Die Anleihenmärkte sind im Angst-Modus. Der Auslöser stand offenbar im Zusammenhang mit der wenig erfolgreichen Auktion siebenjähriger US-Staatsanleihen am 25. Februar. Ein Großteil des Ausverkaufs fand im Bereich der 5- bis 7-jährigen Laufzeiten statt. Die 5-Jahres-Renditen stiegen um 0,15 Prozentpunkte und schlossen bei 0,73 Prozent, 10-jährige US-Treasuries schlossen nur um 0,06 Prozentpunkte höher bei 1,40 Prozent. Die große Überraschung lieferte die 30-jährige Anleihe, die nur um 0,02 Prozentpunkte zulegte und bei 2,15 Prozent schloss. Inflationsgebundene Anleihen verhielten sich in ähnlicher Weise, die reale Renditekurve flachte sich synchron ab. Die Inflationserwartungen zeigten sich widerstandsfähig.

Peter De Coensel ist Chefanlagestratege für Anleihen bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM). - © DPAM
Peter De Coensel ist Chefanlagestratege für Anleihen bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM). - © DPAM

Auch der Index für europäische Staatsanleihen verlor weiter an Boden. Der Februar verzeichnete vier negative Renditewochen in Folge. Wenn wir den März 2020 nicht mitzählen, müssen wir bis zum berüchtigten "Value at Risk"-Schock bei deutschen Bundesanleihen im zweiten Quartal 2015 zurückgehen, um einen schlechteren Monat in Bezug auf den "Total Return" zu finden. Im Februar haben Euro-Staatsanleihen 1,89 Prozent verloren und seit 1. Jänner insgesamt 2,57 Prozent abgegeben.

Aber andere Anleihenemissionen werden auch wieder positiver verlaufen. Wagen wir einen Ausblick über den Zeitpunkt hinaus, an dem die US-Notenbank Fed beginnen wird, die Zinsen anzuheben und an ihrem "Quantitative Easing"-Kaufprogramm zu basteln. Man kann davon ausgehen, dass sie in dem Moment, in dem sie irgendwo zwischen 2023 und 2024 mit Zinserhöhungen beginnt, diese um etwa 1 Prozent pro Jahr anheben wird. Die Pandemie hat jedoch sowohl die Beschäftigungs- als auch die Globalisierungsformel verändert. Beide könnten letztlich den Leitzins drücken. Von der Europäischen Zentralbank erwartet der Markt, dass sie sehr langsam und spät mit einem Zinserhöhungszyklus beginnen wird. Bei Schritten von 0,1 Prozentpunkten könnten wir bis 2026 mit zwei Zinserhöhungen rechnen. Effektiv könnte dies eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen kompletten Status quo der EZB-Politik in den nächsten fünf Jahren bedeuten.

Heute sollten wir mehr denn je die Relevanz und Bedeutung des kurzfristigen Erfolgs an den Finanzmärkten in Form der Vorhersage von Marktentwicklungen auf 6- beziehungsweise 12- Monatssicht sowie der Erzielung kurzfristiger Gewinne hinterfragen. Die Finanzmärkte suchen diesbezüglich nach ungesunden Grenzen. Die große Finanzkrise 2008/2009 wurzelte in den Exzessen bei strukturierten Anleihenlösungen mit Bezug auf Hypotheken und Krediten. Wird die nächste Finanzkrise ihre Wurzeln in den Exzessen haben, die durch strukturierte Aktienlösungen repräsentiert werden, wie die neuartigen "Special Purpose Acquisition Companies" oder Nischen-ETFs (börsengehandelte Indexfonds, Anm.), sei es mit oder ohne Leverage (hohes Risiko für vielfachen Gewinn, Anm.)? Der Ausblick auf die Kernrenditekurven lädt Investoren zum Nachdenken, Innehalten und zur Verbesserung der Entscheidungsfindung in Zeiten ein, in denen die Stimmung oft die Oberhand gewinnt.