Israel begeht heute seinen 73. Unabhängigkeitstag: Im Jahr 1948 erfüllte sich endlich die Sehnsucht des jüdischen Volkes, erneut seine Unabhängigkeit in seinem Heimatland zu erlangen. Nachdem die letzte jüdische Staatlichkeit im Lande Israel durch die römische Niederschlagung des Aufstands im Jahr 136 beendet worden war, wechselten die fremden Eroberer. Eine jüdische Minderheit verblieb durchgehend im Lande, während Juden in der Diaspora mehr als 1.800 Jahre lang den Gruß wiederholten: "Nächstes Jahr in Jerusalem!"

Mordechai Rodgold ist seit November 2019 Israels Botschafter in Österreich. Davor war er unter anderem als Diplomat in Italien und in der Schweiz tätig. - © Israelische Botschaft
Mordechai Rodgold ist seit November 2019 Israels Botschafter in Österreich. Davor war er unter anderem als Diplomat in Italien und in der Schweiz tätig. - © Israelische Botschaft

Anfang des 19. Jahrhunderts begann der Heimkehrprozess mit den ersten organisierten Gruppen von Juden aus Europa, Marokko und dem Jemen. Der Wiener Theodor Herzl gab dieser breiten "Grassroots-Bewegung" ab 1897 ein politisches Ziel und baute die Institutionen auf, um es zu verwirklichen. Der Völkerbund anerkannte nach dem Ersten Weltkrieg das Recht des jüdischen Volkes auf sein Heimatland.

Ein anerkannter Partner für andere Staaten in der Region

Der israelische Gruß "Nächstes Jahr in Jerusalem!" erfüllte sich erst nach 1.812 Jahren. - © afp / Emmanuel Dunand
Der israelische Gruß "Nächstes Jahr in Jerusalem!" erfüllte sich erst nach 1.812 Jahren. - © afp / Emmanuel Dunand

Trotz der Shoah, des Holocausts, in dem ein Drittel des jüdischen Volkes ermordet wurde, verkündete unser erster Premierminister David Ben Gurion am 15. Mai 1948 die Souveränität Israels als demokratischer Staat. Seit damals verzehnfachte sich die Bevölkerung, die Juden, Muslime, Christen, Drusen, Bahai und andere umfasst, auf 9,3 Millionen Staatsbürger. Israel entwickelte sich dank harter Arbeit, Kreativität und Innovation vom Entwicklungsland zu einer vielfältigen dynamischen Gesellschaft und einem technologischen Powerhouse. Das vergangene Jahr im Zeichen der Pandemie war auch für Israel ein sehr herausforderndes. Nichtsdestotrotz war die Ende 2020 gestartete Impfkampagne erfolgreich und erlaubt es, dass sich das Land jetzt wieder vorsichtig in Richtung Normalität wagen kann und somit auch Hoffnung für viele andere Staaten bringt.

Seit seiner Gründung strebt Israel danach, ein anerkannter Partner für die anderen Staaten in der Region zu sein, die es leider jahrzehntelang als Feind betrachteten und mehrere Kriege gegen uns führten. Der erste Durchbruch kam 1979 mit dem Friedensabkommen mit Ägypten, 1994 folgte unser Nachbarstaat Jordanien, und 1993 bis 1995 gab es die ersten Vereinbarungen mit den Palästinensern. Das Jahr 2020 brachte einen weiteren weitreichenden Paradigmenwechsel in der Region mit den Abraham-Abkommen. Die Friedensverträge zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Marokko sind ein historischer Meilenstein, deren politische und wirtschaftliche Bedeutung weit über die Region hinausgehen. Auch der Sudan hat diesen Weg gewählt, und weitere werden folgen.

Diese positiven Entwicklungen in der Region sind vor allem durch einen Staat bedroht: den Iran. Das fundamentalistische und aggressive iranische Regime droht mit der Vernichtung Israels, arbeitet an Atomwaffen und unterstützt die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah. Israel wird sich weiterhin gegen jede Aggression und den Terrorismus des iranischen Regimes verteidigen.

Freundschaft und Solidarität zwischen Israel und Österreich

Als Botschafter Israels in Österreich freue ich mich ganz besonders über die ausgezeichneten bilateralen Beziehungen zwischen unseren Ländern. Noch nie waren Freundschaft und Solidarität zwischen Israel und Österreich größer als heute. Bei der Bekämpfung der Pandemie gibt es eine enge Zusammenarbeit, die wirtschaftlichen Beziehungen haben sich trotz der nicht gerade rosigen globalen Lage positiv entwickelt und konnten noch weiter ausgebaut werden. Zum Beispiel starteten vergangenen Jahr vier neue bahnbrechende israelisch-österreichische Forschungsprojekte in Epigenetik und Kulturerbe im Rahmen des Abkommens zur gemeinsamen Forschungsförderung zwischen Israel und Österreich.

Die exzellenten Beziehungen haben unlängst auch in zwei Besuchen ihren Ausdruck gefunden: Im März hatten wir die Freude, den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz in Israel zu empfangen, um die Zusammenarbeit im Kampf gegen die Pandemie noch weiter zu vertiefen. Ebenfalls im März war unser Staatspräsident Reuven Rivlin zu Besuch in Wien bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen und traf auch Bundeskanzler Kurz.

Neben der guten politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit hoffe ich, dass nach dem Ende der Pandemie auch wieder mehr junge Leute der beiden Länder sich austauschen können. Zum Beispiel dank des Working-Holiday-Programms, das es jungen Leuten ermöglicht, das jeweils andere Land als Touristen zu besuchen, dort zu arbeiten und es näher kennenzulernen. Es freut uns auch, dass wir jedes Jahr Stipendien für österreichische Studierende anbieten können, die an israelischen Universitäten studieren wollen. Diese Programme sind eine starke Basis für den Ausbau der guten Beziehungen, neben den europäischen Programmen wie Erasmus und Horizon Europe, an denen sich auch Israel beteiligt. 73 Jahre nach seiner Gründung, können wir stolz sein, dass Israel sich zu diesem modernen und erfolgreichen Staat entwickelt hat und dass die Zusammenarbeit mit Freunden wie Österreich blüht.