Vor einem Jahr hätte wohl kaum jemand gedacht, dass 2020 derart einschneidend werden würde: Lockdown-Maßnahmen, ein Herunterfahren zahlreicher Wirtschaftsaktivitäten und Milliardenspritzen der internationalen Notenbanken prägten den Alltag. Auch in Hinblick auf das Thema Geld glich das zur Neige gehende Jahr einer Achterbahnfahrt - an den wenigsten ist 2020 spurlos vorübergezogen, und viele Anleger dürften ihre erste Erfahrung mit einer Baisse gemacht haben. Grund genug, um nach vorne zu schauen. Auf Basis der Lektionen aus der aktuellen Zeit geben wir als Österreichischer Verband Financial Planners vier Geldgebote an die Hand. Diese sollen Konsumenten dabei unterstützen, ihr Vermögen sicher durch das turbulente Fahrwasser der nächsten zwölf Monate und darüber hinaus zu navigieren.

Finanziellen Tatsachen
ins Auge sehen

Unabhängig davon, ob man sich derzeit in wirtschaftlicher Sicherheit wiegt oder nicht, empfiehlt es sich, das Jahresende zum Anlass zu nehmen, um eine Übersicht über das eigene Vermögen zu gewinnen. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, wie es um die eigenen Finanzen wirklich bestellt ist. Im ersten Schritt lohnt es sich immer, Einnahmen und Ausgaben einander gegenüberzustellen, um herauszufinden, wo man im nächsten Jahr den Sparstift ansetzen könnte. Oft laufen Abos ungenutzt weiter, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Aktuell könnte beispielsweise geprüft werden, ob Mitgliedschaften in Sportinstituten stillgelegt werden können. Folgende Fragen sollte man sich selbst schriftlich beantworten: Welchen Einfluss hat die Pandemie auf mein Einkommen? Mit welchen Zahlungseingängen kann gerechnet werden, welche fallen hingegen wahrscheinlich aus? Wie viel mehr oder weniger habe ich zur Verfügung als im Vorjahr? Welche Ausgaben lassen sich kurzfristig reduzieren oder verschieben?

Petra Witzmann ist Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes Financial Planners und leitet den Bereich Private Banking der Waldviertler Sparkasse Bank AG. - © Waldviertler Sparkasse Bank AG
Petra Witzmann ist Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes Financial Planners und leitet den Bereich Private Banking der Waldviertler Sparkasse Bank AG. - © Waldviertler Sparkasse Bank AG

Altbewährtes auf
den Prüfstand stellen

Neben einem Check der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit lohnt es sich auch, langjährige Vereinbarungen auf den Prüfstand zu stellen und eventuell bessere Möglichkeiten auszuloten, beispielsweise bei Krediten: Es ist ratsam, jetzt die Höhe des Zinssatzes für bestehende Kreditvereinbarungen, wie Wohnung oder Haus, und die vereinbarten Konditionen zu kontrollieren. Aktuell sind die Zinssätze so günstig wie noch nie, und wer jetzt einen Fixzinssatz für einen längeren Zeitraum, etwa fünf oder zehn Jahre, neu festlegt, profitiert vielleicht. Idealerweise passiert dies bei der Bank, die den Kredit zur Verfügung stellt, und eine Zusatzvereinbarung diesbezüglich ist meist gratis oder nur mit geringen Mehrkosten verbunden. Ist dies nicht möglich oder attraktiv, kann eine Umschuldung zu einem anderen Institut in Betracht gezogen werden, da sich die Kosten für eine neue Kreditvereinbarung durch die Ersparnis beim günstigeren Zinssatz meist schon im ersten Jahr amortisieren.

Viele Konsumenten machen sich Gedanken über ihre Möglichkeiten für den Fall, dass plötzlich unerwartete große Ausgaben anfallen sollten. In diesem Fall lohnt es sich, kurzfristige Entnahmemöglichkeiten zu prüfen, indem Positionen in der persönlichen Bilanz identifiziert werden, die im Falle des Falles rasch versilbert werden können. Ähnlich bedeutsam ist es, die eigenen Nachlasspläne in Ordnung zu bringen und diese den Begünstigten und Verwaltern klar zu kommunizieren. Die aktuelle Krise hat bei vielen Personen dazu geführt, die Bestimmungen in ihren Testamenten neu zu überdenken. Die Pläne wurden teilweise vor Jahrzehnten ausgearbeitet, und die Umstände haben sich seitdem geändert. Je komplexer die Konstellation, desto höher ist der Beratungsbedarf - Stichwort: Patchwork-Familien.

Sich selbst der
Nächste sein

"Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts." Selten war dieser Aphorismus des Philosophen Arthur Schopenhauer so zutreffend wie im zurückliegenden Jahr. Finanzplanung bedeutet Lebensplanung, und in diesem Sinne fällt darunter auch die Gesundheitsvorsorge. Das ist ein wichtiges Zukunftsthema. Die Kosten im Gesundheitswesen steigen rapide und gleichzeitig wird durch den demografischen Wandel beziehungsweise die Alterung der Gesellschaft intensivere ärztliche Versorgung benötigt. Seit Beginn der Pandemie beobachten wir beim Verband steigende Nachfrage zu diesem Thema. Beratung ist auch in diesem Fall empfehlenswert, da mitunter gesonderter Bedarf für Absicherung besteht, oft durch chronische Erkrankungen in der Familie oder aufgrund von berufsspezifischen Gesundheitsrisiken.

Vor diesem Hintergrund gilt es auch, den eigenen Lebensabend im Auge zu behalten. Konsumenten betonen in den meisten Umfragen, vor allem ein finanzielles Lebensziel zu haben: im Alter keine allzu großen Abstriche machen zu müssen. Das allerdings ist alles andere als leicht. Um zum Beispiel monatlich 1.000 Euro zusätzlich zur staatlichen Pension zur Verfügung zu haben, gilt es zuvor, ein Vermögen von rund einer halben Million Euro aufzubauen. Auch wenn es sich hier um eine grobe Faustregel handelt, sollte die Höhe dieses Betrages jungen Menschen ein Anreiz sein, besser früher als später vorzusorgen. Menschen ab 50 Jahren hingegen sollten überlegen, das Risiko für einen entsprechenden Teil ihres Vermögens eher zurückzufahren.

Bei Geldanlagen nicht
"Mr./Mrs. Market" spielen

Der Wirtschaftswissenschafter Benjamin Graham prägte den Begriff von "Mr. Market". Es handelt sich um den sogenannten Otto-Normal-Anleger, der anfällig ist für Panik, Euphorie und Apathie. Das sind Affekte, denen man in der Welt der Kapitalanlage immer wieder begegnet. "Mr./Mrs. Market" trifft Entscheidungen auf der Grundlage von Emotionen und täglichen Kursschwankungen, vergisst aber auf das große Ganze. Hierzu gibt es bereits mehrere wissenschaftliche Studien. So belegt beispielsweise die "Prospect Theory" der Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky aus dem Jahr 1979, dass Menschen in Unsicherheitssituationen nicht rational agieren, sondern beispielsweise mögliche Verluste stärker gewichten als potenzielle Gewinne.

Es ist normal, dass man selbst immer einen anderen Bezug zum eigenen hart ersparten Geld hat. Aber genau aus diesem Grund ist es wichtig, einen externen, neutralen Berater hinzuzuziehen. Scheuen Sie sich nicht, über Geld zu sprechen. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Die Auswahl des Beraters sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Neben Fachwissen, Objektivität und Integrität sind es dabei Zusatzausbildungen und Zertifizierungen, die einen kompetenten Berater auszeichnen, dem Konsumenten ihr Vertrauen schenken können.