Zahlreiche namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler verspürten in der jüngster Zeit offenbar das Bedürfnis, sich zu den Corona-Maßnahmen in Deutschland und Österreich kritisch zu äußern, und produzierten kurze ironisch-satirische Videos, publiziert auf der Seite www.allesdichtmachen.de. Keine 24 Stunden später war ein Shitstorm im Gange, auf den auch viele heimische Medien, allen voran der ORF, aufsprangen. Sofort wurde diese Kampagne als "missglückt" beschrieben, sobald es Kritik daran gab. Dies stellt eine Wertung dar, die so journalistisch vorschnell ist. Die Adjektive "umstritten" oder "viel diskutiert" wären auch zutreffend gewesen, ob sie wirklich "missglückt" war, kommt darauf an, was sie bezwecken wollte. Ein Hauptpunkt der Kampagne ist jedenfalls auch die mediale Berichterstattung über die Pandemie, unter anderem die ständige Angstmache.

Erstaunlich und erschreckend ist, wie die Kampagne abgelehnt und oft absichtlich missinterpretiert wurde. Die Diskussionskultur in der Gesellschaft scheinen nach einem Jahr Corona blank liegende Nerven zu dominieren; das Bemühen, die andere Seite zu verstehen und Grautöne wahrzunehmen, scheint kaum noch vorhanden. Sobald nicht die medizinisch schlimmen Seiten der Pandemie an oberste Stelle gestellt werden, gilt man als rechts und Verschwörungsideologe. Das Argument, dass die Rechten diese Kampagne unterstützen, kann wohl nicht Grund sein, dass sie besser nicht gemacht worden wäre.

Viele Menschen sind mit den Corona-Maßnahmen teils nicht einverstanden, wollen sich aber mit den Rechten trotzdem nicht solidarisieren. Das spricht für eine wache Demokratie, denn die Alternative wäre, derart drastischen Eingriffen in die Grundrechte der Bevölkerung mit derart weitreichenden Kollateralschäden (steigende Armut, depressive Kinder- und Jugendliche, massive wirtschaftliche Einbußen) gleichgültig gegenüberzustehen.

Verwunderlich scheint auch, wie wenig die zeitliche Eingeschränktheit der Maßnahmen auf die Dauer der Pandemie eingefordert wird. Die Notwendigkeit, für die Teilnahme am öffentlichen Leben - sei es im Gastgarten, Konzert oder Kino - einen Pass vorzuzeigen, sollte auf jeden Fall zu Wachsamkeit führen. Es sollte interessieren, wie lange diese Zugangsbeschränkungen gelten und unter welchen Voraussetzungen sie wieder zurückgenommen werden - da nachzufragen ist Aufgabe der Medien. Eine Diskussion darüber findet aber derzeit kaum statt. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass viele sehnsüchtig auf ihre Impfung als Erlösung aus dieser Lage warten, diese wurde von vielen als Allheilmittel herbeigesehnt. Aber auch da müssen Fragen erlaubt sein, die Sorgen von Menschen mit Vorerkrankungen betreffend Nebenwirkungen müssen auch ernst genommen und deren Fragen beantwortet werden.

Man könnte die so heruntergemachte Kampagne also durchaus als Beitrag zu einer dringend nötigen Diskussion betrachten, denn teils ist sie sehr gelungen und thematisiert, wie Folgsamkeit gegenüber diesen drastischen Maßnahmen eingefordert wird.

Margarete Gibba ist Mitglied der Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung an der Universität Wien (www.univie.ac.at/tmb).