Corona setzt den heimischen Tourismusbetrieben bekanntermaßen schwer zu. Vor allem die schlechte Planbarkeit und die Reisewarnungen aus Deutschland und den Niederlanden für mittlerweile fast ganz Österreich machen die bevorstehende Wintersaison zu einer Mammutaufgabe für die Hoteliers. Doch es hilft nichts: Alles Jammern bringt keine neuen Umsätze. Daher sollten die Betriebe versuchen, die Krise so gut es geht als Chance zu begreifen und der Situation bei allen wirtschaftlichen Herausforderungen und Problemen auch Positives abzugewinnen. Denn ein geeigneterer Zeitpunkt, um unliebsame, festgefahrene Gewohnheiten zu hinterfragen und neue Lösungswege einzuschlagen, kommt hoffentlich nicht so schnell wieder.

Hansjörg Kofler ist Geschäftsführer des Hoteleinrichtungs- und Finanzierungsspezialisten furniRENT und langjähriger Branchenkenner. - © furniRENT97
Hansjörg Kofler ist Geschäftsführer des Hoteleinrichtungs- und Finanzierungsspezialisten furniRENT und langjähriger Branchenkenner. - © furniRENT97

Was sich bisher schon gezeigt hat: Die Hoteliers werden von ihren Gästen wieder mehr als Gastgeber geschätzt und respektiert. Da ist es auch leichter möglich, fordernden Gästen zu erklären, dass sie beispielsweise nicht immer auf demselben Tisch Platz nehmen können. Denn die Regeln im Haus sollte unabhängig von Corona immer der Hotelier aufstellen und nicht der Gast - das hat nichts mit mangelnder Freundlichkeit oder fehlender Gastfreundschaft zu tun.

Ein weiteres Learning - und, wenn man so will, ein positiver Aspekt der Krise - ist der stärkere innerbetriebliche Zusammenhalt sowohl unter den Angestellten, als auch zwischen den Mitarbeitern und ihren Chefs. Corona hat alle mehr zusammengeschweißt und ein Wir-Gefühl entstehen lassen. Die Angestellten haben gesehen, dass es oft flexible und rasche Lösungen braucht, um als Betrieb wettbewerbsfähig zu bleiben - sprich: bestehende Jobs halten und im Idealfall irgendwann auch wieder neue, zusätzliche Stellen schaffen zu können. Aber auch die Hoteleigentümer, Geschäftsführer und Direktoren haben gesehen, was sie ihren leistungsbereiten Teams zu verdanken haben. Vielerorts ist der starke Wille zu spüren, mit einem gemeinsamen Kraftakt den Weg aus der Krise zu finden.

Weil das Geschäft nicht so läuft wie gewohnt, ist es für viele Betriebe alternativlos, sich mit kreativen Lösungen zu befassen und andere Zielgruppen anzusprechen. Drei konkrete Beispiele dafür: Restaurants, die normalerweise Hotelgästen vorbehalten sind, können in À-la-Carte-Restaurants für Laufkundschaft umgewandelt werden. Hoteleigene Wellness-Bereiche können zum Day Spa für Tagesgäste werden. Und leerstehende Hotelzimmer können Personen, die im Homeoffice arbeiten und dabei einmal einen Tapetenwechsel benötigen, als Raum für eine mentale Auszeit dienen und auch so angeboten werden.

Eine Phase wie die derzeitige mit geringer Auslastung ist zudem der ideale Zeitpunkt, um eine allenfalls längst notwendige Modernisierung von Hotelzimmern und Bädern in Angriff zu nehmen. Denn wer hier auf Qualität setzt und mit der Zeit geht, tut sich definitiv leichter, neue Gäste anzusprechen und zu überzeugen, sobald in Sachen Corona hoffentlich bald das Gröbste überstanden ist und der Tourismus in Österreich wieder in gewohnten Bahnen läuft.