Das Jahr 2021 wird ein Jahr der Kapitalmarktchancen. Die Aussichten sind geprägt von negativen Realrenditen, einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik und Fortschritten bei der Pandemiebekämpfung. Das Winterhalbjahr wird hart, auch konjunkturell. Ab dem Frühjahr werden wir dann einen deutlichen Wachstumsschub erleben. Angeraten sind daher Investitionen in chancenorientierte Anlagen. Vieles spricht dabei für Aktien.

Jens Wilhelm ist seit 2008 Mitglied des Vorstands der Union Asset Management Holding AG. Als Chief Investment Officer verantwortet er das Portfoliomanagement und das Immobilienfondsgeschäft. Darüber hinaus ist Wilhelm seit 2014 Mitglied im Präsidium des Deutschen Aktieninstituts. Zum 1. März 2016 wurde er in die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex berufen. - © Union Investment
Jens Wilhelm ist seit 2008 Mitglied des Vorstands der Union Asset Management Holding AG. Als Chief Investment Officer verantwortet er das Portfoliomanagement und das Immobilienfondsgeschäft. Darüber hinaus ist Wilhelm seit 2014 Mitglied im Präsidium des Deutschen Aktieninstituts. Zum 1. März 2016 wurde er in die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex berufen. - © Union Investment

Aktuell leidet die Weltwirtschaft noch stark unter dem Coronavirus. Ein Impfstoff wird erst ab Mitte 2021 zur Wende der Pandemiebekämpfung führen können. Erst mit der Verabreichung an breite Bevölkerungsschichten wird eine Rückkehr zur Normalität möglich. Bis zum Sommer müssen Gesellschaft, Wirtschaft und Kapitalmärkte weiter mit dem Virus leben. Allerdings sind auch deutliche Fortschritte bei der Bekämpfung des Coronavirus im Vergleich zum vergangenen Frühjahr sichtbar. Wir haben viel gelernt - medizinisch, aber auch ökonomisch. Daher werden die Folgen des erneuten Lockdowns weniger drastisch ausfallen.

- © getty images/Avalon_Studio
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Konjunkturelle Dynamik
ab dem Frühjahr 2021

Das Winterhalbjahr 2020/2021 bleibt konjunkturell noch von der Pandemie belastet. Nach schwachem Start ist im Verlauf des Jahres dann mit Blick auf pandemiebedingt angestaute Nachfrage und zurückgestellte Investitionen mit einer deutlichen Belebung der wirtschaftlichen Dynamik zu rechnen. Konkret ist für 2021 ein Zuwachs von 3,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die USA zu erwarten, die bereits zum Jahresende wieder das Vorkrisenniveau bei der Wirtschaftsleistung erreichen dürften. Mehr Zeit benötigt der Euroraum, der erst 2022 die Krisenverluste aufgeholt haben sollte. 2021 dürfte Wachstum aber immerhin auf 4,2 Prozent klettern. Stark von der Pandemie getroffene Länder wie Italien (5,7 Prozent) und Frankreich (5,4 Prozent) dürften besonders hohe Raten aufweisen. Für Deutschland ist von einem Anstieg des BIP von 3,3 Prozent auszugehen. Dabei profitiert der deutsche Exportmotor vom kräftigen Aufschwung in Asien. China ist die einzige große Volkswirtschaft, die zurzeit eine V-förmige Erholung erlebt.

Ende der Austerität: Expansive Wirkung der Fiskalpolitik

Unterstützung ist von einer aktiveren Fiskalpolitik zu erwarten. In den USA ist noch im Jänner mit einem neuen, umfassenden Konjunkturpaket zu rechnen. Sobald der Wechsel im Weißen Haus dann endlich vollzogen ist, wird sich der Kongress schnell auf neue Hilfen einigen. Auch in anderen Volkswirtschaften sind höhere Ausgaben zu erwarten: Fiskalischer Aktivismus ersetzt fiskalische Austerität - auch in Deutschland. Für die Kapitalmärkte ist diese Neujustierung die bisher wichtigste neue Weichenstellung in der Dekade. Bisher lag die Last der Krisenbekämpfung hauptsächlich auf der Geldpolitik. Jetzt bekommen wir mit der Fiskalpolitik einen zweiten Stützpfeiler dazu. Corona bedeutet das Ende der Austerität.

Geldpolitik: Höhere
Inflationstoleranz erlaubt
stärkere Wachstumsförderung

Gleichzeitig wird wohl die lockere Geldpolitik weitergehen. Derzeit wird das geldpolitische Koordinatensystem neu kalibriert, wie das Beispiel der US-Notenbank zeigt. Die Fed hat den Anfang gemacht, andere werden folgen. Man versieht die Inflationsziele mit einem Gedächtnis und wird so auch ein vorübergehendes Überschießen der Inflation tolerieren. Diese höhere Inflationstoleranz erlaubt einen stärkeren Fokus auf Wachstum. Die Geldpolitik bleibt noch länger äußerst locker. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre neue Strategie zwar noch nicht bekanntgegeben, aber auch in Frankfurt denkt man wohl in diese Richtung. Die EZB wird noch im Dezember geldpolitisch nachlegen, sowohl durch erweiterte Ankäufe als auch durch neue Tender.

Negative Realrenditen
werden zur Norm

Im Ergebnis dürften die nominalen Zinsen lange niedrig bleiben. Selbst bei einer nur geringfügig ansteigenden Inflation werden die realen Renditen, also die Erträge nach Abzug der Teuerung, für sichere Anlagen in der Breite negativ bleiben. Negative Realrenditen sind die Norm. Ohne höherrentierliche Anlagen ist keine sinnvolle Kapitalanlage denkbar.

Aktien als präferierte
Anlageklasse

Vor allem Aktien sind aussichtsreich. Die Gewinne werden 2021 zu Kurstreibern. Es ist mit einem Anstieg der weltweiten Firmengewinne um bis zu 30 Prozent im Jahresvergleich zu rechnen. Gleichzeitig halten die niedrigen oder gar negativen Realrenditen die Bewertungen auf einem erhöhten Niveau. Für Aktien ist das fast die beste aller Welten. Für das Gesamtjahr ist der Anlageklasse damit ein Ertrag von bis zu 10 Prozent zuzutrauen. Der deutsche Börsenindex DAX dürfte zum Jahresende 2021 bei 14.000 Punkten landen. Insgesamt ist mit einem Wechsel bei den favorisierten Regionen und Stilen zu rechnen. Die konjunkturelle Erholung wird Zyklikern, aber auch Value-Werten im Jahresverlauf helfen. Gleichzeitig sind die Chancen der erfolgreichen Titelselektion hervorzuheben: Corona ist ein Trendverstärker und führt zu einer vermehrten Ausdifferenzierung bei Gewinnern und Verlierern.

Immobilien bleiben
insgesamt attraktiv

Bei Immobilien gibt es zwar durchaus einige durch die Pandemie ausgelöste Herausforderungen. Insgesamt bleibt die Sachwert-basierte und Cashflow-starke Anlageklasse aber im aktuellen Umfeld attraktiv. Die Immobilie bleibt ein wichtiger Bestandteil in einem balancierten Portfolio, gerade in Zeiten negativer Realzinsen.

Ausweitung des
Transatlantik-Spread
bei Staatsanleihen

Auf der Rentenseite ist bei sicheren Staatsanleihen wie US-Treasuries oder deutschen Bundesanleihen Vorsicht angebracht. Die Kombination aus niedriger Verzinsung und leicht steigenden Renditen spricht gegen diese sicheren Häfen. Dabei sind eine leichte Versteilerung der Zinsstrukturkurve über Anstiege am langen Ende sowie ein Auseinanderlaufen der Renditen auf deutsche beziehungsweise US-Staatsanleihen zu erwarten. Der Transatlantik-Spread wird sich ausweiten. Die Chancen bleiben ansonsten überschaubar. Gerade in diesem Umfeld bleiben Papiere mit Zinsaufschlag attraktiv. Unternehmensanleihen, Peripheriepapiere und Bonds aus den Schwellenländern bieten nach wie vor Chancen. Anleger sollten diese Formen der risikobehafteten, aber Ertrag versprechenden Investitionen nicht außer Acht zu lassen. Für 2021 gilt: Auf die Wiederöffnung setzen!