Es ist nichts Neues, dass Menschen der Politik gegenüber misstrauisch gestimmt sind, dies belegen Umfragen seit Jahren. Auch nach dem vergangenen deutschen Wahlkampf lässt sich wieder erkennen, dass das schwindende Vertrauen ein großes Kriterium und Problem der Politik darstellt. Doch woran liegt dies?

Dominik Sedlmeier ist CEO und PR-Manager der Markenagentur El Clasico Media GmbH, einem Netzwerk für Kommunikation und Markenentwicklung mit den Schwerpunkten Markenstrategie, Public Relations und Social Media. Als Interims Manager unterstützte er zuvor diverse Unternehmen, wenn es darum ging, den Vertrieb hochzufahren, Umsätze zu skalieren und eine Marke aufzubauen (www.elclasico.de). - © El Clasico
Dominik Sedlmeier ist CEO und PR-Manager der Markenagentur El Clasico Media GmbH, einem Netzwerk für Kommunikation und Markenentwicklung mit den Schwerpunkten Markenstrategie, Public Relations und Social Media. Als Interims Manager unterstützte er zuvor diverse Unternehmen, wenn es darum ging, den Vertrieb hochzufahren, Umsätze zu skalieren und eine Marke aufzubauen (www.elclasico.de). - © El Clasico

Es dürfte nicht zuletzt auch mit der Digitalisierung zusammenhängen. Fake News und "alternative Fakten" verbreiten sich in Echtzeitgeschwindigkeit und rascher denn je unter Millionen von Menschen. Insbesondere in der Pandemie wurde nun deutlich, was für einen gravierenden Einfluss Falschinformationen auf eine Gesellschaft nehmen können. Und damit muss sich auch die Politik befassen - eine sonst als eher glaubwürdige eingestufte Institution, die nun von tausenden Menschen als Lügner betitelt wird.

Individuelle statt Massenkommunikation

- © Illustration: stock.adobe.com / isaincu
© Illustration: stock.adobe.com / isaincu

Social Media und die Menge an Informationen, die uns tagtäglich zugespielt werden, sorgen dafür, dass wir uns unsere eigene Realität formen; die absolute Wahrheit gibt es nicht mehr. Dies ist ein gravierendes Problem für die Politik, die oftmals machtlos gegen die Verbreitung von Fake News ist, zeigte dies kürzlich erst die Corona-Krise. Wenn wir uns zunehmend unsere eigenen Informationen suchen und diese als Basis dafür nehmen, uns eine Realität zu formen, kann die Politik hier nur Einfluss darauf nehmen, wenn sie auf individuelle statt Massenkommunikation setzt.

Denn unsere Gesellschaft besteht aus zu vielen Schichten, Menschen und Meinungen, als dass die politischen Parteien noch eine breite Messe ansprechen könnten. Demnach muss die politische Kommunikation individueller werden, um das Vertrauen in sie wieder stärken zu können. Menschen vertrauen prinzipiell eher Personen als Institutionen, zumal empfinden sie Personen, die ihnen selbst ähnlich sind, als vertrauenswürdiger.

Was bedeutet dies nun für die Außenkommunikation der Politik? Hier müssen Persönlichkeiten als Sprachrohr fungieren, die authentisch auftreten und darum bemüht sind, ihre Anliegen und Ansichten den Bürgern direkt zu vermitteln. Auch hier kommen wieder die Sozialen Medien ins Spiel: Diverse Plattformen bieten heutzutage die Möglichkeit, auf direktem Wege und auf einer persönlichen Ebene mit Wählern und Interessenten ins Gespräch zu kommen. Eine diplomatische, versteifte und ernste Kommunikationsstrategie wirkt in unserer digitalen Welt fehlplatziert, persönliche und authentische Ansprachen können hingegen punkten.

Raschere Reaktionen, mehr Offenheit in der Fehlerkultur

Ein weiterer Aspekt der Sozialen Medien ist die Echtzeitkommunikation. Genauso wie wir binnen weniger Minuten über globale Ereignisse informiert werden, werden es auch die Politiker selbst - wir erwarten ihre Reaktion darauf, diese lässt jedoch häufiger einige Zeit auf sich warten. Dies ist verständlich unter dem Gesichtspunkt, welchen Einfluss politische Statements nehmen können; dennoch fühlen sich viele bei fehlender Kommunikation der Politik im Stich gelassen.

Das Vertrauen in die Politik schwindet, weil Menschen oft sich und ihre Bedürfnisse, Sorgen und Geschehnisse nicht als von den Politikern wahrgenommen empfinden. Demnach muss die Außenkommunikation dynamischer werden; Persönlichkeiten - und hier kommen wir zu einem bereits weiter oben genannten Punkt - müssen zeitgerecht Stellung beziehen.

Die Politik, die auch in ihrer politischen Kommunikation noch zu viele bürokratische Hürden zu überwinden hat, muss also schneller, direkter und authentischer werden, damit das Vertrauen in sie wiederhergestellt werden kann. Zudem muss sie offener in der eigenen Fehlerkultur werden. Einen Fehler zu begehen, zeugt nicht unbedingt von Inkompetenz, es ist menschlich. Ihn jedoch nicht zugeben zu können, ist hingegen problematisch.

Auch dieser Aspekt spielt wieder in die digitale Echtzeitkommunikation mit ein. Politiker müssen Stellung beziehen - und eben auch zu ihren Fehlern stehen können. Tagelanges Warten auf politische Statements sorgt nämlich viel eher dafür, dass Menschen misstrauisch werden. Denn auch aufgrund des Gesichtspunktes, dass uns mittlerweile aufgrund des Internets unzählige Informationen gratis zur Verfügung stehen, können wir begangene Fehltritte von Politikern leicht ausfindig machen. Es ist anzunehmen, dass die Politik auch zukünftig von kleineren und größeren Skandalen überschattet werden wird - nur mit einem offenen Umgang Fehlern gegenüber können sich Politiker hier noch retten.

Damit das Vertrauen in die Politik wieder steigt, muss die Außenkommunikation also vor allem eines werden: dynamischer. Und sie muss auch digital stattfinden: schnell, echt, persönlich. Menschen formen ihre eigene Realität; wenn die Politik hierauf noch Einfluss nehmen möchte, dann muss sie diese Menschen auf der persönlichen Ebene abholen.