Martin Kocher, seit drei Wochen Arbeitsminister, steht vor einer Mammutaufgabe: Die Arbeitslosenquote lag im Dezember in Österreich bei 11 Prozent. Weitere 11 Prozent der Erwerbstätigen sind derzeit in Kurzarbeit. Zumindest ein Teil von ihnen wird wohl ebenfalls arbeitslos werden, sobald die staatlichen Unterstützungsprogramme auslaufen. Umso wichtiger ist, dass möglichst viele Betroffene möglichst schnell einen neuen Job finden können. Welche Weichen müsste der Arbeitsminister stellen, um ihnen das zu ermöglichen?

Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.
Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.

Er könnte Neueinstellungen erleichtern - etwa durch eine zeitweise Senkung der Sozialversicherungsbeiträge. In Frankreich während der Finanzkrise erprobt und für gut befunden, wurde diese Idee nun in der Covid-Krise auch in Australien erfolgreich umgesetzt. Wichtig dabei: Ein möglichst enger Fokus auf besonders betroffene Gruppen, damit nur dort Anreize gesetzt werden, wo diese auch wirklich nötig sind. Denn was wir nicht mehr wollen, sind weitere teure Mitnahmeeffekte, die über die eigentlichen Ziele hinausschießen.

Weiterbildung könnte noch mehr gefördert werden - nicht nur für Arbeitslose. Auch wer in Kurzarbeit ist, muss sich auf einen möglichen Jobverlust vorbereiten und fit für die Zukunft machen können. Falls die Kurzarbeit über den März hinaus noch einmal verlängert werden sollte, könnte ein weiterer Bezug der Kurzarbeitshilfe an konkrete Weiterbildungsauflagen geknüpft werden.

Wir beobachten seit Jahren den Fachkräftemangel in einigen Regionen und die gleichzeitige hohe Arbeitslosigkeit in anderen. Hier braucht es Reformen. Homeoffice-Regelungen bzw. Telearbeit könnten dabei einen wertvollen Beitrag leisten. Mitarbeiter müssten nicht mehr pendeln, denn Telearbeit erlaubt auch die Anwerbung von Arbeitskräften aus anderen Regionen und Ländern. Eine bessere digitale Infrastruktur gehört zwar nicht in das Ressort des Arbeitsministers, käme aber auch dem Arbeitsmarkt zugute. In seinem Einflussbereich liegt das Homeoffice, das zwar für März angekündigt war, die Regierung und Sozialpartner sich aber dann doch ganze fünf Wochen früher einigen konnten.

Wir sollten außerdem nach der Krise über eine Reform des Arbeitslosengeldes diskutieren. Denn ein degressives Arbeitslosengeld - also eines, das am Anfang höher ausfällt und über die Zeit abnimmt - ist nicht nur in fast jedem Land außer Österreich bewährter Standard, sondern hilft auch, die Dauer der Arbeitslosigkeit zu verringern. Mehrere Studien haben das empirisch belegt, und eine dieser Studien dürfte Martin Kocher besonders ansprechen, weil sie aus verhaltensökonomischer Perspektive erklärt, warum eine Absenkung über die Zeit wirkt: Frisch arbeitslose Menschen suchen intensiver, weil sie sich noch an ihrem früheren Einkommen orientieren. Im Lauf der Zeit gewöhnen sie sich an ihre neuen finanziellen Verhältnisse und reduzieren den Suchaufwand. In Erwartung einer Leistungskürzung steigt dieser aber wieder, die Dauer ihrer Arbeitslosigkeit fällt deshalb so gering wie möglich aus. Und das muss unser Ziel sein: möglichst wenig Arbeitslosigkeit. Möglichst schnell neue Perspektiven für alle, die in den nächsten Wochen und Monaten auch ökonomisch einer unsicheren Zeit entgegensehen.