Wenn das Verkehrsministerium über die Zahl der in Österreich verkauften E-Autos berichtet, klingt das immer ein wenig wie die stolzen Erfolgsmeldungen von der Ernteschlacht zu Zeiten der Sowjetunion - was zählt, ist die Planerfüllung. Das scheint in diesem Bereich auch zu gelingen. Bis Ende Mai 2021 wurden 11.733 vollelektrische Autos in Österreich neu zugelassen. Das ist ein Plus von 215 Prozent gegenüber Mai 2020, damit sind 10,8 Prozent aller Neuzulassungen E-Pkw.

Im Umkehrschluss heißt das zwar, dass noch immer 90 Prozent aller Käufer einen Verbrenner bevorzugen, es ist aber trotzdem nicht nichts. Weshalb das Ministerium das Budget für die Subventionierung der Stromer jüngst auch gleich nochmals kräftig angehoben hat.

Doch der Grünen Wille und Vorstellung, so einen nennenswerten Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten, steht auf eher wackeligen argumentativen Beinen. Denn was wie eine ökologische Läuterung der österreichischen Automobilisten erscheinen mag, ist teilweise Illusion. Etwa zwei Drittel der E-Autos werden nicht von Privatleuten erworben - die meiden die Stromer nämlich noch mehrheitlich -, sondern von Unternehmen, die damit erheblich Steuern sparen und Förderungen abräumen. Man kann getrost annehmen: Ohne massive Förderungen des Staates (von derzeit 5.000 Euro in Cash plus Steuer-Goodies) wären die E-Autos eher Ladenhüter.

Das wäre vielleicht noch vertretbar, wäre das ein nennenswerter Beitrag zum Klimaschutz. Doch auch daran zweifeln nicht wenige Experten. Die Klimabilanz der Stromer sei, wenn man die Herstellung der Batterien mitrechne, noch immer sehr ungünstig, wird da argumentiert. Erst im Frühjahr wiesen rund 60 renommierte deutsche Wissenschafter in einem offenen Brief an die deutsche Kanzlerin auf diesen Öko-Schmäh hin. Die Elektromobilität werde in der "Zeitspanne bis 2030, die für den langfristigen Erfolg oder Misserfolg des Klimaschutzes entscheidend sein wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu keiner nennenswerten Treibhausgasminderung über die gesamte Wertschöpfungskette führen", führten Professor Thomas Willner von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg und seine Kollegen in ihrem Schreiben aus.

Wenn das stimmt - wofür einiges spricht -, werfen die Regierungen gerade Säcke voller Steuergeld aus dem Fenster, ohne dass dies dem Klima messbar nützen würde - ganz im Gegensatz zu den Herstellern der Stromer. Der Vorwurf der Wissenschafter: Sowohl die EU als auch nationale Regulierungen würden die Hersteller dazu drängen, vor allem große und schwere E-Autos zu produzieren, deren Öko-Bilanz dank der schweren Batterien besonders unerfreulich sei. Deutschland, so die kritischen Wissenschafter, produziere noch immer erhebliche Mengen an Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken und Atommeilern, dazu komme der entsprechende Stromimport aus Frankreich und Polen.

Was übrigens auf Österreich weniger zutrifft: Hier fahren dank der üppig ausgebauten Wasserkraft die E-Autos tatsächlich überwiegend mit Öko-Strom (plus Atomstrom aus dem Ausland). Was nichts daran ändert, dass das Klima aller Voraussicht nach von der Stromer-Planwirtschaft nicht übertrieben beeindruckt sein wird.