Es ist höchste Zeit für einen Bildungsturbo. Schließlich zeigen die überprüften Bildungsleistungen und die Analysen zu den Effekten der Pandemie eine dringende Handlungsnotwendigkeit auf. Der Comebackplan, mit dem milliardenschwere Investitionen verbunden sind, müsste den wichtigsten Faktor des künftigen Wirtschaftswachstums einschließen: die Bildung der Fachkräfte und Innovatorinnen und Innovatoren von morgen.

Ulrike Famira-Mühlberger stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.
Ulrike Famira-Mühlberger stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts.

In sehr groben Zügen wurden die Vorhaben der Bundesregierung bereits vorgestellt: Der Comebackplan setzt sich aus mehreren Komponenten wie dem Recovery Fund der EU, aber auch aus einer Reihe von nationalen Maßnahmen zusammen. Insgesamt möchte die Bundesregierung ein Paket im Ausmaß von mehreren Milliarden Euro auf den Weg bringen und Österreich damit fit für Zukunft machen. Die einzelnen Maßnahmen, zu denen es noch wenig Details gibt, gruppieren sich um die Themenblöcke Arbeit, Ökologisierung, Digitalisierung und Standortstärkung. Ja, diese Themen sind zentral für die Überwindung der Krise und die Stärkung der Resilienz der Wirtschaft.

Dennoch fehlt eine umfassende Bildungsinitiative. Es gibt zwar gute Ansätze: Planung einer Sommerschule 2021, mehr Förderstunden, kostenlose Lernhilfe, mehr schulpsychologische Betreuung. Aber das wird nicht reichen, um die Defizite in den Lernfortschritten der letzten drei Schulsemester aufzuholen. Erste Ergebnisse von Erhebungen in den Niederlanden und Deutschland legen einen verringerten Kompetenzerwerb aufgrund der Covid-19-Pandemie offen. In beiden Ländern zeigen sich auch eindeutige Unterschiede zwischen den sozialen Schichten: Lernfortschritte von Kindern aus sozial schwachen Haushalten sind wesentlich geringer als von ihren privilegierteren Mitschülerinnen und Mitschülern.

Ergebnisse für Österreich sind in Vorbereitung. Dieses soziale Muster zeigte sich in Österreich auch schon vor der Pandemie ganz deutlich. Die Bildungsstandardüberprüfungen offenbaren gravierende Unterschiede zwischen den Gymnasien und den Neuen Mittelschulen. Mehr als die Hälfte der Neuen Mittelschülerinnen und -schüler konnten in der 8. Schulstufe in Mathematik die Lernziele nicht oder nur teilweise erreichen (Gymnasium: 10 Prozent). Mehr als die Hälfte der Mädchen und zwei Drittel der Jungen waren 2016 in der 8. Schulstufe der Neuen Mittelschule nicht fähig, Texte adäquat zu lesen bzw. auch zu verstehen. Dies waren keine guten Voraussetzungen für eine Pandemie mit monatelangem Distance Learning.

Eine besondere Herausforderung für die Post-Covid-19-Phase wird demnach die Arbeitsmarktintegration von Jugendlichen, die in naher Zukunft auf den Arbeitsmarkt übertreten werden. Hier gilt es spezifische Förderprogramme zu entwickeln, um jene Jugendlichen, die Defizite im Lernfortschritt haben, bei der weiteren Integration im Schulsystem bzw. bei der Integration in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Ebenso zentral werden weitere finanzielle Anreize für betriebliche Lehrstellen sein und bei (voraussichtlichem) Bedarf einen Ausbau der überbetrieblicher Lehrausbildung zu forcieren, um Jugendlichen in der Post-Covid-19-Zeit den Sprung auf den Arbeitsmarkt zu erleichtern.