"Never let a good crisis go to waste", ist seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie eines der am meisten strapazierten Zitate und wird Winston Churchill zugeschrieben. Aus den alten Fehlern wolle man lernen und überhaupt wird nichts mehr so sein wie vor der Krise, lautet der Tenor in Gesellschaft und Politik. Wer daraus schloss, eine gesicherte Finanzierung der Wissenschaft wäre nunmehr reine Formsache, seit sie in der Pandemie ihren Wert bewiesen hat, irrte sich gewaltig. "Ned mit uns!", dachte sich nämlich die österreichische Wissenschaftspolitik und reduzierte umgehend die Mittel für die Grundlagenforschung. Die Öffentlichkeit nimmt davon keine Notiz.

Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter / WU
Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter / WU

Der gesellschaftliche Nutzen der Wissenschaft war selten so offenkundig wie in der aktuellen Krise. Sie hat in Rekordzeit Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt. Die Regierungen suchen ihre Unterstützung, um die Ausbreitung des Virus zu kontrollieren, und für effektive gesundheits- und wirtschaftspolitische Maßnahmen. Tagtäglich beschäftigen wir uns mit Covid-19-Daten und deren wissenschaftlicher Interpretation. Keine Nachrichtensendung kommt seit einem Jahr ohne Hinweise auf die 7-Tages-Inzidenz oder die Auslastung der Intensivbetten aus - und eine Einschätzung der Implikationen durch die Wissenschaft.

Man sollte glauben, die Politik hätte dadurch die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung erkannt, wüsste deren Nutzen nun zu würdigen und würde die erforderliche Finanzierung bereitstellen. Aber nicht in Österreich! Der Wissenschaftsfonds (FWF), größter Finanzier kompetitiver Mittel für die Grundlagenforschung, ist chronisch unterdotiert. Schon seit Jahren werden exzellente Projekte abgelehnt, weil kein Geld da ist. War dies für ein Land mit wissensbasierter Ökonomie schon bisher grotesk, so spitzt sich die Lage jetzt noch weiter zu.

In den letzten drei Jahren flossen rund 75 Millionen Euro aus der Nationalstiftung an den FWF. Diese Stiftung ist nun ausgelaufen und dem FWF fehlen rund 10 Prozent seines bisherigen Budgets. Er musste drei Förderprogramme stoppen. Darunter mit den "doc.funds" und dem "Zukunftskolleg" zwei zur wissenschaftlichen Nachwuchsförderung. Für die Betroffenen und den Wissenschaftsstandort hat dies möglicherweise verheerende Folgen.

Auch wenn der Staat gerade neun Millionen Euro bei der Beschaffung von FFP2-Masken gespart hat, darf man mit Steuergeld nicht urassen. Und in Zeiten, in denen der Finanzminister sich einen Laptop mit seiner Partnerin teilen muss, kann nicht jeder Wunsch der Wissenschaft nach einem Supercomputer umgehend erfüllt werden. Dennoch muss eine solide und gesicherte Finanzierung der Wissenschaft in diesem Land möglich sein.

Der britische Philosoph, Mathematiker und Literaturnobelpreisträger Bertrand Russell meinte: "Die Wissenschaftler bemühen sich, das Unmögliche möglich zu machen. Die Politiker bemühen sich oft, das Mögliche unmöglich zu machen." Dieses Land ist im Begriff, einer ganzen Generation junger Talente die Wissenschaft zu verunmöglichen oder deutlich zu erschweren. Winston Churchill hat wohl nicht an Österreich gedacht, als er auf die Chancen hingewiesen hat, die in Krisen stecken.