Seit nunmehr 15 Jahren ist der Zukunftsfonds der Republik Österreich (ÖZF) im Auftrag des "Niemals wieder!" zum Gedenken an die Opfer des NS-Regimes, zur Bekämpfung jeder Form von Antisemitismus und Rassismus und zur Wahrung von Demokratie und Menschenrechten tätig. Auch Förderung von Toleranz und internationaler Verständigung sind zentrale Aufgabenbereiche. Insgesamt 3.000 Projekte wurden bisher gefördert - als Zeichen für Gedenken, Toleranz und Demokratie. Sie stehen für den Auftrag Zukunft.

Am 19. Dezember 2005 wurde der ÖZF per Bundesgesetz errichtet. Er entstand aus einem Teil der Restmittel des Fonds für Versöhnung, Frieden und Zusammenarbeit, der vor mittlerweile 20 Jahren unter einstimmigen Parlamentsbeschlüssen als eine der wichtigsten Initiativen unter Kanzler Wolfgang Schüssel zur Aufarbeitung der verdrängten NS-Vergangenheit Österreichs initiiert und dessen Arbeit im Jahr 2005 abgeschlossen worden war.

2 Millionen Euro jährlich
für mehr als 3.000 Projekte

Günter Bischof , geboren 1953 in Mellau, ist Marshall Plan Professor of History und Direktor des Center Austria: The Austrian Marshall Plan Center for European Studies an der Universität von New Orleans. - © privat
Günter Bischof , geboren 1953 in Mellau, ist Marshall Plan Professor of History und Direktor des Center Austria: The Austrian Marshall Plan Center for European Studies an der Universität von New Orleans. - © privat

Als "verzehrender Fonds" angelegt, konnte der ÖZF seitdem jährlich 2 Millionen Euro der insgesamt 20 aus den Versöhnungsfonds-Restmitteln stammenden Millionen für Förderungen ausschütten: sowohl für wissenschaftliche Projekte als auch für zivilgesellschaftliche Initiativen, die primär dem Gedenken der Opfer des nationalsozialistischen Regimes, der Erinnerung an die Bedrohung durch totalitäre Systeme und Gewaltherrschaft sowie der internationalen Zusammenarbeit dienen. Aktueller denn je sollen die unterstützten Projekte zur Förderung der Achtung der Menschenrechte und der gegenseitigen Toleranz sowie der Stärkung des europäischen Bewusstseins beitragen.

Barbara Stelzl-Marx , geboren 1971 in Graz, ist Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung (Graz/Wien/Raabs) und Professorin für europäische Zeitgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz. - © privat
Barbara Stelzl-Marx , geboren 1971 in Graz, ist Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung (Graz/Wien/Raabs) und Professorin für europäische Zeitgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz. - © privat

Zusätzlich übernahm der Zukunftsfonds bis ins Jahr 2010 die Restabwicklung der Versöhnungsfonds-Agenden und erbrachte insbesondere Leistungen im Zusammenhang mit bereits genehmigten Anträgen ehemaliger Sklaven- und Zwangsarbeiter, deren Begünstigte während der Versöhnungsfonds-Funktionsdauer nicht ausfindig gemacht hatten werden können. Nach zwölf Jahren Tätigkeit und mehr als 2.000 geförderten Projekten neigten sich die aus dem Versöhnungsfonds stammenden Geldmittel 2017 dem Ende zu.

Katharina Bergmann-Pfleger, geboren 1981 in Graz, ist Germanistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung. - © Foto Furgler/Michael Schaffer-Warga
Katharina Bergmann-Pfleger, geboren 1981 in Graz, ist Germanistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung. - © Foto Furgler/Michael Schaffer-Warga

Eine per 1. Jänner 2018 in Kraft getretene Änderung des Zukunftsfonds-Gesetzes sah daraufhin eine Verlängerung dieser wichtigen Fördereinrichtung auf fünf Jahre vor, die es dem ÖZF ermöglichte, weiterhin Projekte mit maximal 2 Millionen Euro jährlich zu unterstützen. Eine neuerliche Verlängerung ist vor dem Hintergrund einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Erinnerungskultur sowie einer gezielten Bewusstseinsbildung in Österreich wesentlich.

Gemäß seinem Gesetzesauftrag hat der Zukunftsfonds mit seinen ehrenamtlich arbeitenden Gremien - einem Kuratorium und einem Projektförderungsbeirat - bis Ende des Jahres 2020 rund 3.000 Projekte ermöglicht. Dabei verzeichnet der ÖZF eine kontinuierlich steigende Anzahl von Projektanträgen: Die jährlich eingebrachten Anträge haben sich gegenüber dem Beginn seiner Tätigkeit mittlerweile verdreifacht. Kaum ein Buch wird heute zur heimischen Zeitgeschichte publiziert, das nicht vom Zukunftsfonds gefördert wird. Aber auch Veranstaltungen, wissenschaftliche Forschungsprojekte, Filme, Kunst- und Kulturprojekte, Ausstellungen, pädagogische Aktionen, digitale Projekte, Gedenkprojekte und Übersetzungen wissenschaftlicher Publikationen wurden und werden vom ÖZF ermöglicht. Seine Erhaltung als Förderungsinstitution gerade auch von jungen Wissenschaftern ist wesentlich für die Stärkung der heimischen demokratischen Praxis und Toleranz.

Mit seiner Fördertätigkeit in den vergangenen 15 Jahren konnte der Zukunftsfonds wesentlich zu einer Neubewertung von Österreichs NS- und Zweite-Weltkrieg-Vergangenheit beitragen - weg vom "Watschenmann der europäischen Erinnerung" (Zitat Dan Diner) hin zur Übernahme moralischer Verantwortung. Durch seine thematische Ausrichtung und seinen gesetzlichen Auftrag trug der Zukunftsfonds zudem zu einem offenen Umgang mit schwierigen historischen Fragen und zu einer Förderung der demokratischen Gesinnung in Österreich bei. Dies zeigt sich insbesondere in der Ermunterung zivilgesellschaftlicher Initiativen zur Bewusstseinsbildung für die Bedeutung der Erinnerungskultur in Hinsicht auf Demokratie, Frieden und Zukunft.

Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft

Der Fonds förderte zudem Projekte im Bereich Kunst und Kultur, Film und Gedenken. Hinzu kommen digitale, Ausstellungs- und pädagogische Projekte. Letztere sollen vor allem junge Menschen zur geschichtlichen Auseinandersetzung anregen, Antisemitismus und Rassismus entgegentreten sowie Toleranz und Respekt hervorheben. Die vom ÖZF geförderten Projekte tragen dazu bei, die Schichten der Erinnerung freizulegen. Sie schärfen den Blick für aktuelle Entwicklungen und sind ein Zeichen gegen das Schweigen und Wegschauen.

Heute ist der Zukunftsfonds als eine nationale Institution, die als Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft Österreichs fungiert, fest in der Öffentlichkeit verankert. Er steht sowohl aktiv in Form seiner Fördertätigkeit als auch symbolisch für den immerwährenden Auftrag des "Niemals wieder!" - einen Auftrag, der auch in Zukunft seine zentrale Bedeutung nicht verlieren darf. Gerade jüngste Entwicklungen verdeutlichen, wie wichtig es ist, sich aktuellen Formen von Rassismus und Antisemitismus, Radikalisierung, Hass, Gewalt und antidemokratischen Strömungen zu widmen und diesen möglichst früh entgegenzuwirken.

Der Zukunftsfonds trägt wesentlich dazu bei, das Bewusstsein um die Bedeutung der Europäischen Union im Zusammenhang mit Friedenssicherung, Demokratie und Einhaltung der Menschenrechte, insbesondere auch bei jungen Menschen, zu stärken. Den bisherigen 3.000 Zeichen für Gedenken, Toleranz und Demokratie mögen noch viele weitere folgen.

ORF lll zeigt am kommenden Sonntag um 11.15 Uhr die Doku "Gedenken, Toleranz und Demokratie - 15 Jahre Zukunftsfonds"