungen meines Wehrdienstes in den 1980ern gehört, wie entlang des Eisernen Vorhangs Soldaten aus Belgien, den Niederlanden und den USA mit uns (West-)Deutschen ins Manöver gingen.

Vor drei Jahren habe ich in Litauen ein deutsches Panzerbataillon besucht, das gemeinsam mit Truppen aus Tschechien die Ostgrenze der Nato im Baltikum sicherte. Allerdings werfen die USA und manche andere Partner uns Deutschen vor, zu wenig Geld für die Verteidigung des Bündnisses aufzuwenden; der Vorwurf der Trittbrettfahrerei ist uns auch nicht unbekannt. Neutralität hie, Nato dort - Deutsche und Österreicher eint die Zurückhaltung bei der Anwendung militärischer Gewalt.

Aus historischen Gründen ist das gut so. Beide würden gerne mit möglichst wenigen Waffen Frieden und Freiheit sichern. Dazu kommt eine geografische Ähnlichkeit: Deutschland und Österreich sind von Freunden umzingelt. Das macht es in beiden Ländern schwerer zu verstehen, wozu es Verteidigung braucht. Aber reicht das in einer zunehmend unsicheren Welt? Vielleicht sollten wir beide noch mehr auf unsere Partner hören, die weniger friedliche Nachbarn haben.