Die enorme Relevanz von Finanzbildung beginnt bei der Frage, ob Ratenzahlung beim Kauf eines neuen Fernsehers ratsam ist, und endet bei einer gut durchdachten Pensionsvorsorge. Wem eine mündige Bevölkerung ein Anliegen ist, für den steht außer Frage, dass das Niveau der "Financial Literacy" in Österreich auf bedenkenswert niedrigem Niveau liegt. Wie regelmäßig Umfragen bestätigen, haben zu viele Menschen hierzulande kein ausreichendes Wissen über Zinsen, Finanzmärkte und Pensionsvorsorgeoptionen.

Beate Meinl-Reisinger ist Klubobfrau der Neos.
Beate Meinl-Reisinger ist Klubobfrau der Neos.

In Österreich herrscht nach wie vor eine weitverbreitete Ablehnung, fast schon Angst gegenüber den Finanzmärkten. Während die Aktienindizes und Immobilienpreise, unter anderem aufgrund des Niedrigzinsumfelds, von einem Rekordhoch zum nächsten eilen, schwört ein signifikanter Teil der Österreicherinnen und Österreicher nach wie vor auf das Sparbuch, das jedoch seit Jahren inflationsbedingt zu realen Verlusten führt. Einige reagieren auf diesen Umstand mit noch energischerer Ablehnung der Finanzmärkte, da diese doch scheinbar nur den reichsten der Reichen zu noch mehr Wohlstand verhelfen und deshalb von Grund auf ungerecht sein müssen. Diese Ablehnung scheint oft an die Grundüberzeugung mancher gekoppelt zu sein, dass der Staat das Monopol über die Pensionsvorsorge haben sollte und es dem Individuum nicht zumutbar sei, selbst langfristige finanzielle Planungen durchzuführen und zusätzlich zu einer staatlichen Pension auch privat vorzusorgen.

Viele, die nicht in diesem antiquierten Denken festsitzen, stellen sich die Frage, wie heutzutage noch sinnvoll gespart werden kann und ob nicht auch sie an diesen Renditen teilhaben können. Die jüngeren Generationen wagen hier den Sprung ins kalte Wasser und legen schon längst ihr Geld mithilfe innovativer Tech-Start-ups in Aktien an. Manche tun dies mit Strategie und Weitblick, anderen fehlen diese. Gerade für die Gruppe, deren Investment-Entscheidungen mitunter von Reddit-Trends abhängen, aber auch für jene, die noch große Unsicherheit verspüren und beim Thema Finanzen am liebsten den Raum verlassen wollen, sollte ein fundamentales Finanzwissen schon längst zur notwendigen Allgemeinbildung gehören.

Das Ziel ist nicht, für jeden in Österreich gleich ein Aktiendepot zu eröffnen, sondern, dass jede Person in Österreich selbstbewusst die eigenen Finanzen im Griff hat, beginnend bei Handy- und Mietverträgen bis hin zu langfristigen Pensions- und Versicherungsfragen.

Ziel muss es sein, einer mündigen Bevölkerung Werkzeuge und Wissen mitzugeben, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Dieses Ziel scheint auch die Bundesregierung zu teilen, die einen höheren Stellenwert der Finanzbildung an den Schulen für die nächsten Jahre angekündigt hat. Wir werden darauf achten, dass es nicht nur bei Ankündigungen bleibt, damit demnächst alle ihre finanzielle Zukunft planen und sich über "financial futures" unterhalten können.