Seit Jahren kennen Immobilienpreise und Mieten in Österreich nur eine Richtung. Wohnen, so der weitverbreitete Tenor, wird immer teurer. Die Ursachen sind vielfältig: Mehr Menschen wollen in der Stadt leben, sie leben öfters alleine, spätestens im Homeoffice gern auch mit Garten und einem Extra-Zimmer - und wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank lassen sich Immobilien günstig über Schulden finanzieren. Vermeintlich sichere Geldanlagen sind seltener geworden, und auf dem Sparbuch verliert das Geld jeden Tag an Wert. Das alles führt zu einer gestiegenen Nachfrage nach Wohnraum.

Hanno Lorenz ist Ökonom bei der Denkfabrik Agenda Austria und forscht in den Bereichen Außenhandel, Armut und Verteilung, Wirtschaftsstandort und Digitalisierung. - © Markus Rössle
Hanno Lorenz ist Ökonom bei der Denkfabrik Agenda Austria und forscht in den Bereichen Außenhandel, Armut und Verteilung, Wirtschaftsstandort und Digitalisierung. - © Markus Rössle

Ein Eingriff des Staates hat immer Gewinner und Verlierer. Der Wohnkostenanteil, gemessen am Haushaltseinkommen, ist in Österreich seit Jahren stabil. Zwar steigen die Wohnungsmieten seit Jahren deutlich, aber im Vergleich mit anderen Ländern ist Wohnen bei uns noch immer relativ günstig. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen steigen nicht nur die Wohnkosten, sondern auch die Einkommen. Zudem sind nicht alle im gleichen Ausmaß von steigenden Wohnpreisen betroffen. Gerade in Regionen mit hoher Nachfrage und starker Regulierung des Wohnungsmarktes gibt es große Unterschiede. Wer heute eine Wohnung sucht, hat deutlich höhere Preise zu bezahlen als noch vor zehn Jahren. Wer allerdings schon länger in seiner Mietwohnung lebt, ist vor diesen Preisschüben geschützt. Ein typisches Problem von Regulierung: Zum Schutz der einen Gruppe werden die Bedingungen für eine andere erschwert.

Ziel staatlicher Eingriffe ist es zumeist, schwächere Gruppen zu schützen. Preisregulierungen lassen sich gut verkaufen. Leider werden die Konsequenzen dabei nicht immer bedacht. Ist der Wohnraum für den durchschnittlichen Österreicher zwar weiterhin gut erschwinglich, sieht dies für Armutsgefährdete anders aus. Hier ist die Belastung durch Wohnkosten am Einkommen zwischen 2008 und 2019 um 11 Prozent gestiegen. Geben wir im Durchschnitt knapp jeden fünften Euro unseres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen aus, sind es unter den Armutsgefährdeten mehr als 4 von 10 Euro.

Warum ist das so? In vielen Gegenden sind steigende Immobilienpreise und damit irgendwann auch höhere Mieten die Antwort des Marktes auf das Problem des fehlenden Wohnraums bei steigender Nachfrage. Eingriffe des Staates können dieses Problem nicht lösen. Es wird lediglich versucht, das Symptom zu mildern, was ohne Lösung der eigentlichen Ursache immer schwieriger wird. Auch Geringverdienern wird dies keine Hilfe sein. Der Vermieter wird die Wohnung eher an Besserverdienende vermieten.

Steigender Nachfrage kann einzig und alleine durch wachsendes Angebot begegnet werden. Werden die Mietpreise per Gesetz gedrückt, verschlimmert das die Situation. Investitionen werden unrentabel. Gutverdiener erhalten eher eine Wohnung, Vermieter verzichten auf Renovierungen oder lassen die Immobilie gar leerstehen, weil sich eine Vermietung nicht auszahlt. Gut gemeint ist leider oftmals das Gegenteil von gut gemacht.