Elf Monaten Corona, davon bereits viele Woche im harten Lockdown, hinterlassen ihre Spuren. Wir alle sehnen uns nach einer Rückkehr zum "früheren Leben". Doch wird es das geben? Die Antwort ist schnell gegeben: Sicher nicht. Und das ist gut so. Denn wir alle haben in der Krise dazugelernt - man denke nur daran, wie selbstverständlich wir gelernt haben, uns über Videokonferenzen auszutauschen.

Beate Meinl-Reisinger ist Klubobfrau der Neos.
Beate Meinl-Reisinger ist Klubobfrau der Neos.

Natürlich war und ist Corona eine Katastrophe, die Pandemie kostet viel zu viele Menschenleben, sie vernichtet viel zu viele Arbeitsplätze, sie treibt viel zu viele Unternehmerinnen und Unternehmer in den Ruin, sie raubt viel zu vielen Kindern und Jugendlichen ihre Zukunftschancen. Das alles wird uns noch jahrelang beschäftigen.

Gleichzeitig sehen wir so viele Unternehmerinnen und Unternehmer, die rasch und kreativ reagieren konnten; die durch innovative Geschäftsideen und eine agile Unternehmensstruktur in der Krise ihr Geschäftsmodell adaptieren, um überleben zu können. So hat sich "Click & Collect" mittlerweile bei vielen Handelsbetrieben etabliert. Andere Betriebe lernten in kürzester Zeit, ihre Arbeit und Kommunikation komplett zu digitalisieren. Und nicht zuletzt schossen innovative Start-ups mit neuen Geschäftsideen mitten in der Krise aus dem Boden - von Lernplattformen bis zu Apps, die die psychische Gesundheit stützen sollten.

Unternehmerinnen und Unternehmer zeigen - in den Branchen, wo es möglich ist - vor, wie es geht. Was alle diese Unternehmen eint, ist ein zeitgemäßer Führungsstil, der nicht von Macht, Autorität und Top-down-Management geprägt ist. Wir sehen einen Führungsstil auf Augenhöhe, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem gemeinsamen Weg mitnimmt, ihnen Vertrauen schenkt und stark auf Partizipation statt auf Autorität setzt. Nur so ist Innovation möglich. Und was bedeutet das alles für den Staat? Ein Staat ist kein Unternehmen. Aber Agilität und Innovation bräuchten Staat und Verwaltung gerade jetzt deutlich mehr.

Passiert ist nicht viel, eine Neuaufstellung der Verwaltung ist nicht zu sehen. Und so reiht sich ein Managementversagen an das nächste. Angefangen beim gescheiterten Contact-Tracing, über die Massentests und den Mangel an Autonomie in der Schulverwaltung bis hin zum Impfchaos, in dem sich zeigt, dass das Abschieben der Verantwortung an die Länder zusammen mit einer dezentralen Impfstrategie zu Chaos führen wird.

Der in Österreich so fest verankerte Föderalismus führt auch nicht dazu, dass Entscheidungsstrukturen transparenter, agiler und damit innovativer werden können. Ganz im Gegenteil. Die Verantwortung von sich zu schieben - weg vom Bund hin zu den Ländern und umgekehrt - wird noch mehr gefördert.

Diese Regierung hat viel von den Unternehmerinnen und Unternehmern zu lernen - angefangen beim Führungsstil und bei der Kommunikation bis hin zur Umsetzung. Es mangelt ja nicht an guten Ideen und Konzepten - sondern am Management dieser. Innovation und Wendigkeit - in diese Richtung muss sich die heimische Verwaltung entwickeln.