Die Zeit ist abgelaufen - die Digitalisierung der Bildung muss priorisiert werden. Dass Homeschooling zum Bildungsverlust von rund 20 Prozent führen kann, zeigt eine Studie der Universität Oxford über die Niederlande. Das ist wenig überraschend, wenn man Schätzungen der OECD Beachtung schenkt: In den OECD-Ländern ist im Schnitt ein Drittel der Schultage ausgefallen. Derartige fatale Fehler im Distance Learning können wir uns heuer nicht mehr leisten. In Österreich sitzt uns bei der Digitalisierung der Bildung Maria Theresia noch immer viel zu sehr im Nacken. Befreien wir den Lehrerberuf vom Kreidestaub und schulen endlich digitale Lehrer.

Felix Ohswald ist Gründer und Geschäftsführer des Wiener Start-ups GoStudent. Mit seiner digitalen Lernplattform hat er sich schon lange vor der Covid-Krise mit Distance Learning beschäftigt. - © Stefan Knittel
Felix Ohswald ist Gründer und Geschäftsführer des Wiener Start-ups GoStudent. Mit seiner digitalen Lernplattform hat er sich schon lange vor der Covid-Krise mit Distance Learning beschäftigt. - © Stefan Knittel

Der Acht-Punkte-Plan für die Digitalisierung der Schulen setzt einen starken Fokus auf die Ausstattung der Schüler mit digitalen Endgeräten. Es braucht aber vor allem das Know-how des Lehrpersonals, diese effektiv einzusetzen. Während des Schul-Lockdowns wurden Lehrkräfte ins kalte Wasser gestoßen: unvorbereitet und ohne entsprechendes Training. In einer von GoStudent durchgeführten Elternbefragung nannten 87 Prozent schulische Herausforderungen während Corona-Zeiten. Zwei Drittel der befragten Eltern wünschten sich, dass das Lehrpersonal künftig besser auf den Distanzunterricht vorbereitet sein solle. Es empfiehlt sich, ein umfangreiches Lehrangebot für Lehrer aufzusetzen, wie man hochqualitative und motivierende, digitale Lerninhalte erstellt und effektiv vermittelt.

Holen wir das Lehren und Lernen aus der Blackbox und lassen auch KI-basierte Tools zu. Unterricht wird schon lange als eine Art "Blackbox" akzeptiert. Durch dein Einsatz Künstlicher Intelligenz, etwa im Online-Videounterricht, können wichtige Rückschlüsse gezogen werden. Mit "Emotion Tracking"-Softwares werden unterschiedliche Punkte im Gesicht des Lehrpersonals und der Kinder gemessen und so Gefühle wie Freude, Ärger oder Ängstlichkeit im Unterricht sichtbar. "Eye Tracking"-Methoden geben Aufschluss darauf, wie konzentriert Schüler und Lehrer sich mit dem Video-Screen auseinandersetzen.

Kritiker meinen, wir würden so gläserne Kinder schaffen. Das oberste Bestreben dabei ist jedoch die Gestaltung des idealen digitalen Unterrichts zu ermöglichen, sodass Kinder ihr vollen Potenzial entfalten können - und zwar auch im Homeschooling.

Bekämpfen wir den Lehrermangel - schauen wir nach China. Laut Unesco werden bis zum Jahr 2030 weltweit rund 70 Millionen neue Lehrer benötigt. In China gibt es für diese Herausforderung bereits entsprechende Lösungsansätze. Da wird etwa ein "virtueller Lehrer" - beispielsweise eine landesweite Koryphäe im Bereich Physik - via Online-Videoübertragung in Schulklassen im ganzen Land gestreamt. So erhalten Schulkinder völlig ortsunabhängig Zugang zu hochwertigem Unterricht. Erstmals gibt es so keine Nachteile für Schüler, die beispielsweise abgeschieden in einem kleinen Dorf leben. Während des Online-Unterrichts werden Kinder in der Klasse von Pädagogen betreut. Dieses Modell könnte auch in Europa dazu beitragen, dass es im Falle von Engpässen beim Lehrpersonal nicht zu einer verminderten Qualität des Unterrichts kommt.