Die Bekanntgabe der Kandidatin für das US-Finanzministerium, Janet Yellen, löst eine Reihe großer Hoffnungen aus: Da ist zunächst die Frage der Höhe der immer noch schwebenden Verhandlungen über das zweite Corona-Hilfspaket. Die US-Regierung konnte sich mit den Demokraten bis heute nicht einigen. Die dringend nötige Hilfe ist damit bis heute ein Spielball der politischen Rivalen - auf Kosten der Bedürftigsten.

Christoph Starzer war unter anderem Leiter der Deutsche Bank Salzburg und Vorstandsmitglied der nunmehrigen Zürcher Kantonalbank in Salzburg. 2006 gründete er die ausschließlich honorarbasierte und nicht aus Provisionen finanzierte Ethos Vermögensverwaltung GmbH. - © privat
Christoph Starzer war unter anderem Leiter der Deutsche Bank Salzburg und Vorstandsmitglied der nunmehrigen Zürcher Kantonalbank in Salzburg. 2006 gründete er die ausschließlich honorarbasierte und nicht aus Provisionen finanzierte Ethos Vermögensverwaltung GmbH. - © privat

Aber selbst wenn der Kongress bis spätestens 11. Dezember (das ist der letzte Sitzungstag des Jahres) die US-Wirtschaftshilfen wie einen zweiten Stimulus-Scheck, ein erhöhtes Arbeitslosengeld oder Ersatzleistungen für entgangene Umsätze von Unternehmen in den nächsten Tagen beschließen sollte, stellt sich für die USA und damit für die künftige Finanzministerin die Frage: Wie können wir das langfristig finanzieren?

Auf diese Frage lieferte Yellen eine Antwort, die auch in Europa für Diskussionen sorgen wird. Im April sagte sie gegenüber Sara Eisen von CNBC: "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ein Kauf von Aktien durch die Fed zum jetzigen Zeitpunkt notwendig ist, aber auf längere Sicht wäre es für den Kongress nicht schlecht, die Befugnisse der Fed in Bezug auf Vermögenswerte, die sie besitzen kann, zu überdenken."

Teilhabe durch Aktien

Seither stieg der S&P-500-Aktienindex um mehr als 40 Prozent. Und der erfahrungsgemäß gute Dezember liegt noch vor uns. Es ist also durchaus denkbar, dass die USA eine Konstruktion finden, selbst Aktien zu kaufen. Deren Kursgewinne würden in späteren Jahren dazu verwendet werden, die mit den Corona-Hilfen verbundenen Ausgaben zu finanzieren. Dies wäre ein völlig anderer Ansatz, als jene Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die gerade mit Billionen Euro unterstützt werden, später mit neuen Steuern zu belasten. Und damit der Wirtschaft die Luft für neue Investitionen zu nehmen, die ihnen die Politik heute auf Pump zuschiebt. Ein Ansatz, der bei unseren europäischen Volksvertretern die Erkenntnis voraussetzt, dass Aktien nicht Teufelszeug und reine Spekulationsobjekte sind, sondern die Teilhabe am Erfolg der besten Unternehmen unserer Wirtschaft verschaffen.

Für die bisherige Fed-Chefin Janet Yellen sind Aktien kein Teufelszeug. - © afp/Brendan Smialowski
Für die bisherige Fed-Chefin Janet Yellen sind Aktien kein Teufelszeug. - © afp/Brendan Smialowski

Wohlstand für viele schaffen

Dazu wäre es wünschenswert, wenn Politiker selbst Erfahrung mit Aktien machten. Sie würden erkennen, wie diese Anlageinstrumente funktionieren und welche Bedeutung Aktien für einen langfristigen Vermögensaufbau haben. Die Schaffung von Wohlstand für viele ist leider schon lange kein zentraler Bestandteil politischer Programme mehr. Aktien könnten helfen, dieses Ziel wieder erfolgreich ins Auge zu fassen. Gegen die schon lange voranschreitende Enteignung der Sparer durch Inflation sind nicht viele Kräuter gewachsen. Aktien zählen langfristig auf jeden Fall erwiesenermaßen zu den wirkungsvollsten.

Und vielleicht steht man sich in Europa nicht ideologisch selbst im Weg. Es braucht eine intelligente Finanzierung der jetzt nötigen Hilfen für die am stärksten von der Krise Betroffenen. Neue Steuern setzen die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen und damit die Sicherheit unserer Arbeitsplätze aufs Spiel. Die Demokratin Yellen hat dies längst erkannt.