Die Hochschulen waren nicht nur die Ersten, die geschlossen haben. Leider sieht es auch so aus, als ob Studierende auch die Letzten sind, denen ein Normalbetrieb an Unis und FHs ermöglicht werden soll. Ein Großteil der 400.000 Studierenden in Österreich ist frustriert, und das Vertrauen in Politik und Rektorate schwindet immer schneller.

Sophie Wotschke (23) ist seit 2020 Vorsitzende der JUNOS Studierenden. Die studierte Juristin verfolgt neben der Arbeit in einer Wiener Rechtsanwaltskanzlei ihr Doktorat und studiert aktuell Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien. - © privat
Sophie Wotschke (23) ist seit 2020 Vorsitzende der JUNOS Studierenden. Die studierte Juristin verfolgt neben der Arbeit in einer Wiener Rechtsanwaltskanzlei ihr Doktorat und studiert aktuell Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien. - © privat

Während viele Hochschulen am Anfang des Semesters einen "Fokus auf Präsenzbetrieb" und "Öffnungen" angekündigt haben, blieb von diesen Versprechen nur wenig übrig. Meine eigenen Erfahrungen sind repräsentativ für viele Zusendungen, die wir als Studierendenvertreter bekommen: Nur einer von sechs Kursen war direkt an der Uni, der Rest bloß online. Seit dem Lockdown sind die allermeisten Kurse online - und das trotz einer Impfquote von 85 Prozent bei Studierenden. Fokus auf Präsenz sieht anders aus.

Viel Zeit alleine vor dem Bildschirm, kaum Kontakt mit Kollegen und mangelnde Planbarkeit des Semesters haben natürlich negative Konsequenzen. So fühlte sich bereits im vergangenen Semester jeder zweite Studierende vereinsamt, jeder Dritte gab sogar an, an Ängsten und depressiven Verstimmungen zu leiden. Die Lage um uns Studierende ist zweifelsohne ernst. Auf Ebene der Bundespolitik scheint die Erarbeitung von Lösungswegen aus dieser Misere jedoch keine Priorität zu sein. Doch nach vier Lockdown-Semestern brauchen wir Studierenden endlich Perspektiven, wie es weitergeht.

Es braucht rasch einen transparenten und professionellen Diskurs zu Öffnungsschritten an Hochschulen. Der neue Bildungsminister Martin Polaschek hat als Rektor der Universität Graz erfreulicherweise gezeigt, dass Präsenzlehre auch im Lockdown möglich ist und sein soll. Genau diesen Weg muss er jetzt auf Bundesebene weiterverfolgen.

Um das zu ermöglichen, braucht es im Jänner 2022 einen Uni-FH-Gipfel. Gemeinsam sollten Empfehlungen erarbeitet werden, wie man Präsenzlehre für das nächstes Semester ermöglicht. Auch hier muss man die neue Omikron-Variante im Blick haben. An dem Uni-FH-Gipfel müssen jedenfalls der Bildungsminister, die Rektorate der größten Unis und FHs, Studienvertreter sowie Experten aus Virologie und Psychologie teilnehmen. Nur so kann sichergestellt werden, dass wir Studierende nicht wieder die Dummen und die Hochschulen gut vorbereitet sind.

Die exakte Ausgestaltung der Sicherheitskonzepte soll den jeweiligen Hochschulen obliegen, sie können sich der Lage vor Ort am besten anpassen. Das Ziel muss aber überall gleich sein: offene Hochschulen im Sommersemester 2022. Denn eines ist klar: Wir 400.000 Studierenden, fast 4,5 Prozent der österreichischen Bevölkerung, sind eine zu große Minderheit, um wieder links liegen gelassen werden. Das Grundrecht auf Bildung ist ein hohes Gut, und gut ausgebildete junge Leute sind ein Mehrwert für alle. Die Politik darf das nicht mehr ignorieren.