Zum Tag der Deutschen Einheit hat mir unser Honorarkonsul in Innsbruck die "Piefke-Saga" geschenkt. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir zu Hause einen ausrangierten Laptop wieder flottgemacht hatten, um die DVDs abspielen zu können. Die Serie ist immerhin 30 Jahre alt, und wie der Begriff "Piefke" ist auch die DVD ein bisschen aus der Mode gekommen.

Ralf Beste ist seit September 2019 deutscher Botschafter in Österreich. Davor war der studierte Historiker als Journalist tätig, unter anderem für die "Berliner Zeitung" und den "Spiegel". - © Deutsche Botschaft Wien
Ralf Beste ist seit September 2019 deutscher Botschafter in Österreich. Davor war der studierte Historiker als Journalist tätig, unter anderem für die "Berliner Zeitung" und den "Spiegel". - © Deutsche Botschaft Wien

Ich bin in Österreich öfters gefragt worden, wie man als Deutscher Botschafter überhaupt seinen Dienst antreten kann, ohne die legendäre Fernsehreihe zu kennen. Nachdem wir im Lockdown zwei Folgen gesehen haben, muss ich sagen: Vielleicht ist es gut, wenn man davon unvorbelastet seinen Dienst antritt. Die Reihe ist ziemlich gut, und gelegentlich fühlt man sich als Deutscher besser getroffen, als einem lieb ist. Dass die Deutschen nicht so gut wegkommen, kann ich jetzt immerhin bestätigen. Die Österreicher allerdings auch nicht. Protzigkeit und Brutalität auf deutscher Seite, Gerissenheit und (Selbst-)Ausbeutung auf österreichischer - Satire muss nicht der Völkerverständigung dienen, und das hat sie damals offenbar auch nicht getan.

Aber vielleicht gelingt es ja im Nachhinein, etwas aus der "Piefke-Saga" zu lernen. Den Akteuren beider Nationen war gemein, sich für die Wünsche und Nöte der jeweils anderen eher am Rande zu interessieren. Sie wurden nicht als Menschen, sondern nur als Dienstleister wahrgenommen: Geld gegen Urlaub.

Zwischen zwei befreundeten Nachbarn wäre das ein bitterer Befund, zum Glück war es nur ein Film.

Die Querelen rund ums Skifahren in der Corona-Krise zeigen aber, wie rasch es mit dem gegenseitigen Verständnis hapert, wenn das Stressniveau steigt. Dann übersehen vielleicht manche Österreicher, dass zwar einige Millionen Deutsche gerne Ski fahren, aber etwa fünfmal so viele das Skifahren für einen Freizeitspaß halten, der in Krisenzeiten verzichtbar ist. Wenn diese Deutschen dann etwa - zum Verdruss der Österreicher - von "Ischgl" reden, ist das weniger eine Schuldzuweisung als ein schlichter Ausdruck der Sorge, dass ihr Nachbar infiziert aus dem Winterurlaub zurückkommt.

Andererseits übersehen manche Deutsche, dass der Skibetrieb für viele in Österreich die wirtschaftliche Existenzgrundlage bildet. Und, vielleicht noch wichtiger: dass der Skisport hier für viele Menschen ein Volkssport ist, der auch ein bisschen zur Seele der Nation gehört. Und die schaltet man nicht ab wie einen Lift.

Über beides sollten wir reden. Das ist zumindest mein Eindruck als Piefke.