Kürzlich hat eines der etwas weniger bekannten US-Nachrichtenmagazine eine der in Medien so beliebten Ranglisten veröffentlicht. Es ging um das "beste" Land der Welt, eine Kategorie, die viel Raum für Interpretationen lässt. Österreich landete auf Platz 21. Mir wäre diese Liste nicht weiter aufgefallen, wäre sie nicht von einem österreichischen Nachrichtenportal so kommentiert worden: "Irgendwie enttäuschend."

Ralf Beste ist seit September 2019 deutscher Botschafter in Österreich. Davor war der studierte Historiker als Journalist tätig, unter anderem für die "Berliner Zeitung" und den "Spiegel". - © Deutsche Botschaft Wien
Ralf Beste ist seit September 2019 deutscher Botschafter in Österreich. Davor war der studierte Historiker als Journalist tätig, unter anderem für die "Berliner Zeitung" und den "Spiegel". - © Deutsche Botschaft Wien

Ich fand das irgendwie sympathisch. Richtig ärgern mochte man sich nicht, weil die Rangliste dafür nicht wichtig genug war. Aber man hätte sich schon mehr erwartet. Denn Österreicher, wenn ich das verallgemeinern darf, sind von einem starken Wettbewerbsgeist beseelt. "Spitzenreiter" oder "Schlusslicht" sind hier beliebte Begriffe, um selbst aus einer Statistik einen sportlichen Wettbewerb zu machen. Im Sport selbst ist es natürlich umso intensiver. Wenn ich im Winter die Sportseiten lese, wird es mir um Österreichs Ski-Elite angst und bange, so hoch ist der Erwartungsdruck. Die Spanne zwischen "Triumph" und "Versagen" scheint mir bisweilen mit bloßem Auge nicht erkennbar. In einer Satireshow sollte jüngst ein Experte anhand der Haltung von Skispringern beim Absprung vorhersagen, ob der Vorgang mit "Stockerl oder Sturz" enden würde. Sekt oder Selters, wen interessiert schon Platz 21?

Der österreichische Sportsgeist macht natürlich nicht vor der hiesigen Paradedisziplin Kulinarik halt. Als ich - es scheint schon so lange her - einmal einen Berliner Gast in ein gutes Wiener Lokal einlud, eröffnete der Kellner uns die Karte mit den Worten: "Ihnen ist hoffentlich bewusst, dass es hier eines der besten Schnitzel der Welt gibt." Mir war es recht, dass mein Gast beeindruckt war, aber gerade in Wien hätte es ein "bestes Schnitzel der Stadt" vielleicht auch getan.

Im Wettbewerbsgeist können es manche Österreicher durchaus mit unseren amerikanischen Freunden aufnehmen. Als junger Student in den USA staunte ich, wie selbstverständlich man dort den "weltbesten Kaffee" oder eine "weltberühmte Pizza" servierte.

Ein Unterschied zu den USA ist jedoch nicht zu übersehen: Die Österreicher wären keine Österreicher, würden sie sich dafür nicht selbst auf den Arm nehmen. Die Formulierung, dass etwas "weltberühmt in Österreich" sei, höre ich des Öfteren in Gesprächen. In der Disziplin Selbstironie könnte man es so durchaus aufs Treppchen schaffen.