"Man kann nicht nicht kommunizieren", sagte einst der Philosoph Paul Watzlawick. Mimik, Gestik, Intonation der Stimme und Körperhaltung signalisieren auf der unterbewussten Ebene, was ein Sprechender über sich selbst denkt. "Sprich, dass ich dich sehe" - dieser Ausspruch das antiken Philosophen Sokrates besagt, dass ein jeder Mensch in seinem innersten Wesen sichtbar wird, wenn er spricht.

Cornelia Fink ist Kommunikationspsychologin und Expertin für Stimme und Sprache. Sie ist Gründerin des Labels "StimmWege", unter dem sie seit 34 Jahren Menschen dabei unterstützt, ihren eigenen authentischen Weg zu gehen, und Unternehmen im Bereich Personalentwicklung und Talentmanagement mit ihren Analysen und Trainings zur Seite steht. - © Matyas Varga Forografie & Design
Cornelia Fink ist Kommunikationspsychologin und Expertin für Stimme und Sprache. Sie ist Gründerin des Labels "StimmWege", unter dem sie seit 34 Jahren Menschen dabei unterstützt, ihren eigenen authentischen Weg zu gehen, und Unternehmen im Bereich Personalentwicklung und Talentmanagement mit ihren Analysen und Trainings zur Seite steht. - © Matyas Varga Forografie & Design

In einer Zeit, in der Angebote zum Thema Selbstpräsentation und Selbstdarstellung Konjunktur haben, in der der Begriff des "ehrbaren Kaufmanns" aus der Mode gekommen zu sein scheint, ebenso wie der Satz "Ein Mann, ein Wort", wird es immer wichtiger, die Zeichen und nonverbalen Botschaften, die beim Sprechen ausgesandt werden, genauer erkennen und deuten zu können. Im Folgenden drei exemplarische Sprechtypen mit ihren Erkennungsmerkmalen, denen wir auch im Alltag öfters begegnen.

Der Blender

- © Illustration: stock.adobe.com / svetazi
© Illustration: stock.adobe.com / svetazi

Er ist der Musterschüler der Rhetorikseminare. Er bemüht sich sehr darum, deutlich zu sprechen. Aber es geht ihm letztlich nicht darum, verstanden zu werden, sondern sich selbst perfekt zu inszenieren. Er ist ein selbstgeschaffenes Konstrukt aus angelerntem und trainiertem Verhalten mit dem Ziel, in der Gesamtinszenierung seiner Persönlichkeit zu überzeugen. Er benutzt sein Gegenüber als Publikum für seine eigene Großartigkeit. Er ist immer perfekt gekleidet, man sieht ihm an, dass er körperlich durchtrainiert ist und nichts dem Zufall überlässt. Er wirkt immer sehr gepflegt, tritt selbstbewusst auf und achtet darauf, nie die Haltung zu verlieren. Seine Bewegungen sind oft stereotyp, besonders, wenn er Reden hält, aber auch wenn er sonst spricht. Sie sind nicht mit seinem Körper verbunden. Es sieht aus, als folgten sie einer antrainierten Choreografie, um das Gesprochene zu unterstreichen. Besonders der Bewegungsablauf der Hände ist als wichtiger Teil jeder klassischen Rhetorikschulung erkennbar.

In seiner Sprechweise fällt besonders auf, dass er unnatürliche Pausen macht und seine Betonungen einem fast immer gleichen Rhythmus folgen, als wollte er sagen: "Alles, was ich sage, hat eine besondere und von mir bewusst geplante Bedeutung." Gleichzeitig verliert das, was er sagt, durch diese Überbetonung an eben jener Bedeutung, zumal wenn er am Ende seiner Sätze keinen Punkt setzt und damit seinen Aussagen Gewicht verleiht, sondern die Sätze wie eine Welle auslaufen lässt und somit eigentlich nichts so sagt, wie er es selbst meint. Schließlich kann es ja sein, dass er seine Meinung auch einmal ändern muss. Von ihm hat man für sich selbst nicht allzu viel zu erwarten.

Der Unbewusste

Er ist ein bisschen das Gegenteil des Blenders. Er weiß meist sehr viel und will deshalb natürlich auch verstanden werden, kommt aber gar nicht auf die Idee, dass er dafür auch deutlicher sprechen müsste. Er geht einfach davon aus, dass das, was er sagt, so logisch ist, dass jeder es verstehen muss. Ihm fehlt es an Einfühlungsvermögen für sein Gegenüber. Er legt auch keinen besonderen Wert auf sein Aussehen. Auch die Körperhaltung wirkt eher nachlässig. Da er immer in Gedanken versunken ist, begegnet er seiner Umwelt oft mit gedankenverlorenem Blick. Es fällt ihm schwer, Augenkontakt zu halten. Hin und wieder schließt er auch die Augen, um den eigenen Faden nicht zu verlieren und nichts von dem zu vergessen, was er sagen wollte.

Oft schnell und nuschelnd, meist auch näselnd, ist er in der Regel schwer zu verstehen, weil er entweder mit monotoner Stimme und Füllwörtern versucht, sein Wissen an den Mann zu bringen, ohne darauf zu achten, ob das, was er sagt, auch ankommt - oder er spricht viel zu schnell und huscht dadurch oberflächlich über seine Worte hinweg. Es geht ihm primär darum, nichts zu vergessen und möglichst in den Aussagen selbst keine Fehler zu machen. Er hüpft auch gern von einem Gedanken oder Thema zum nächsten und erzeugen dabei nicht selten beim Zuhörenden ein inneres Chaos - es fehlt die Klarheit der Aussage und dessen, was daraus folgt. Von ihm kann man tatsächlich viel erfahren - wenn es gelingt, ihm zu folgen -, um sich dann eine eigene Meinung bilden zu können.

Der Aufrechte

Aufrechte Menschen wollen nicht nur verstanden werden, sie meinen auch ehrlich, was sie sagen. Ihre Gesprächskultur ist ernsthaft, bescheiden und schlicht. Sie stehen zu ihrem Wort und tun genau das, was sie versprechen. Sie sind stets ihrem Gegenüber zugewandt und hören aufmerksam zu. Sie antworten auf Fragen direkt, wenn auch manchmal etwas ausschweifend, um wirklich verstanden zu werden. Sie stellen sich auch kritischen Fragen offen und antworten ebenfalls direkt. Ihr Gesichtsausdruck harmoniert mit ihren Worten. Ihr Blick ist klar und ruhig.

Das Sprechtempo des Aufrechten ist angemessen, seine Stimme klingt ruhig und respektvoll. Besonders fällt auf, dass er seine Worte bewusst wählt. Er spricht nicht "über" etwas, sondern "von" etwas. Er meint, was er sagt. Das zeigt sich nicht nur im Tempo, sondern auch in der Lautstärke und im Tonfall. Wenn er eine Geschichte erzählt, kann man förmlich spüren, dass er sie miterlebt. Er scheut auch nicht davor zurück, seine Gefühle ganz offen zu zeigen - auch in seiner Mimik. Er hat keine Angst davor, "gesehen" zu werden, und wendet sich dem Gegenüber so lange zu, wie das Gespräch dauert.

Durch und durch aufrechte Menschen sind leider in der Öffentlichkeit nicht sehr häufig anzutreffen. Umso mehr sollte man nach ihnen suchen. Sie sind eher still, selbst wenn oder gerade obwohl sie eine starke Ausstrahlung haben. Sie drängen sich nicht in den Vordergrund, aber sind zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Auf sie kann man sich verlassen. Man kann von ihnen lernen und ihnen auch vertrauen. Sie hintergehen andere nicht für ihren eigenen Vorteil.

Zum Schluss noch eine kleine Anregung: Wer herausfinden will, ob zum Beispiel ein Politiker oder eine Politikerin im Fernsehen die Wahrheit sagt, sollte einfach einmal den Ton abschalten. Je öfter man das tut, desto besser kann man lernen, nonverbale Botschaften wahrzunehmen.