Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie haben den Arbeitsmarkt auf den Kopf gestellt. Die Arbeitslosigkeit ist im Jahr 2020 um rund ein Drittel gestiegen. Knapp 540.000 Menschen sind zurzeit arbeitslos oder in Schulung. Frauen sind stärker betroffen als Männer, die westlichen Bundesländer aufgrund der Rolle des Tourismus stärker als die östlichen. Die aktive Beschäftigung ging im Jahresdurchschnitt 2020 um 2 Prozent zurück.

Ulrike Famira-Mühlberger stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.
Ulrike Famira-Mühlberger stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Die kurzfristigen Maßnahmen gegen die unmittelbaren Krisenfolgen bedeuten, dass aktuell zusätzlich rund 430.000 Menschen in Kurzarbeit sind und die Gelder für Schulungen massiv aufgestockt wurden. Diese Maßnahmen sind wichtig und richtig - vor allem die Schulungskostenbeihilfe für Menschen in Kurzarbeit. So kann die ausfallende Arbeitszeit für arbeitsmarktpolitisch und betrieblich sinnvolle Schulungen genutzt und hoffentlich eine nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit der Betroffenen gewährleistet werden.

Neben diesen kurzfristigen Maßnahmen wird es bald auch Maßnahmen für eine Beschleunigung der Erholung des Arbeitsmarktes benötigen, um einer Verfestigung der Arbeitslosigkeit rasch entgegenzuwirken. Zentral werden hier konjunkturbelebende Maßnahmen sein müssen: Es gilt, die öffentliche und private Nachfrage zu stärken und den Abbau von Arbeitslosigkeit gezielt zu fördern (z.B. durch finanzielle Anreize bei Beschäftigungsaufbau). Ein Blick in das Regierungsprogramm zeigt die Palette an Möglichkeiten: Ausbau einer "grünen" Infrastruktur, Ausbau der digitalen Infrastruktur, steigende Nachfrage in der Pflege.

Aber auch längerfristige Themen, die nicht unmittelbar mit der aktuellen Krise in Verbindung stehen, dürfen nicht außer Acht gelassen werden und sollten bei den anstehenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen miteinbezogen werden. Hier geht es vor allem um die Themen der Alterung von Belegschaften, Kompetenzerhalt und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Alterung der Belegschaften durch den demografischen Wandel bringt die Notwendigkeit mit sich, altersgerechte Arbeitsplätze zu gestalten und Modelle zu überlegen, wie Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen in Beschäftigung bleiben können. Nur so wird eine effektive Anhebung des Pensionseintrittsalters gelingen.

Die Covid-19-Krise hat den digitalen Wandel beschleunigt, eine Verbesserung der digitalen Kompetenzen von bestehenden Belegschaften, aber auch Arbeitslosen ist dringender als je zuvor. Die internationalen Daten zeigen, dass Österreich hier Nachholbedarf hat. Eine Förderung von kontinuierlichen Weiterbildungsmodellen wird die Kompetenzen von Beschäftigten up-to-date halten und so den strukturellen Wandel unterstützen.

Die Covid-19-Krise trifft Frauen stärker als Männer. Sie sind durch das Homeschooling stärker gefordert. Vereinbarkeitsmaßnahmen sollten Männer stärker ansprechen, um so zu einer gerechteren Verteilung der Arbeitsmarktchancen beizutragen. Für den neuen Arbeitsminister gibt es also eine Fülle an Aufgaben. Seine Expertise gibt Grund zur Hoffnung.