Die Corona-Krise hat uns einige Dinge eindrucksvoll gelehrt. Erstens, die häufig angezweifelte Alltagstauglichkeit von Mathematik im Schulunterricht, um etwa Exponentialfunktionen zu verstehen. Zweitens, dass eine Welt ohne Wachstum nicht erstrebenswert ist. Und, dass institutionelle Kinderbetreuung wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft übernimmt, auch wenn diese erst dann geschätzt werden, wenn sie ausfallen.

Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.
Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.

Institutionelle Kinderbetreuung ist aber nicht nur dann wertvoll, wenn Eltern im Homeoffice Arbeit und Familie jonglieren. Sie bringt viel positiven Effekte mit sich. Erstens, so findet die ökonomische Literatur, wirkt sie positiv auf die Arbeitsmarktbeteiligung und die Löhne der Frauen. Dabei kommt es aber auf die genaue Ausgestaltung an. Zweitens hat Kinderbetreuung positive Effekte für die Kinder im späteren Erwachsenenleben: Dies gilt sowohl in Bezug auf den Bildungserfolg und die Erwerbsbeteiligung als auch in Bezug auf Leistungen der sozialen Mindestsicherung.

Eine kürzlich viel zitierte Studie über die Ausweitung der Kinderbetreuung in Österreich und deren Effekt auf den Gender Gap von Josef Zweimüller und Ko-Autoren kommt zu einem anderen Schluss: der massive Ausbau hatte keinen wesentlichen Effekt auf die Löhne der Frauen und verkleinerte somit nicht die Gehaltslücke. Wie ist das möglich? Und heißt das, dass wir Investitionen stoppen sollen? Wir, die Eco Austria, erklären in einer neuen Studie, wie es zu diesem Ergebnis gekommen ist: Solange Kinderbetreuung nicht auf einer Vollzeitbasis verfügbar ist, bleibt die Vollzeitbeschäftigung der Frauen mit Kindern restringiert. Es kann sogar zu einem statistischen Paradox kommen, dass der Ausbau der Kinderbetreuung mit einem höheren Gender Gap verbunden ist, sofern dieser einen Wechsel von Inaktivität zur Teilzeit, aber nicht zur Vollzeit bedeutet. Der Effekt entsteht, weil inaktive Frauen gar nicht in der Gender Gap Statistik enthalten sind, Teilzeitbeschäftigte aber schon. Genau das ist seit 1972 zu beobachten: der gesamte Anstieg in der Kinderbetreuung ist auf Vormittagsbesuch zurückzuführen, während die Anzahl der Kinder, die Kindergärten ganztags besuchen, fast gleichgeblieben ist.

Es gibt Wege, wie man die Öffnungszeiten erweitern könnte, ohne dass die Kosten wesentlich steigen müssten. Ein Schlüssel dazu sind lokale Kooperationen zwischen Gemeinden und Trägern sowie Anreize in der Finanzierung, insbesondere im Finanzausgleich, solche Kooperationen auch einzugehen. Gerade in den kleineren Gemeinden in Westösterreich wäre es möglich, die Öffnungszeiten fast kostenneutral zu erweitern, wenn gleichzeitig die häufig sehr kleinen Einrichtungen durch Kooperationen vergrößert würden.

Hochqualitative Kinderbetreuung hat nicht nur in der Corona-Krise eine große Bedeutung. Sowohl für die Mütter, die durch Erwerbsarbeit etwa Altersarmut vermeiden können, als auch für die Kinder, die noch Jahrzehnte später davon profitieren. Um diese Potenziale zu realisieren, muss dieses Thema aber tatsächlich auch nach Bewältigung der Pandemie näher ins Zentrum der Politik rücken.