Auf dem Klimagipfel von Paris 2015 verpflichteten sich fast zwei Dutzend Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, in ihren Ländern die Mittel für Forschung und Entwicklung im Bereich saubere Energien drastisch aufzustocken. Zusammen mit der Europäischen Union haben diese Länder seither die öffentlichen Investitionen in saubere Energien um insgesamt 4,8 Milliarden Euro pro Jahr auf ein nie da gewesenes Niveau gesteigert. Für Millionen von Menschen wurde kostengünstige Energie aus erneuerbaren Quellen, etwa Sonne und Wind, zugänglich. Gleichzeitig machten die zusätzlichen Mittel für Forschung und Entwicklung schnellere Durchbrüche bei neuen Technologien wie grünem Wasserstoff möglich.

Mariya Gabriel ist EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend. - © afp / François Walschaerts
Mariya Gabriel ist EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend. - © afp / François Walschaerts

Diese koordinierte globale Zusammenarbeit ist das direkte Ergebnis der Innovationsmission, des wichtigsten Forums im Bereich saubere Energie. In diesem Forum arbeiten Nationen gemeinsam daran, wesentliche Innovationen für die Bewältigung der Klimakrise zu beschleunigen. Diese Woche treffen sich die zuständigen Ministerinnen und Minister, um die Bilanz der Erfolge der Innovationsmission zu ziehen und die Weichen für globale Klima- und Energieinnovationen im kommenden Jahrzehnt zu stellen.

Wichtigstes internationales Treffen zum Thema saubere Energie

Dieses internationale Treffen ist heuer das wichtigste zum Thema saubere Energie, zumal die Internationale Energie-Agentur bereits vor einer starken Diskrepanz zwischen den Null-Emissionszielen und dem derzeitigen Stand der Technologie für saubere Energie warnt. Auf Einladung des Gastlands Chile werden dutzende Energie- und Forschungsminister aus Australien, Brasilien, Indien und anderen Staaten virtuell an dem Treffen teilnehmen. Sie alle werden die Gelegenheit haben, sich zu einer Beschleunigung des Innovationstempos in ihren Ländern zu verpflichten und damit im Vorfeld der UN-Klimakonferenz "COP 26", die im November in Glasgow stattfindet, den Weg für eine weitere globale Zusammenarbeit und für Klimafortschritte zu ebnen.

Die Innovationsmission mit ihren 25 Mitgliedsländern aus sechs Kontinenten sowie der EU hat im Sinne des Gesamterfolgs beschlossen, sich auf einige wenige Schlüsselaspekte der Innovation im Bereich saubere Energien zu konzentrieren. Dazu gehört auch eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Privatsektor und eine verkürzte Zeit bis zur Marktreife von Innovationen. Mit anderen Worten: Die Innovationsmission möchte dazu beitragen, den Innovationszyklus kompakter zu gestalten.

Jeden Tag nehmen Unternehmen und Endverbraucher auf der ganzen Welt die Dienste von Branchen wie der Seeschifffahrt, der Luftfahrt und der Schwerindustrie, etwa bei Stahl, Zement und Chemikalien, in Anspruch. In diesen Schlüsselsegmenten der Weltwirtschaft können Innovationszyklen ein Vierteljahrhundert oder länger dauern. Bei derart viel Zeit zwischen Investition und Rendite ist es eine ständige Herausforderung, das gewaltige Kapital zur Finanzierung bahnbrechender Innovationen aufzubringen. Zurzeit sind diese Industriezweige technologisch nicht dafür aufgestellt, unsere Netto-Null-Ziele rechtzeitig zu erreichen - ebenso wenig wie andere Branchen, etwa die Lebensmittelindustrie, die Energieversorgung, die Baubranche und die Automobilindustrie.

Trendwende bei Energiepreisen erreichen

Auf die Mitglieder der Innovationsmission entfallen 95 Prozent des weltweiten Budgets für Forschung und Entwicklung im Bereich saubere Energie. Die Innovationsmission kann dazu beitragen, diese enormen Ressourcen zu mobilisieren und zu vernetzen, um eine Beschleunigung der Innovationszyklen und eine Kostensenkung zu erreichen - insbesondere in den Sektoren und Industriezweigen, in denen die Dekarbonisierung am schwierigsten ist. So kostet sauberer Wasserstoff aus erneuerbarer Energie in der Herstellung mehr als doppelt so viel wie Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen. Um eine Trendwende auf dem Markt zu erreichen und sauberen Wasserstoff preislich wettbewerbsfähig zu machen, möchten wir die Erzeugungskosten auf 1,6 Euro pro Kilogramm drücken.

Zu dieser Kostensenkung trägt auch die Innovationsmission bei. Durch eine neue globale Innovationsinitiative sorgt sie für ein stärkeres Engagement seitens der Staaten und eine bessere Vernetzung der Marktteilnehmer, sodass diese neuen Technologien leichter einsetzen und Größenvorteile nutzen können. Mit Unterstützung der EU hat die Innovationsmission bereits eine Website eingerichtet, die über Erfolge und Schwierigkeiten beim Aufbau von Industrie-Clustern für sauberen Wasserstoff informieren soll. Die Innovationsmission wird in den 2020er Jahren hundert dieser neu entstehenden "Hydrogen Valleys" weltweit herausstellen und ihre Vernetzung unterstützen.

Grüner Deal als übergeordnete Priorität der EU-Kommission

Als EU-Kommissarin bin ich auch für die jungen Europäerinnen und Europäer zuständig, und ich höre ihre eindringlichen und faktenbasierten Appelle, den Klimawandel weltweit als Priorität zu behandeln. Sie finden bei mir und allen anderen EU-Kommissionsmitgliedern - der europäische Grüne Deal ist unsere übergeordnete Priorität - ein offenes Ohr, und sie dringen zu Menschen in aller Welt durch, die an der Innovationsmission beteiligt sind.

Den Kindern und Jugendlichen ist klar, dass wir bei der Bewältigung des Klimawandels zum Scheitern verurteilt sind, wenn wir beim Status quo bleiben. Wir können uns nicht nur auf die derzeit verfügbaren sauberen Energietechnologien verlassen. Die Innovation in diesem Gebiet muss diese Woche in Chile zu einer weltweiten Toppriorität der nächsten Jahre und Jahrzehnte erhoben werden. Wir haben keine Zeit zu verlieren.