Die Personalsituation in Österreichs Kindergärten ist aktuell sehr angespannt. Dies zeigt sich etwa beim besonders mühsamen Nachbesetzen offener Stellen, wenn aus nur wenigen Bewerbungen ausgewählt werden muss. Zusätzlich ist der Pool an Ersatzkräften bei Erkrankungen sehr klein, sodass oft das bestehende Personal mit Mehrstunden einspringen muss, was aber die Belastung weiter erhöht. Ebenso schwierig gestaltet sich die Personalsituation, wenn Kolleginnen Fortbildungsveranstaltungen besuchen oder ihre Urlaubstage konsumieren und daher nicht regulär ihren Arbeitstag im Kindergarten verbringen. Das wird die dünne Personaldecke besonders stark spürbar.

Gudrun Kern ist Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin von KIWI - Kinder in Wien, einem der größten Kindergarten- und Hortträger Wiens mit rund 1.600 Mitarbeitenden und 92 Standorten. - © KIWI / Tanzer
Gudrun Kern ist Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin von KIWI - Kinder in Wien, einem der größten Kindergarten- und Hortträger Wiens mit rund 1.600 Mitarbeitenden und 92 Standorten. - © KIWI / Tanzer

In Zeiten der Covid-19-Pandemie verstärkt sich der generelle Fachkräftemangel nochmals deutlich, und die Grenzen elementarpädagogischer Einrichtungen zeigen sich viel deutlicher: Zusätzliche Quarantänebestimmungen, längere Krankenstände oder die Freistellung elementarpädagogischer Fachkräften, die der Risikogruppe angehören, führen dazu, dass das bestehende Personal noch mehr gefordert ist. Bei vielen Trägerorganisationen, aber auch bei den zahlreichen privaten Kindergärten stellt sich aktuell die drängende Frage, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Daneben existiert noch das bereits länger bestehende Anliegen, den Männeranteil beim Personal in elementarpädagogischen Einrichtungen zu erhöhen.

Thomas-Peter Gerold-Siegl ist Geschäftsführer und wirtschaftlicher Leiter von KIWI - Kinder in Wien. - © KIWI / Tanzer
Thomas-Peter Gerold-Siegl ist Geschäftsführer und wirtschaftlicher Leiter von KIWI - Kinder in Wien. - © KIWI / Tanzer

Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig, allerdings unterschiedlich wirksam. Eine zurzeit intensiv diskutierte Möglichkeit besteht in einer Ausbildungsoffensive, die auch Quereinsteigern Möglichkeiten bietet. Allerdings ist eine verstärkte Ausbildung keine Garantie dafür, dass mehr pädagogische Fachkräfte in den Beruf einsteigen beziehungsweise dort länger bleiben. Zahlreiche elementarpädagogische Fachkräfte entscheiden sich sofort nach der Matura für ein Studium oder wechseln nach einigen wenigen Jahren im Beruf in andere Felder.

Wenn man mit einem Blick in die Zukunft - einer Ausbildungsoffensive - dem Fachkräftemangel nicht adäquat begegnen kann, ist ein Blick auf die Gegenwart und die aktuellen (strukturellen) Rahmenbedingungen beziehungsweise deren Veränderung lohnenswert. Dazu zählt primär eine Verbesserung des Fachkraft-Kind-
Schlüssels, sodass intensivere Fachkraft-Kind-Interaktionen mit vermehrt genutztem Bildungspotenzial möglich werden. Dies bedeutet konkret, dass mehr pädagogisches Fachpersonal in kleineren Kindergruppen den pädagogischen Alltag mit den Kindern aufmerksam gestaltet und diesen zu einem Bildungsalltag werden lässt. Wenn darüber hinaus mehr Zusatzpersonal aus den Disziplinen Psychologie, Logopädie, Ergotherapie und Sozialpädagogik den pädagogischen Fachkräften zur Verfügung stünde, wäre das eine weitere Möglichkeit, den Beruf attraktiver zu gestalten.

Mit einem attraktiveren Berufsfeld würden sich auch mehr Männer und Frauen für diesen Beruf begeistern und eventuell wieder dorthin zurückkehren, wenn wir sie an andere Branchen verloren haben.