Die aktuelle Krise bedingt auch in Österreich eine gefühlte Rückkehr zum Rollenbild aus der Biedermeierzeit und erschwert so den weiblichen Weg in eine gleichberechtigte Zukunft. Frauen reduzieren häufiger ihre Arbeitszeit, ihr Anteil an der Sorgearbeit nimmt aber noch weiter zu, und sie leiden unter überdurchschnittlich hohen Mehrbelastungen. Zudem sind frauendominierte Branchen, wie Handel, Tourismus sowie Kunst und Kultur, von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit stärker betroffen.

Sonja Ebhart-Pfeiffer ist Senior Consultant beim Finanzdienstleister FiNUM.Private Finance und Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbands Financial Planners, eines gemeinnützigen Vereins, der Beratungsstandards für Finanzberatung und -planung etabliert, weiterentwickelt und fördert. - © Pagan Codes Photography / David Almeida-Ribeiro
Sonja Ebhart-Pfeiffer ist Senior Consultant beim Finanzdienstleister FiNUM.Private Finance und Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbands Financial Planners, eines gemeinnützigen Vereins, der Beratungsstandards für Finanzberatung und -planung etabliert, weiterentwickelt und fördert. - © Pagan Codes Photography / David Almeida-Ribeiro

Der Internationale Frauentag am 8. März wirft diese Problematik ins Bewusstsein. Insbesondere Finanzen werden für viele Frauen erfahrungsgemäß früher oder später zum Problem. Es sind meist sie, die in unglücklichen Beziehungen verharren, aus Angst, finanzielle Angelegenheiten alleine nicht stemmen zu können. Ebenfalls sind es insbesondere Frauen, die sich mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz herumschlagen, weil sie auf den (sicheren) Job angewiesen sind. Sie gehen überdurchschnittlich oft Teilzeitarbeit nach, weil sie aufgrund der Familie beruflich zurückstecken, und sind daher gefährdet, später in die Altersarmut zu schlittern. Einer OECD-Studie zufolge ist in Österreich die Pension der über 65-jährigen Frauen im Schnitt um 39 Prozent niedriger als bei Männern. Der Verband Financial Planners möchte gerade in diesen schwierigen Zeiten an Frauen appellieren, sich stärker mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen. Folgende drei Tipps sollen dabei auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit behilflich sein.

Eva-Maria Weidl leitet den Bereich Family Wealth im Bankhaus Carl Spängler in Salzburg und ist Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbands Financial Planners, eines gemeinnützigen Vereins, der Beratungsstandards für Finanzberatung und -planung etabliert, weiterentwickelt und fördert. - © Helge Kirchberger Photography
Eva-Maria Weidl leitet den Bereich Family Wealth im Bankhaus Carl Spängler in Salzburg und ist Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbands Financial Planners, eines gemeinnützigen Vereins, der Beratungsstandards für Finanzberatung und -planung etabliert, weiterentwickelt und fördert. - © Helge Kirchberger Photography

1. Karten auf den Tisch:
Über Geld sprechen

"Über Geld spricht man nicht", lautet ein ungeschriebenes Gesetz in Österreich. Vor allem als Frau, heißt es in einem stummen Nebensatz. Wir sind häufig lieber bescheiden, schließlich wollen wir andere nicht neidisch machen oder unangenehm auffallen. Dabei sollten wir uns viel mehr austauschen. Nur wenn wir dieses Tabu brechen, können wir unsere eigenen Finanzen reflektieren, vergleichen und dazulernen. Im familiären Umfeld sollte die Problematik der Teilzeitfalle, in der sich Mütter häufig wiederfinden, proaktiv angesprochen werden. Die Höhe des Einkommens als Bemessungsgrundlage für die Pension wird nämlich über alle Berufsjahre hinweg gerechnet, nicht nur über die besten Verdienstjahre.

- © Illustration: stock.adobe.com / Lilia Valieva
© Illustration: stock.adobe.com / Lilia Valieva

Auch im beruflichen Umfeld ist gesunder Egoismus angesagt. Die Feministin Simone de Beauvoir sagte schon vor 70 Jahren: Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen - sie bekommen nichts. Der "Gender Pay Gap" liegt aktuell in Österreich bei 14,3 Prozent - das heißt: Frauen bekommen für die exakt gleiche Arbeit 14,3 Prozent weniger bezahlt als Männer. Dies hat mehrere Ursachen, aber eine davon ist sicherlich, dass Männer ihre Gehälter besser verhandeln. So setzen Frauen schon bei Vorstellungsgesprächen zu gering an oder verzichten auf Zusatzleistungen wie etwa einen Dienstwagen. Ebenso sollten Anlässe wie größere Verantwortung oder gelungene Projekte aktiv zum Verhandeln genutzt werden. Männer agieren hier eher nach dem Motto "Frechheit siegt" und pokern oft mit Erfolg hoch.

2.Es zählt nicht nur
die Liebe: Weg mit
der rosaroten Brille

2019 lag die Scheidungsrate in Österreich bei rund 40 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, als Frau in eine solche Situation zu geraten, ist dementsprechend hoch. Dies kann schnell zu einer finanziellen Schieflage führen, wenn der Ex-Partner größtenteils für die Versorgung zuständig war. Ab dem Moment, in dem Frauen ihrem ersten Vollzeitjob nachgehen, sollten sie sich monatlich 10 bis 15 Prozent des Nettoeinkommens langfristig für die Pension auf die Seite legen.

Vor allem das Kinderglück wird von Frauen teuer bezahlt. Denn oft werden auch bereits mit Eintritt in die Schwangerschaft alle laufenden Sparpläne in die Altersvorsorge gestoppt - ein großer Fehler, hier müssen auch die Väter Verantwortung übernehmen. Sie sollten innerhalb der Familie einen Ausgleich schaffen und die Altersvorsorge-Sparpläne ihrer Frauen übernehmen.

Weiters gibt es auch die Möglichkeit, in der gesetzlichen Pensionsvorsorge ein sogenanntes Pensionssplitting zu beantragen. Ist der Mann erwerbstätig und obliegt der Frau die Betreuung der gemeinsamen Kinder, kann ein freiwilliges Splitting für die ersten vier Lebensjahre des Kindes vereinbart werden. Die Frau erhält dann eine Gutschrift von ihrem Partner, die ihre eigene Pension erhöht. Der Antrag muss bis zum vollendeten siebenten Lebensjahr des Kindes gestellt werden.

3.Wissen ist Macht: In
Finanzbildung investieren

Finanzielle Selbstbestimmung bedeutet Freiheit - in diesem Sinne ist der Aufbau eines wirtschaftlichen Polsters für finanzielle Engpässe zu empfehlen. Als Notgroschen eignen sich, abhängig von der individuellen Situation, zwei bis drei Nettomonatsgehälter. Diese Liquiditätsreserve kann gut auf einem Tagesgeldkonto hinterlegt werden. Damit das Hab und Gut auf dem klassischen Girokonto inflationsbedingt nicht weniger wird, führt kein Weg an höherwertiger Geldanlage, wie etwa in Aktien(fonds), vorbei.

Für einen langfristigen, auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichteten Plan zur Altersvorsorge setzt man am besten auf qualifizierte Beratung durch einen zertifizierten Finanzplaner - eine umfassende Auswahl finden Interessierte auf der Website des gemeinnützigen Verbands Financial Planners (www.cfp.at). Wissenswertes zum Thema Geldanlage gibt es nicht nur auf der Website des Verbands, sondern etwa auch, konkret auf Frauen und Finanzen ausgerichtet, auf der Website der "Damensache" und auf den Blogs von "Madame Moneypenny" und "Es geht ums Geld". Jede Frau sollte sich ein gewisses Basiswissen aneignen. Denn wer nichts weiß, muss alles glauben.