Die fehlende Impfbereitschaft von Teilen der Bevölkerung war lange nicht ausreichend im Fokus. Schon bei der Zulassung der ersten Covid-Impfstoffe wurde vor einer Situation gewarnt, in der sich nicht ausreichend viele Menschen impfen lassen möchten. Doch in Anbetracht von Impfstoffknappheit, Schwierigkeiten bei der Verteilung und Impfneiddebatten konnten sich nur wenige vorstellen, dass sich die Dynamik ändern und der Ansturm auf die Impfung abreißen könnte. Heute ist die Problematik aber aktueller denn je, und es wird diskutiert, wie man die Impfquote erhöhen kann.

Florian Spitzer forscht als Verhaltensökonom am Institut für Höhere Studien (IHS). - © Fotostudio Fally
Florian Spitzer forscht als Verhaltensökonom am Institut für Höhere Studien (IHS). - © Fotostudio Fally

Inzwischen ist jedoch wertvolle Zeit verstrichen, die zur Vorbereitung evidenzbasierter Maßnahmen notwendig gewesenen wäre. Um jetzt auf die Sorgen, Ängste und Bedenken der Menschen einzugehen, braucht es eine genaue Kenntnis der Gründe, warum Menschen mit der Covid-Impfung zögern. Erst wenn man weiß, wie diese Gründe mit soziodemografischen Merkmalen zusammenhängen, lassen sich zielgruppenspezifische Maßnahmen und Kommunikationsstrategien entwickeln. Für ausführliche vorbereitende Studien ist es diesen Winter schon zu spät, manches kann jedoch auch ad hoc umgesetzt werden.

Wie wichtig ein möglichst niederschwelliger Zugang ist, hat sich in der Zwischenzeit herumgesprochen. Die Covid-Impfung wird vielerorts ohne Anmeldung angeboten, an Orten, wo Menschen ohnehin vorbeikommen, und mit Angeboten wie Wurstsemmel oder Impflotterie zusätzlich attraktiv gemacht. Auch die direkte Nachfrage, ob Personen denn schon Gelegenheit hatten, sich impfen zu lassen - beispielsweise beim Hausarztbesuch oder auf dem Amt -, ist sinnvoll, wenn die Impfung dann direkt dort angeboten wird.

Auch Argumente für die Impfung und Fakten über Impfmythen müssen den Menschen aktiv vermittelt werden. Informationen nur im Internet oder auf Flyern bereitzustellen, reicht dabei nicht aus. Neben reichweitenstarken Kampagnen gilt es, Vorbilder sowie Impfbotschafterinnen und Impfbotschafter zu gewinnen, die für den Stich werben - gerade auch in lokalen Communitys abseits des Mainstreams. Erfolgsversprechender, als Ungeimpfte direkt zu adressieren, kann es zudem sein, bereits Geimpfte zu motivieren, ungeimpfte Freunde und Bekannte von den Vorteilen der Covid-Impfung zu überzeugen und ihnen Ängste zu nehmen. Vertrauen ist hier und auch generell ein entscheidender Faktor. Als besonders vielversprechend haben sich in Studien auch vorgeschlagene Impftermine erwiesen, die zwar verschoben oder abgesagt werden können, letztlich aber von vielen eingehalten werden, die selbst aktiv keinen Impftermin für sich vereinbart hätten. Gerade auch bei betrieblichen Impfaktionen lässt sich dieses Instrument gut einsetzen.

Ohnehin bietet sich die betriebliche Ebene an, um Maßnahmen zur Steigerung der Impfbereitschaft zu setzen - eine möglichst hohe Impfquote der Belegschaft liegt ja durchaus auch im Interesse der Unternehmen. Viele kreative Ansätze zur Steigerung der Impfquote stehen bereit. Jetzt gilt es diese zu nutzen, um mit einer möglichst hohen Durchimpfungsrate gut durch den Winter zu kommen.

Veranstaltungstipp:

Am 21. Oktober diskutieren Katharina T. Paul (Universität Wien) und Janina Steinert (TU München) in einem IHS-Webinar darüber, was gegen die Impfmüdigkeit getan werden kann Livestream ab 14.30 Uhr: https://go.ihs.ac.at/lebenmitcoronaimpfen.