Der abgewendete Blackout vom
8. Jänner sollte ein Anlass sein, ernüchtert aufzuwachen und das kurz vor der Behandlung im Parlament stehende Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) noch einmal zu überdenken. Dessen Ziel - 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren (Wasser, Wind, Sonne) im Jahr 2030 - bedeutet den Ausstieg aus der Stromerzeugung durch Grundlastkraftwerke, die fossile Kraftstoffe verheizen, bei uns vor allem Erdgas. Da diese 100 Prozent nur bilanziell zu verstehen sind, bleibt allerdings ein Hintertürl offen, könnte man argwöhnen: nämlich die Importe, in unserem Fall vor allem im Winter 20 und mehr Prozent Atom- und Braunkohlestrom aus Tschechien.

Gero Vogl habilitierte sich an der Technischen Universität München. Von 1977 bis 1985 war er Professor an der Freien Universität Berlin, von 1999 bis 2001 Direktor am heutigen Berliner Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energie sowie von 1985 bis 2009 Ordinarius für Physik an der Universität Wien. - © Erich Leonhard
Gero Vogl habilitierte sich an der Technischen Universität München. Von 1977 bis 1985 war er Professor an der Freien Universität Berlin, von 1999 bis 2001 Direktor am heutigen Berliner Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energie sowie von 1985 bis 2009 Ordinarius für Physik an der Universität Wien. - © Erich Leonhard

Im jüngsten Gastkommentar der Umweltministerin und des EU-Umweltkommissars lässt sich diese Ernüchterung nach dem Beinahe-Blackout noch nicht ganz erkennen, aber Ministerin Eleonore Gewessler hat an anderer Stelle sinngemäß gesagt, es sei ja alles (noch einmal) gut gegangen. Das lässt auf Bedenken auch in ihrem Ressort schließen, ob ein Schnellschuss zur Rettung vor der Klimakatastrophe, wie mit dem EAG geplant, nicht vielleicht andere kurzfristig schlimmere Katastrophen auslösen könnte.

Nun verursachte den Beinahe-Blackout nicht die Unzuverlässigkeit von Wind, Wasser und Sonne, sondern offenbar ganz banal ein Schalterausfall weit hinten, am nahen Balkan. Allerdings an einem Tag, an dem, wie häufig im Winter, wenig Wasser die Donau hinunterfloss und in Mitteleuropa Sonne und Wind auf Urlaub waren, eine sogenannte Dunkelflaute also, kompensiert durch vollen Einsatz fossiler Grundlastkraftwerke und viel Stromimport. Aber der Strom vom Balkan fehlte nach dem Schalterausfall, und die Netzfrequenz fiel bedrohlich ab.

Was wird sein, wenn wir auf die Grundlastkraftwerke verzichten?

Droht dann bei Dunkelflaute ein echter Blackout?

Netzbetreiber wie Austrian Power Grid, das den Beinahe-Blackout am 8. Jänner mit europäischen Partnern meisterte, warnen vor dem Abschalten der Grundlastkraftwerke. Die Wien Energie sträubt sich begreiflicherweise gegen das Abwracken ihrer noch vor gar nicht langer Zeit als letzter Schrei gepriesenen Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerke. Und auch beim deutschen Autopapst Ferdinand Dudenhöffer (einem Grünen?) ist durchzuhören, dass die von ihm gepriesene E-Mobilität sogar die AKW als Grundlasterzeuger bräuchte.

Übrigens: Haben Sie schon Ihren Notvorrat für einen künftigen Blackout gebunkert, wie der Blackout-Experte Herbert Saurugg empfiehlt? Unverderbliche Lebensmittel für zwei Wochen, Wasser etc. Und vor allem Kerzen. Die waren für unsere Eltern in der Nachkriegszeit sehr wichtig. Klopapier? Eher weniger wichtig, denn für Toilettenzwecke wurden damals Zeitungen zerschnitten, diese also künftig nicht wegwerfen! Und schauen Sie nach, ob Ihr Fahrrad gut in Schuss ist, falls Sie einen Zweitwohnsitz auf dem Land haben, wo noch ein Ofen steht und hoffentlich Holz verfügbar ist. Mit dem Auto könnten Sie dort nicht so oft hinfahren, denn bei einem Blackout funktionieren die Tankstellen nicht. Und das Zweit- oder Drittauto ließe sich nicht laden, falls es ein E-Auto ist; die App, die Ihnen sagen soll, wo Laden noch möglich ist, wäre auch tot. Das Laden wäre aber ohnehin nirgends möglich - das kann man auch ohne App sagen.