Die Covid-19-Pandemie hat weltweit bislang rund 2.000.000 Menschen das Leben gekostet - in Österreich fast 6.500. Die Gesundheitssysteme und die darin beschäftigten Personen sind an ihre Leistungsgrenze gekommen. Weite Teile der Wirtschaft werden in Intervallen lahmgelegt, die Arbeitslosigkeit hat sich im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Drittel erhöht.

Ulrike Famira-Mühlberger stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.
Ulrike Famira-Mühlberger stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Die Schülerinnen und Schüler haben seit nun fast einem Jahr die Schulen nur sporadisch von innen gesehen. All das wird negative Auswirkungen haben, die uns noch sehr lange beschäftigen werden. Nun besteht eine berechtigte Hoffnung: Die ersten beiden Impfstoffe sind zugelassen, weitere sollen folgen. Sieht man sich die zeitlichen Fristen der Impfprogramme in Österreich, aber auch in Deutschland an, kommen starke Zweifel auf, ob die Ernsthaftigkeit der eingangs beschriebenen Situation auch wirklich verstanden wurde. BioNTech - das Unternehmen, das den ersten in der EU zugelassenen Impfstoff entwickelt hat - hat im Juni 2020 von der Europäischen Investitionsbank einen Kredit von bis zu 100 Millionen Euro erhalten, der etwa zur Erweiterung der Produktionskapazitäten verwendet wird, um den Impfstoff als Reaktion auf die Pandemie weltweit schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen.

100 Millionen Euro! Das ist lächerlich angesichts der Billionen-hohen Schuldenberge, die die Krise erzeugt. Die EU und die Verantwortlichen in Österreich müssen jetzt rasch dafür sorgen, dass wir nicht nur einen funktionierenden Impfstoff haben, sondern auch die Produktions- und Verabreichungskapazitäten, die eine möglichst rasche Durchimpfung der Bevölkerung erlauben. Hier wurde im abgelaufenen Jahr leider viel versäumt, das es jetzt rasch nachzuholen gilt, auch wenn der gewaltige Schaden nur mehr begrenzt werden kann.

Dafür müssen Kapazitäten von Unternehmen aufgebaut werden (inklusive sämtlicher Zusatzprodukte wie Nadeln, Trägersubstanzen, Glasfläschchen, etc.), die finanziell unterstützt werden müssen bzw. muss eine Abnahme der Produktion gewährleistet sein.

Dies kann nicht dem Markt überlassen werden, hier ist aktiveres Handeln der EU gefordert - die sozialen und wirtschaftlichen Vorteile einer baldigen Durchimpfung der Bevölkerung sind enorm. Die EU hat mit sechs Pharmafirmen Verträge abgeschlossen und sich rund 1,4 Milliarden Impfdosen samt Erweiterungsoption gesichert. Die EU spricht vom Ziel der "Sicherstellung einer ausreichenden Produktion von Impfstoffen in der EU durch Abnahmegarantien für Impfstoffhersteller über das Soforthilfeinstrument".

Auch wenn nicht mal die Hälfte der Impfstoffe von den drei Frontrunnern bestellt wurde, zeigt sich, dass die Auslieferung der Impfdosen zu zögerlich ist. Angesichts der neuen Virusmutation, die vermutlich die Fallzahl nochmals drastisch erhöhen wird, ist die Notwendigkeit eines raschen Handelns gestiegen.

Massive finanzielle Hilfen für Investition in Produktionskapazitäten der zugelassenen Impfstoffe sowie eine rasche Organisation der Impfungen wäre zu diesem Zeitpunkt die beste Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Budgetpolitik. Alles andere wird wesentlich teurer kommen.