Die Psychiaterin Heidi Kastner, Autorin des Bestsellers "Dummheit", kommt angesichts der verhaltensauffälligen Corona-Demos zu einer bemerkenswerten Diagnose. Studien, meinte sie in einem "Falter"-Interview, hätten ergeben, dass "gebildete Frauen mittleren Alters das Gros der Impfgegner ausmachen". Als Mann würde man sich das ja eher nicht so zu formulieren trauen, wenn einem das soziale Leben noch irgendwas bedeutet; aber als renommierte Psychiaterin kommt man damit eventuell noch durch.

Versucht man, die Ursachen der überdurchschnittlich ausgeprägten Abneigung gegen die Covid-Impfung und die Motive der Impfgegnerinnen herauszufinden, fällt einem etwa bei Lektüre der an sich recht gut beleumundeten Frauenzeitschrift "Woman" auf, dass dort eine Frau Kuhn Folgendes schreibt: "Die in dieser Jahreszeit verstärkt auftretende kosmische Schadstrahlung schwächt unser Abwehrsystem." Ein Missstand, dem man aber "mit Mistelzweigen und Weihrauchstäbchen entgegenwirken" könne. Und nein, das ist kein satirischer Beitrag.

Gedruckt wird so was, nicht nur in "Woman", weil Nachfrage danach besteht. Und diese Nachfrage besteht nicht nur, aber auch, weil die Österreicher in besonders hohem Ausmaß eher distanziert der Wissenschaft gegenüberstehen - was, wie viele Studien zeigen, wiederum negativ mit der Impfbereitschaft korreliert. Das heißt: Je weniger eine Gesellschaft rational und wissenschaftlich orientiert ist und je mehr sie stattdessen an Esoterik und Scharlatanerie glaubt, umso schutzloser steht sie Corona gegenüber.

Es ist langsam keine kuriose, aber harmlose Eigenheit der Alpenrepublik, derartigen Blödheiten im öffentlichen Diskurs noch immer so viel Platz einzuräumen - und damit diesen Effekt noch weiter zu verstärken. So bin ich mir nicht ganz sicher, ob es dem Bildungsauftrag des ORF entspricht, einer Quacksalberin wie Gerda Rogers seit Jahrzehnten außerordentlich üppig Sendezeit zur Verfügung zu stellen, wo die Hörer dann zum Beispiel erfahren, dass die Pandemie erst zu Ende sein werde, "wenn der Neptun aus den Fischen geht".

Dass dergleichen in Österreich als irgendwie normal empfunden wird, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass es irgendwie normal ist. An den Fingern einer Hand abzählen kann man jene Zeitungen, die keine Horoskope abdrucken, im teuersten vegetarischen Restaurant wird völlig selbstverständlich Granderwasser serviert, wirkungslose Globuli werden zur Prime-Time im TV beworben, der Gesundheitsminister neigt in seinem Job als Arzt der Traditionellen Chinesischen Medizin zu, ein Spitalneubau wird mit einem Energiering versehen - es ist, als hätte die Aufklärung nie stattgefunden. Fehlt eigentlich nur noch, dass irgendjemand Exorzisten aus Rom gegen Corona einsetzen will. Das passte ja irgendwie voll in das Bild, das dieses Land abgibt.

Es wäre an der Zeit, endlich gegen diese Metastasen des Irrationalen in allen Lebensbereichen vorzugehen. Nicht mit Verboten, aber indem die sogenannte Zivilgesellschaft allen, die für so was verantwortlich sind, klarmacht, dass dieser Gurkenhandel enden muss, besser heute als morgen.