Kaum ein Tag verstreicht ohne mediale Hiobsbotschaften: Unternehmen wie MAN, Voestalpine, Novomatic, Swarovski, Doka, AVL List, FACC und zuletzt Uniqa kündigen hunderte, teilweise tausende Mitarbeiter oder drohen mit der Schließung von Produktionsstandorten. Mitten in der Corona-Krise ereilen uns die Vorboten einer zweiten, unternehmerischen Pandemie. Viele Unternehmen wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Eine globale Pandemie, Lockdowns oder Ausfälle in der Lieferkette waren nicht Teil langfristiger und strategischer Planungen. Viele Unternehmen, die dadurch in Schieflage geraten sind, kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Sie versuchen laufende Kosten zu reduzieren, ihre Liquidität zu verbessern und so Handlungsspielraum zu gewinnen: durch das Veräußern von Unternehmensbereichen oder das Einstellen von Produktlinien. Politik
und private Geldgeber arbeiten fortwährend daran, Hilfspakete zu schnüren oder Investitionschancen wahrzunehmen. Fruchten die unterschiedlichen Maßnahmen dennoch nicht, drohen ein Totalausfall und viele weitere Kündigungen. Noch zu Jahresbeginn war so ein Szenario undenkbar. Jetzt befinden wir uns mittendrin.

Rainer Matiasek ist Wachstums- und Performancestratege und blickt auf viele Jahre internationale Erfahrung in führenden Unternehmen der Strategieberatung und Industrie zurück. - © Martin Graham
Rainer Matiasek ist Wachstums- und Performancestratege und blickt auf viele Jahre internationale Erfahrung in führenden Unternehmen der Strategieberatung und Industrie zurück. - © Martin Graham

In diesen besonderen Zeiten müssen Unternehmen und Mitarbeiter gemeinsam anpacken und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Fokus auf Digitalisierung, Einführung neuer Produkte und verstärkte Nutzung vorhandener Ressourcen - diese Konzepte sollten jetzt vorangetrieben werden. Ein großes Potenzial, das oft unterschätzt wird, eröffnet sich gerade auch durch die eigenen Mitarbeiter. Denn sie sind weit mehr als nur ein Kostenfaktor oder ein Hebel für Einsparungen. Sie stehen nicht nur für Know-how, sondern sie stehen auch in der Krise hinter ihrem Unternehmen. Sie sind Teil des nicht-physischen Unternehmenskapitals, das sich gerade jetzt bezahlt macht. Sind Firmen im Kern "gesund", planen sie umsichtig und verfolgen sie langfristige Strategien, werden diese Mitarbeiter nach Abklingen der Krise umso mehr zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Beide Seiten sind daher gefordert, Chancen für Veränderungen zu suchen, zu ergreifen und zu verwirklichen.

Wesentlich aus Unternehmenssicht ist daher, Mitarbeiter frühzeitig in bevorstehende Veränderungen einzubinden und weitere Schritte konkret abzuklären, insbesondere hinsichtlich Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie der Neubewertung bisheriger Aufgabenbereiche. Speziell während der Krise und nicht erst danach. Aber nicht nur die Unternehmen, auch die Mitarbeiter selbst stehen in der Verantwortung, jetzt aktiv zu werden. Neben den täglichen Routinearbeiten ist es in ihrem eigenen Interesse, Impulse zu setzen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Jeder Mitarbeiter sollte sich aus Eigenmotivation kontinuierlich fortbilden. Nicht nur Kurse besuchen, sondern Unterstützung, etwa im Coaching-Bereich, suchen und für sich eine Strategie festlegen - für Persönliches, Familiäres und Berufliches. Um mitten in der Krise weg vom Kostenfaktor und wieder hin zum Erfolgsfaktor zu kommen, sind Fertigkeiten und die positive Einstellung für Veränderungen und Wachstum das Um und Auf - bei Unternehmen und Mitarbeitern.