In diesem Herbst hat die deutsche Botschaft mit einer Meinungsumfrage ermittelt, welches Bild man hierzulande von Deutschland und den Deutschen pflegt. Anekdoten und Sprüche gibt es dazu reichlich, selbst eine eigene Filmreihe wie die legendäre "Piefke-Saga" widmet sich dem Thema. Wir wollten es lieber etwas wissenschaftlicher angehen. In der "Wiener Zeitung" wurde über die wichtigsten Ergebnisse der repräsentativen Umfrage berichtet; vielleicht interessiert Sie auch, was mir dabei aufgefallen ist. Ich möchte einige meiner Kolumnen nutzen, um darüber mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Ralf Beste ist seit September 2019 deutscher Botschafter in Österreich. Davor war der studierte Historiker als Journalist tätig, unter anderem für die "Berliner Zeitung" und den "Spiegel". - © Deutsche Botschaft Wien
Ralf Beste ist seit September 2019 deutscher Botschafter in Österreich. Davor war der studierte Historiker als Journalist tätig, unter anderem für die "Berliner Zeitung" und den "Spiegel". - © Deutsche Botschaft Wien

Die Umfrage hat zahlreiche Erkenntnisse gebracht, zum Beispiel, dass Österreicher sehr klar zwischen Bayern und anderen Deutschen unterscheiden, oder dass sie im Urlaub lieber unsere Millionenstädte besuchen als die landschaftlichen Schönheiten. Drei Viertel der Befragten können sich sogar eine Partnerschaft mit einem oder einer Deutschen vorstellen. Der einfachste Nenner der Umfrage aber lautet: 6,1. Diese Zahl markiert die Durchschnittsnote auf einer Skala von 0 bis 10, die unsere Nachbarn auf die Frage gegeben haben, wie "sympathisch" sie die Deutschen finden. 10 wäre fantastisch gewesen, 0 eine Katastrophe.

Wie sympathisch ist 6,1? Ich habe mit vielen Menschen darüber gesprochen - ihre Reaktionen würde ich in drei Kategorien zusammenfassen. Viele Österreicherinnen und Österreicher haben mir gesagt: eigentlich gut - zumal angesichts der Geschichte und des Verhaltens mancher Touristen. In Deutschland erschraken einige etwas, dass sie keine bessere Note bekommen hätten. Dazwischen bewegten sich die Deutschen, die länger in Österreich leben. Ihre Reaktion: Mehr konnten wir wohl kaum erwarten.

Einige meiner Gesprächspartner fragten zurück, ob es zum Image der Österreicher in Deutschland ähnliche Studien gebe; das wäre in der Tat auch interessant. Ich könnte mir vorstellen, dass die Deutschen ihre Lieblingsnachbarn einen Tick besser bewerten als andersherum. Warum? Die normalen Reibungen im Verhältnis scheinen mir vom Süden betrachtet kritischer bewertet zu werden als vom Norden aus. Das hat nicht unbedingt nur mit unterschiedlicher Sensibilität zu tun. Ein kluger - österreichischer - Kommentator schrieb dazu, das Verhältnis zum großen Nachbarn werde schwierig bleiben, solange er der große Nachbar sei. Daran dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern.

In der Zwischenzeit bleibt die Arbeit an unserer Freundschaft eine Daueraufgabe, die mir übrigens ziemlichen Spaß macht.