Wenn sich die Botschafter kleiner, mäßig relevanter Staaten in anderen kleinen, mäßig relevanten Staaten öffentlich zu Wort melden, erregen sie meist eher wenig Aufmerksamkeit. So ist es auch Sloweniens Ambassadeur in Wien, Aleksander Gerzina, gegangen, der dieser Tage Österreichs Haltung im Streit um das slowenische Atomkraftwerk Krsko kritisierte. Zwar verstehe er die Sorgen des Nachbarlandes, "aber mit Pauschalurteilen, wonach es sich um ein zweites Tschernobyl handelt, kann man keine argumentative Diskussion führen (. . .) Die Zeiten haben sich geändert, es gab eine Modernisierung der Atomkraft, und sie ist eine der saubersten Energieformen."

Dass die Worte des Botschafters wirkungslos verhallten, ist aus einem Grund bedauerlich: Der Mann hat nämlich völlig recht. Die Haltung des offiziellen Österreich zur friedlichen Nutzung der Nuklearenergie ist sachlich kaum noch zu begründen, von den großen Fortschritten bei der Reaktorsicherheit unbeleckt - und vor allem nicht mit dem Ziel kompatibel, den Klimawandel zu bremsen. Die Vorstellung, Energie in den nächsten Jahren klimafreundlich in ausreichenden Mengen bereitstellen zu können, ohne Atomkraftwerke in Europa zu betreiben, ist eine pure Illusion aus dem Tal der frommen Wünsche. Das wird nicht gehen.

Nicht zuletzt deshalb erlebt die Welt derzeit eine Renaissance der Kernkraft. In China, Russland, Indien, Ägypten und den USA sind rund 50 AKW in Bau, und sogar Japan fährt seine nach Fukushima abgeschalteten Reaktoren wieder hoch. Und Frankreichs EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton hat erst dieser Tage vorgeschlagen, mit neuen AKW massiv Wasserstoff zu erzeugen, um diese Zukunftstechnologie in Europa voranzutreiben.

"Die Kernkraft verdient einen frischen Blick", forderte deshalb jüngst die "Neue Zürcher Zeitung". Es ist dies ein wirksamer Beitrag zur Reduktion der klimaschädlichen Abgase: Die AKW-Staaten Frankreich und Schweiz emittieren pro Kopf nur halb so viel CO2 wie Österreich; trotz des hierzulande hohen Anteils an klimafreundlicher Wasserkraft.

Es ist hoch an der Zeit, dass Österreich seinen irrationalen, klimaschädlichen und törichten Kampf gegen die Kernenergie ad acta legt und stattdessen auf einen faktenbasierten Kurs umschwenkt. Das muss nicht zwingend heißen, gleich ein Austro-AKW zu errichten. Sehr wohl aber könnte Wien wenigstens aufhören, andere EU-Staaten zu behelligen, die auf Atomstrom setzen. Gelegenheit dazu gibt es derzeit im EU-internen Entscheidungsprozess, in dem es darum geht, ob Atomstrom künftig als "nachhaltig" gelten soll, was vor allem Frankreich mit seinen vielen AKW fordert und Deutschland und Österreich mit ihrem Atom-Trauma ablehnen; die Entscheidung der EU-Kommission wird für diesen Sommer erwartet. Ein erster Expertenentwurf gibt den Franzosen recht, ist aber nicht verbindlich: "Die Analysen ergaben keine wissenschaftlich fundierten Belege dafür, dass die Atomenergie die menschliche Gesundheit oder die Umwelt stärker schädigt als andere Technologien zur Stromerzeugung." Dem offiziellen Österreich stünde es gut zu Gesicht, diese Fakten zu akzeptieren.