Ohne Impfung kein Boarding: Das hat jüngst die australische "Quantas" angekündigt, die zumindest auf Langstreckenflügen künftig keine Passagiere mehr in ihre Flieger lassen will, die nicht gegen Corona geimpft sind. Die Aussie-Airline wird sicher nicht das einzige Unternehmen bleiben, das dies so halten wird. Absehbar ist, dass ohne Nachweis einer Impfung auch viele andere Türen verschlossen bleiben .

Nadhim Zahawi, in der britischen Regierung für Corona zuständiger Minister, meinte jüngst: "Ich denke, Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass Restaurants, Bars, Kinos und andere Veranstaltungsorte, Sportstätten, dieses System wahrscheinlich ebenfalls verwenden werden." Wer geimpft wird, bekommt demnach einen diesbezüglichen Nachweis direkt auf sein Mobiltelefon, das damit zum Sesam-öffne-dich der Corona-Zeit wird. Den Menschen, die sich nicht impfen lassen, werden dann wohl nur außerordentlich reduzierte Möglichkeiten bleiben, am normalen Leben teilzunehmen.

Ob und inwieweit das überhaupt zulässig ist, werden noch ziemlich harte politische, juristische und ethische Auseinandersetzungen klären müssen. Dagegen wird der Kulturkampf um die Maske eine kultivierte 5-Uhr-Tee-
Plauderei gewesen sein. Es wird ganz aufschlussreich sein, zu beobachten, ob die Minderheit der Ausgeschlossenen das Diktat der impfwilligen Mehrheit so einfach hinnehmen wird - oder Widerstand leistet, möglicherweise nicht nur mit friedlichen Mitteln.

Als wäre da nicht schon ausreichend Sprengstoff für ein explosives Jahr 2021 vorhanden, vermengt sich diese Lage nun mit einer zweiten, in Europa nur am Rande registrierten Entwicklung. Der chinesische Präsident Xi Jinping hat nämlich beim letzten G20-Gipfel einen "globalen Mechanismus" vorgeschlagen, um Reisen in Covid-Zeiten besser zu ermöglichen: "Wir müssen Politik und Standards weiter harmonisieren und ‚Fast Tracks‘ einrichten, um den geordneten Personenverkehr zu erleichtern."

Das klingt harmlos, ist es aber nicht. China betreibt seit Anfang des Jahres ein ziemlich lückenloses Corona-Überwachungssystem, dessen Basis die omnipräsenten Handys der Bürger sind, denen mittels QR-Code und künftig auch abhängig vom Impfstatus unterschiedliche Freiheitsgrade des Reisens, der Teilhabe am sozialen Leben und des Besuchs von Lokalen, Museen, Kinos, öffentlichen Verkehrsmitteln und anderen Bereichen gewährt oder verboten wird. Das System ist ebenso totalitär wie erfolgreich, gemessen an den Corona-Zahlen. Und China möchte es nun offensichtlich in irgendeiner Form weltweit ausrollen - eine auch für Zeitgenossen, die nicht unter Paranoia leiden, nicht wirklich erbauliche Vorstellung.

Gut in dieses Bild passt, dass China jüngst die größte Freihandelszone der Welt orchestriert hat, zusammen mit Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland Vietnam, Thailand, Indonesien und einigen anderen. Ein Markt, von über zwei Milliarden Menschen, von Peking dominiert. Dass China damit imstande sein wird, "globale Standards" (Xi Jinping) der Überwachung unter dem Vorwand der Pandemie nach seinen Vorstellungen zumindest ein Stück weit umzusetzen, erscheint zumindest denkbar. Beruhigend ist es nicht.