Sie kommen aus den USA und sind derzeit in aller Munde: Special Purpose Acquisition Companies - kurz Spacs (auch die "Wiener Zeitung" berichtete zuletzt darüber). Spacs sind Mantelunternehmen, die selbst kein operatives Geschäft führen. Sie werden gegründet, um bei ihrem Börsengang Geld von Anlegern einzusammeln, mit dem sie später ein Unternehmen aufkaufen und dieses so an die Börse bringen. Das aufgekaufte Unternehmen spart sich dadurch einerseits den oft langwierigen, komplizierten und teuren Prozess des eigenen Börsengangs (IPO) und generiert andererseits finanzielle Mittel, welche die überwiegend jungen Unternehmen beim Erreichen ihrer Ziele unterstützen sollen. Zudem erhalten die wachsenden Unternehmen die Expertise der meist renommierten Spac-Gründer. Diese sind häufig auch das wesentliche Argument für private Anleger, in Spacs zu investieren - denn der genaue Unternehmensgegenstand steht zum Zeitpunkt der Investition noch nicht fest. Dafür werden üblicherweise eine Branche, die Richtung und die Auswahlkriterien der anvisierten Übernahme angegeben.

Andrey Wolfsbein ist Börsenexperte beim Finanzdienstleister Freedom Finance. - © Pavlo Slobodnychenko
Andrey Wolfsbein ist Börsenexperte beim Finanzdienstleister Freedom Finance. - © Pavlo Slobodnychenko

Ist man bereit, für eine höhere Rendite auch ein höheres Risiko einzugehen, können Spacs eine spannende Option für das eigene Investment-Portfolio sein. Schließlich hat man dabei die Möglichkeit, frühzeitig in ein potenziell vielversprechendes Unternehmen zu investieren, noch bevor dieses populär wird - ein Privileg, das in der Regel institutionellen Anlegern vorbehalten bleibt. Investiert man frühzeitig in ein Spac, erhält man die Aktien nicht nur zu einem vom Management festgelegten Emissionspreis, der unabhängig von Angebot und Nachfrage steht und zumeist bei 10 US-Dollar liegt, sondern auch ein Stimmrecht. Dadurch können Investoren auch gegen eine Fusion mit einem Zielunternehmen stimmen und so ihr Geld zurückerhalten, auch wenn die Übernahme stattfinden sollte. Somit gibt es ein Exit-Szenario für die Anleger. Auch wenn die Spac-Gründer kein passendes Unternehmen zur Fusion finden, wandert das erwirtschaftete Geld aufgrund des Rückübertragungsrechts zurück in die Hände seiner Investoren.

Trotzdem bergen Investitionen in Spacs große Risiken, die Investoren im Vorhinein bewusst sein müssen. Im Unterschied zu beispielsweise der Investition in sogenannte ETFs (börsengehandelte Fonds), bei denen man niedrige Kurse zumeist ausharren kann, können Spac-Investitionen auch zu einem kompletten Verlust der Investition führen. Dementsprechend sollte man sich vor dem Investment in ein Spac ausgiebig über dessen Branche, den Wettbewerb und die Wachstumsrate informieren. Der Spac sollte darüber hinaus jedenfalls ein starkes Management mit Erfahrung im Zielgebiet aufweisen und über solide Kenntnisse bei der Suche nach fusionsbereiten Unternehmen verfügen. Ein positives Zeichen wäre beispielsweise eine große institutionelle Anlegerbasis.

Klar ist, dass man sich zu Beginn nahezu ausnahmslos auf das Management des Spac verlassen muss, da man im Vorhinein schlichtweg nicht wissen kann, wie sich das übernommene Unternehmen schlussendlich entwickeln wird. Die sonst übliche Analyse der Unternehmensaktie fällt jedenfalls weg. Grundsätzlich empfiehlt es sich, nicht mehr als 1 bis 3 Prozent des eigenen Guthabens in diese Form der Anlage zu investieren - richtig gemacht und mit einer Portion Mut, kann sich der Börsenhype aus den USA am Ende des Tages auch für Privatinvestoren auszahlen.