Dass sich ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung nicht gegen Covid impfen lassen will, obwohl es für diese Ignoranz keine medizinische Begründung gibt, wird uns allen, ob geimpft oder nicht, in den nächsten Wochen ordentlich auf den Schädel fallen: in Form von Beeinträchtigen des Spitalsbetriebs (etwa OP-Verschiebungen), Restriktionen im Alltag und nicht zuletzt hohen Kosten. Das ist, weil völlig unnötig, mehr als ärgerlich. Und es stürzt jeden liberal denkenden Zeitgenossen in ein veritables Dilemma. Denn die Lösung "Impfpflicht für alle" wäre zwar emotional langsam nachvollziehbar, ist aber eben überhaupt nicht liberal. Einfach die Achseln zu zucken und sich den intellektuell Herausgeforderten zu fügen, ist aber auch irgendwie unbefriedigend. Die Idee, Ungeimpfte wenigstens an allfälligen Kosten ihres törichten Verhaltens zu beteiligen, ist bisher am etwa vom Gesundheitsminister formulierten Einwand gescheitert, dann müsse man ja auch Raucher, Alkoholiker, Extremsportler und viele andere an den Kosten ihres Handelns beteiligen, was nicht gut denkbar sei.

Doch so einfach ist das nicht: Nikotinsucht gilt heute wie Alkoholismus oder andere Abhängigkeiten als Krankheit und damit nicht als selbst verschuldet; das Verschuldensprinzip greift daher hier, anders als bei freiwillig Ungeimpften, nicht zwangsläufig. Auf der anderen Seite erscheint es nicht abwegig, für alle freiwillig eingegangene hohe Gesundheitsrisiken - Extremsport, mit Tempo 200 über die Autobahn brettern, ohne Not in ein ausgewiesenes Kriegsgebiet reisen und vieles mehr - im bei Erkrankung oder Verletzung tatsächlich einen Selbstbehalt einzufordern, das lässt sich legistisch und administrativ durchaus machen. Wer die Covid-Impfung verweigert, gehört dann eben auch in diese Gruppe und muss die Kosten einer allfälligen Intensivbehandlung über mehrere tausend Euro pro Tag teils selbst tragen. Was die Impfneigung dann doch etwas erhöhen dürfte.

Doch auch andere Methoden, nicht nur die Impfverweigerer, sondern alle anderen, die sich freiwillig und ohne Not in Gefahr begeben und allfällige Kosten dann der Allgemeinheit umhalsen, sind erprobt und denkbar. In Singapur etwa werden Spitalskosten über eine Art Sparkonto jedes Bürgers finanziert, in das Bevölkerung und Arbeitgeber Prämien einzahlen und aus dem im Krankheitsfall die Rechnungen beglichen werden. Die Zahlungen sind, um ein zu rasches Abschmelzen des Kapitalstocks zu verhindern, pro Jahr limitiert, höhere Kosten müssen die Patienten - notfalls auch deren Familien - selbst begleichen. Erst in echten Härtefällen springt, auf Antrag, der Staat ein. Man mag das für den Susi-sorglos-rundumversicherten Europäer unzumutbar hart finden; ein solches System hilft aber effizient, unnötige Risiken zumindest einzudämmen.

Gesundheitspolitische Werkzeuge dieser Art gibt es viele, letztlich geht es nur darum, das Risiko, das Einzelne freiwillig eingehen, irgendwie mit den davon allenfalls verursachten Kosten zu verbinden. Beim CO2-Ausstoß gibt es ja mittlerweile breiten Konsens, dass das nötig ist - warum nicht auch bei einer Pandemie?