Kennen Sie Rainer Wieland? Vermutlich wohl eher nicht, außer vielleicht, wenn Sie beruflich mit der Brüsseler EU-Blase zu tun haben, denn der CDU-Politiker ist einer von gezählten 14(!) Vizepräsidenten des EU-Parlaments. Wieland wurde nun erstmals auch einer größeren Öffentlichkeit bekannt, weil ruchbar wurde, wie viel Geld der europäische Steuerzahler in den Umbau seines Brüsseler Vizepräsidentenbüros stecken musste: stolze 630.000 Euro. Also den Gegenwert eines schon eher stattlichen Einfamilienhauses in einer besseren österreichischen Wohnlage.

Penibel listete die deutsche "Bild"-Zeitung auf, was zu diesen immensen Kosten geführt hat: etwa ein eigenes Display zum Fensteröffnen; Glaswände, die sich milchig einfärben; und Trennwände, die auf Knopfdruck verschwinden können. "Allein die elektrischen Jalousien und Einbaumöbel hätten 80.000 Euro gekostet. Geplant sei aber noch eine Videokonferenz- und Diktier-Einrichtung, die auch simultan übersetzen kann", so die "Bild". Neben einem ordentlichen Maß an politischer Torheit wird hier vor allem eine Einstellung des Herrn Vizepräsidenten sichtbar, die man nicht anders beschreiben kann denn als Hybris, basierend auf der Annahme, gleichsam über den Regeln, Gepflogenheiten und Gebräuchen zu stehen, die für den gemeinen Pöbel draußen in der wirklichen Welt gelten. Wo man sich das Büro eher nicht für derartige Summen umbauen lassen kann.

Es ist der gleiche Größenwahn, der einen hervorragenden Tennisspieler glauben lässt, die strengen australischen Visumregeln gälten für alle, nur nicht für ihn, den Star; der einen britischen Premier während der Pandemie Partys in seinem Amtssitz schmeißen lässt, weil er offenbar nicht kapiert, dass deren Verbot nicht nur für seine Wähler gilt, sondern auch für ihn; oder der einen reichen österreichischen Jungunternehmer gesetzwidrige Apres-Ski-Exzesse auch noch via Social Media verbreiten lässt.

Im Grunde wird hier immer der gleiche Defekt sichtbar: Die Annahme von Teilen der politischen, wirtschaftlichen oder auch medialen Elite, für sie gälten andere Regeln als für die Plebs da draußen. Das ist zwar kein neues Phänomen, aber nach zwei Jahren Corona, in denen genau die Menschen besonders gelitten haben, die es sich eben nicht richten können, sondern sich gefälligst an die Regeln zu halten haben, ist ein solches Verhalten geeignet, den viel zitierten Zusammenhalt der Gesellschaft viel nachhaltiger zu beschädigen als in sonnigeren Zeiten.

Die Stimmung in der Bevölkerung sei derzeit "ein lang anhaltendes, tiefes Grummeln", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner.

Eliten, die über Gebühr oft jene Regeln gut sichtbar missachten, mit denen sie das Volk drangsalieren, oder prassen, während den Untertanen der Gürtel enger geschnallt wird, verlieren nicht nur jedes Ansehen - sie verlieren vor allem früher oder später die Kontrolle über das Geschehen; vor allem dann, wenn sie auch mit dem Handling einer Krise ganz offensichtlich überfordert sind, wie das jetzt gerade zu beobachten ist. Und genau das brauchen wir derzeit eher nicht.