Wie geht es eigentlich unseren jungen Mitbürgern? Dies ist eine Frage, die in den vergangenen Monaten viel zu selten gestellt wurde. Doch langsam wird den Älteren bewusst, wie schlecht es um die Jugend zu stehen scheint. In Petra Tempfers Artikel "Jugendliche zunehmend überfordert" jüngst in der "Wiener Zeitung" scheint man dem Problem endlich etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Diverse Studien und Experten sind alle einer Meinung: Die Jugend ist erschöpft. Die fehlenden Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und das auslaugende Leben in den immer selben vier Wänden machen junge Menschen müde. Auch eine innere Angst und damit einhergehende Zurückgezogenheit scheinen Folgen der Pandemie zu sein. Die psychischen Krankheiten steigen rasant an, und Zukunftsängste sind schon beinahe "Normalität" geworden.

Selina Binderlehner ist 17 Jahre alt und besucht derzeit die 3. Klasse der HTL Bau und Design in Innsbruck. - © privat
Selina Binderlehner ist 17 Jahre alt und besucht derzeit die 3. Klasse der HTL Bau und Design in Innsbruck. - © privat

Wenn man sich nun all diese schrecklichen Auswirkungen auf unsere jungen Menschen ansieht, dann liegt es sehr nahe, zu fragen, was denn nun dagegen unternommen wird. Die traurige Antwort ist: Nichts! Wenn wir uns die Öffnungsschritte der vergangenen Lockdowns ansehen, dann wird schnell klar, dass in Österreich junge Menschenleben weniger wert zu sein scheinen als Wirtschaft oder Tourismus. Schulen sind ja anscheinend für unser Land nicht sonderlich relevant und können gut ein Jahr geschlossen bleiben. Hätte man jungen Menschen eine "normale" Bildung in der Schule ermöglichen, so hätte man ja Handel und Skilifte zusperren müssen - in Österreich undenkbar.

Nach einem Jahr Covid-19 kommen nun vereinzelte Studien ans Licht, welche über die schlechte psychische Verfassung der Jugend berichten. Bei der Politik macht sich Entsetzen breit: Wer hätte gedacht, dass es der jungen Generation nach einem Jahr zu Hause, ohne Schulbesuch, ohne soziale Kontakte und ohne einige Freizeitaktivitäten schlecht gehen könnte? Jugendliche, welche sich in einer Phase des psychischen und körperlichen Wandels befinden, gelten doch sonst auch als sehr belastungsfähig - oder etwa nicht? Trotz des vorgespielten Entsetzens wurde die Jugend wohl wieder einmal schlichtweg vergessen. Oder noch schlimmer: Sie wurde bewusst vernachlässigt, da sie keine relevante Wählergruppe ist.

Bei der nächsten Wahl werden unsere führenden Politiker die Wut der jungen Menschen nicht zu spüren bekommen, der Großteil ist ja noch zu jung zum Wählen. Später ist die unfaire Behandlung dann hoffentlich wieder Schnee von gestern. Auch wenn unsere Jugendlichen die Zukunft sind, werden sie in Zeiten von Covid-19 mit Füßen getreten. Vergessen und verloren sitzen sie in ihren Kinderzimmern, den Laptop mit dem digitalen Unterricht vor sich - alleine, ungehört, weggeschoben. Wie kann man da nur wegsehen?