Wann immer islamisch fundierte Terroristen in Europa ein kleines Massaker anrichten - wie jüngst in Wien, Paris, Nizza und Dresden -, dann beginnt in der medialen Öffentlichkeit die Suche nach dem "Warum" - und besonders beliebt ist dabei, die Schuld und die Ursachen dieses Terrors in irgendeiner Form bei uns selbst zu suchen. Teils, um einer in manchen Milieus als ungehörig empfundenen Diskussion über die Rolle des Islam ausweichen zu können; teils, um nicht zugeben zu müssen, dass es einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen des Jahres 2015 und manchen islamistischen Terroranschlägen gibt; teils, weil dem pazifistischen Westen die Vorstellung abhandengekommen ist, es gäbe noch "Feinde", die nicht mit uns verhandeln, sondern die uns vernichten wollen; und teils aus einer unter manchen Intellektuellen verbreiteten Lust an der Selbstbezichtigung, verbunden mit einer romantischen Verklärung des Fremden.

Diese Suche nach dem Verschulden des Westens am islamistischen Terror führt zu einer Reihe falscher Antworten, die trotzdem nach jedem Attentat so gebetsmühlenartig vorgebracht werden wie das Versprechen des Staates, jetzt wirklich durchzugreifen.

Falsche Antwort 1: "Der Terror hat mit der üblen Kolonialgeschichte Europas zu tun." Nun gab es die ja durchaus, aber wenn wie jüngst ein Tschetschene in Paris einen Lehrer enthauptet, wird das eher nicht mit einem grausamen Kolonialregime zu erklären sein, das Frankreich in Russland errichtet hat. Auch dass fast immer Muslime, aber nie etwa Vietnamesen, die nun tatsächlich unter Frankreichs kolonialem Imperialismus litten, zur Machete oder der AK-47 greifen, stützt die These vom Kolonialismus als Terrorgrund nicht eben.

Falsche Antwort 2: "Die sozialen Probleme, die hohe Arbeitslosigkeit und der Mangel an Zukunftsperspektiven für Muslime sind die wahren Ursachen des Terrors." Stimmte das, müssten rund um die Welt dutzende ethnische Gruppen, denen es auch nicht so gut geht, jahrzehntelang und rund um den Globus Menschen enthaupten, in die Luft sprengen oder erschießen - ist aber in aller Regel nicht so. Und zu behaupten, die Attentäter von 9/11, weltgewandte und wohlhabende junge Studenten in Hamburg, seien irgendwie sozial benachteiligt gewesen, ist einfach Humbug. Den Beruf des Terroristen zu ergreifen, ist ganz offenbar eine Entscheidung, die mit dem sozialen Status wenig korreliert; die Familie Bin Laden war steinreich und einflussreich.

Falsche Antwort 3: "Europa und der ganze Westen steht auf der Seite Israels und macht sich so zu einem Ziel für Dschihadisten." Stimmte das, wäre etwa Österreich, das seit den Tagen Bruno Kreiskys und bis vor kurzem eine prononciert pro-palästinensische Politik betrieben hat, vom Terror verschont geblieben, ist es aber seit den 1980er-Jahren nicht. Islamisten hassen uns einfach, weil wir so sind, wie wir sind. Solange wir uns ihren Wahnideen nicht völlig unterwerfen, werden sie einen Grund finden, uns "Kufar" zu attackieren, Israel hin oder her. Fehler bei sich selbst zu suchen, ist ja sympathisch - aber im Fall des islamistischen Terrors führt es in die Irre und ist Teil des Problems, nicht der Lösung.