"And everybody knows that the plague is coming, everybody knows that it’s moving fast", konstatierte Leonhard Cohen einst in "Everybody Knows", einem seiner berühmtesten Songs. Er bewies damit deutlich mehr epidemiologisches Gespür als Politik und Wahlvolk. Zuletzt hatte vor allem die österreichische Bundesregierung wenig Fortune mit ihren Corona-Maßnahmen und deren Kommunikation.

Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU
Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU

Acht Monate nach Beginn der Krise werden täglich vier verschiedene "offizielle" Infektionszahlen kolportiert. Nach wie vor scheint der Umfang der Intensivkapazitäten der Spitäler unklar. Eine Strategie für Herbst und Winter - so es sie überhaupt gibt - wurde nie kommuniziert. Der Sommer wurde vertrödelt, statt sich angemessen auf die zweite Welle vorzubereiten. Die Legistik bleibt chaotisch und der Wissenschaft wird weiter der Zugang zu wichtigen Daten verweigert. Dies alles sind die Folgen eines tiefer sitzenden Problems, das schon lange besteht und keineswegs nur Österreich betrifft. Dass uns eine virale oder bakterielle Pandemie heimsuchen würde, war lange klar. Offen war nur, ob ein paar Jahre früher oder später.

Dennoch hat Covid-19 die westliche Hemisphäre kalt erwischt. In Europa und Nordamerika explodieren die Fallzahlen und das Krisenmanagement ist chaotisch. Dabei hätte man sich vorbereiten können. Lange bevor ein Krankheitserreger wütet, könnte man verfassungskonforme Verordnungs- und Gesetzesentwürfe zur Pandemiebewältigung erstellen. Im Bedarfsfall wären nur mehr Adaptierungen an die konkrete Situation vorzunehmen. Auch Maßnahmen zur Stabilisierung der Volkswirtschaft lassen sich im Vorhinein planen und konzipieren. Ebenso lässt sich eine zeitnahe Versorgung mit Schutzausrüstung vorbereiten, sollten globale Lieferketten reißen. Dass Dateninfrastrukturen so gestaltet sein müssten, dass im Krisenfall die nötigen Informationen bereitstehen, sollte selbstverständlich sein. Digitale Informationsflüsse hätten beizeiten aufgebaut werden müssen. Generell fragt man sich, wie sich die Verantwortlichen auf Notlagen vorbereiten wollen, wenn die erforderlichen Daten fehlen. In Normalzeiten mag der Datenmangel nicht auffallen. Jetzt rächt er sich.

Die Vorbereitung auf eine Pandemie wie Covid-19 hätte Ressourcen gebraucht. Nicht viele, gemessen an den öffentlichen Haushalten, und nichts im Vergleich zu den wirtschaftlichen und sozialen Kosten eines Lockdowns, aber doch so umfangreiche, dass die Politik an anderer Stelle hätte sparen müssen. Auch die Wählerschaft war an dem Thema nicht interessiert, obwohl sie medial immer wieder darauf hingewiesen wurde. So einigten sich Politik und Elektorat - nicht nur hierzulande - schon vor langem darauf, die Gefahr zu ignorieren und lieber schöne Dinge zu finanzieren. Eine Förderung für Musikvereine hier, eine Subvention für Unternehmer und Häuslbauer da und ganzseitige Annoncen von Ministerien und Landesregierungen, um über ihre guten Taten zu berichten. In einer Demokratie ist dies legitim. Ob es klug ist, entscheiden die Wähler.