Am 2. Juni wurde im Nationalrat der Familienbericht "2009-2019" präsentiert. Das 1.131 Seiten starke Werk widmet sich den Fortschritten in mehreren Bereichen der Familienpolitik - und die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen. In der Elementarpädagogik für Kleinkinder unter drei Jahren besteht jedoch weiter Handlungsbedarf.

Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.
Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.

Zu den Barcelona-Zielen der EU gehört auch der Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder. Für Drei- bis Fünfjährige hat Österreich inzwischen investiert und ausreichend Plätze geschaffen. Für die Betreuung der Kinder im Alter bis zwei Jahre ist das hingegen noch nicht der Fall. 2019 wurden in Österreich nur knapp 23 Prozent der Kinder bis drei Jahren in formeller Betreuung untergebracht - 10 Prozentpunkte unter dem Barcelona-Ziel. In Dänemark waren es 66 Prozent, in den Niederlanden 65 Prozent. Selbst der Durchschnitt der 27 EU-Länder liegt mit 35 Prozent deutlich über dem Wert für Österreich.

Bei der Betreuung von Kleinkindern im Ausmaß von 30 Stunden oder mehr belegen wir erst recht einen der letzten Ränge: Mit nur 8 Prozent liegt Österreich deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 21 Prozent.

Gleichzeitig hat Österreich mit 47,1 Prozent die zweithöchste Rate bei der Teilzeitbeschäftigung von Frauen - in erster Linie Müttern - in der EU. Laut einer Erhebung der EU-Kommission geben 57 Prozent der österreichischen Mütter von kleinen Kindern als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung an: "Keine Verfügbarkeit eines entsprechenden Betreuungsplatzes."

Eine überwiegende Mehrheit der ökonomischen Literatur zeigt, dass sich der Ausbau von Elementarpädagogikeinrichtungen positiv auf die Arbeitsmarktbeteiligung der Mütter auswirkt - besonders stark übrigens im ländlichen Raum bzw. in jenen Ländern oder auch ethnischen Gruppen, in denen die Arbeitsmarktbeteiligung der Frauen traditionell niedrig ist. Es gibt zudem konsistente Belege dafür, dass der Ausbau der Kinderbetreuung vor allem niedriger qualifizierten Frauen zugutekommt. Die vorhandene Literatur findet zudem vorwiegend positive Effekte auf die Kinder, kurz- und langfristige: Betreuungseinrichtungen bieten Anleitung und Anreiz zur Förderung der Kinder auch zuhause, etwa in Bezug auf das Lesen oder die Motorik. Sie wirken sich zudem positiv auf die Gesundheit und die Ernährung der Kinder aus, und es kommt zu weniger Misshandlungsfällen. Langfristig kann sowohl für ihre Eltern auch als für die dann jungen Erwachsenen eine bessere Partizipation am Arbeitsmarkt beobachtet werden - und all das, was damit dann auch zusammenhängt: eine niedrigere Abhängigkeit von der Sozialhilfe, eine höhere Bildungsmobilität, weniger Ungleichheit, eine niedrigere Kriminalitätsrate und eine bessere Gesundheit.

Die Entscheidung, wer sich wann, wie und in welchem Ausmaß um die Kinder kümmert, ist eine zutiefst private Angelegenheit der Familien. Aber echte Wahlfreiheit braucht echte Angebote. Investitionen in die Elementarpädagogik sind bestens angelegtes Geld, das sich volkswirtschaftlich und sozial doppelt und dreifach lohnt, weil sie das Fundament für Chancengleichheit und den Standort für die kommenden Jahrzehnte schaffen.