Die Notenbanken haben bisher die Corona-Krise gut bewältigt, und zwar durch rasche Reaktion auf die wirtschaftlichen Einbrüche, die anfangs stärker waren als in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre oder der großen weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008. Durch eine sehr expansive Geldpolitik konnten die Liquiditätsversorgung gesichert, die Zinsen gesenkt und die Finanzmärkte stabilisiert werden.

Franz Nauschnigg war bis zu seiner Pensionierung im Mai 2019 Abteilungsleiter für Integrationsangelegenheiten und Internationale Finanzorganisationen in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). In den 1990er Jahren beriet er die Finanzminister Andreas Staribacher, Viktor Klima und Rudolf Edlinger. - © Christine Weinberger
Franz Nauschnigg war bis zu seiner Pensionierung im Mai 2019 Abteilungsleiter für Integrationsangelegenheiten und Internationale Finanzorganisationen in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). In den 1990er Jahren beriet er die Finanzminister Andreas Staribacher, Viktor Klima und Rudolf Edlinger. - © Christine Weinberger

Konventionell mit niedrigen kurzfristigen Zinsen, unkonventionell durch Ankauf von Assets, insbesondere Staatsanleihen, konnten auch die Zinsen am langen Ende gesenkt werden. Den Staaten wurde dadurch die extrem expansive Fiskalpolitik mit Rekorddefiziten ermöglicht. Trotz höherer Staatsschulden sinkt die Zinsbelastung der Staatshaushalte durch niedrige beziehungsweise in der Eurozone sogar negative Zinsen, wodurch die Staaten weniger zurückzahlen müssen, als sie aufgenommen haben. Dadurch wurden eine Finanzkrise und eine daraus sicher folgende Depression vermieden.

Eurosystem sollte nicht auf Inflationsparanoiker hören

Jetzt befinden wir uns in einem durch diese expansive Geld- und Fiskalpolitik ermöglichten starken Aufschwung. Die Wirtschaft wächst wieder mit Rekordwerten, und die Arbeitslosigkeit wird abgebaut. Das hohe Wachstum führt, wie bei jedem starken Aufschwung nach einer tiefen Rezession, zu einer Verknappung bei Gütern und Arbeitskräften, verstärkt noch durch Probleme mit den globalen Lieferketten, was wiederum zu steigenden Preisen führt.

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Besonders deutlich zeigt sich dies in den USA, die ja auch eine weit expansivere Geld- und Fiskalpolitik als der Euroraum verfolgten. Nachdem die Inflation über Jahre hinweg in beiden Regionen unter den Inflationszielen der Notenbanken lag, liegt sie jetzt insbesondere in den USA weit darüber. Dieser Inflationsanstieg sollte allerdings nur temporär sein - es handelt sich um Basiseffekte, weil viele Preise, insbesondere Rohstoffe in der Corona-Krise eingebrochen waren und jetzt wieder gestiegen sind, oft auch über das Niveau vor der Krise, was zuerst die Inflation gesenkt und dann erhöht hat. Die Rohstoffpreise normalisieren sich, viele sinken bereits, etwa der Holzpreis in den USA. Dazu kommen die Effekte der Digitalisierung, die deflationär wirken, da Arbeitskräfte eingespart und billiger produziert werden kann.

Die Inflation sollte daher relativ bald wieder auf das Inflationsziel der Notenbanken, meist 2 Prozent, sinken und hoffentlich nicht wesentlich darunter, wie vor der Corona-Krise. Insbesondere das Eurosystem sollte nicht auf die jetzt wieder häufiger in der Öffentlichkeit, insbesondere im deutschsprachigen Raum, auftretenden Inflationsparanoiker hören und vermeiden, die gleichen Fehler zu machen wie nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008.

Damals wurde durch eine expansive Geld- und Fiskalpolitik die Rezession überwunden - als aber die Inflation im Aufschwung wieder über 2 Prozent stieg, reagierte man mit einer Zinserhöhung und einer Austeritätspolitik. Durch diese restriktive Geld- und Fiskalpolitik fiel der Euroraum wieder in die Rezession zurück, mit Millionen zusätzlichen Arbeitslosen und einer Eurokrise. Die Zinserhöhung wurde rasch wieder korrigiert, die Zinsen wurden gesenkt. Weil jedoch die Fiskalpolitik restriktiv blieb, war die Geldpolitik nicht sehr effektiv. Die EU fiel dadurch im Wachstum weit hinter die USA zurück.

Blasenbildung auf verschiedenen Märkten

Was die Notenbanken in Zukunft verstärkt fordern wird, ist die Blasenbildung auf verschiedenen Märkten mit extremen Preisanstiegen, die zu Boom/Bust-Zyklen führen können: Immobilien- und Bodenpreisanstieg, Aktienkursextreme wie Tesla sowie Cyberassets wie Bitcoin. Hier sind zielgerichtete makroprudenzielle Maßnahmen und eine stärkere Regulierung des Finanzsystems, insbesondere auch des Schattenbanksektors, erforderlich.

Solange die Wirtschaft stärker wächst als die Staatsschulden, ist eine Austeritätspolitik nicht erforderlich, sondern der Staat wächst aus seinen Schulden heraus. Das war nach 1945 im Bretton-Woods-System der Fall, als man die Zinsen niedrig hielt, die Finanzmärkte stark regulierte und die Reichen höher besteuerte. Es war das erfolgreichste Wirtschaftssystem der Geschichte. Die niedrigen Zinsen sollten auch stärker für die notwendigen hohen Investitionen in den Klimaschutz, der einen Umbau des gesamten Energiesystems (Erzeugung und Verbrauch) nötdig macht, genutzt werden.