In den meisten Fällen belastet nicht der Druck von Arbeitgebern oder der Druck des Umfelds die Mütter in ihrem Rollenverständnis. Nein, vielmehr sind es äußere Einflüsse, die sie beeinflussen und die eigenen Erwartungen, die Frauen an sich selber haben, die sie so enorm unter Druck setzen. Wir wollen dem Bild der perfekten Frau entsprechen, Beruf und Familie mit einem perfekten Lächeln und einer Leichtigkeit unter einen Hut bringen, wie es zum Beispiel Super-Mama Heidi Klum zu schaffen scheint. Doch der eigene Perfektionismus ist leider oft nicht zu vereinbaren mit der Realität, außer wir haben Nannys und Hauspersonal.

Also sollten die Mütter lieber Klischees von der "perfekten Mutter" oder der "Rabenmutter" aus dem Wortschatz streichen und sich darauf besinnen, was sie wirklich sind: Sie sind normale Menschen, die eine Berufung und eine Familie haben. Was wir unbedingt brauchen, ist ein neues Frauen- und Mutterbild. Es wird seit Jahren viel geredet über Gleichberechtigung, aber das ist noch längst nicht in der Realität angekommen. Ein Großteil der Probleme, die das Leben von berufstätigen Müttern so schwierig machen, findet in den Köpfen der Gesellschaft statt.

Corina Schomaker ist Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft und diplomierte Freizeitwissenschafterin. Sie hat mehr als ein Jahrzehnt lang in einer führenden Position gearbeitet und hat zwei kleine Kinder. - © privat
Corina Schomaker ist Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft und diplomierte Freizeitwissenschafterin. Sie hat mehr als ein Jahrzehnt lang in einer führenden Position gearbeitet und hat zwei kleine Kinder. - © privat

Es gibt kein Falsch und kein Richtig, weil Kinder und Mütter zu verschieden sind. Wir brauchen keine Idealvorstellung, wie wir zu sein haben, sondern wir sollten versuchen, weniger zu vergleichen und mehr in uns hineinzuhorchen, was wir eigentlich für uns wollen.

Muttersein ist etwas einzigartig Schönes und kann mit nichts auf der Welt verglichen und ersetzt werden. Ebenso Vatersein. Diese Zeit im Leben kommt nie mehr wieder und kann mit allen Facetten ein unglaubliches Abenteuer werden, an das wir bis zum Lebensende mit einem Lächeln im Gesicht zurückdenken sollten. Doch leider ist das Bild der Mütter stark verrutscht in den vergangenen Jahren und im Zuge der Globalisierung weiter in eine zunehmend fordernde und anspruchsvolle Ecke gedrängt worden. Schneller, höher, weiter - doch was in allen anderen Gesellschaftsbereichen förderlich sein mag, behindert Mütter massiv in ihrer Rolle und erschwert ihnen den Alltag.

Die Gesellschaft
sensibilisieren

Kommen Mütter zurück nach ihrer Elternzeit an ihren Arbeitsplatz, so heißt es automatisch, dass sie jetzt in Teilzeit arbeiten. Realistisch gesehen ist das trotzdem ein 40-Stunden-Job, aber in Teilzeit. Unternehmen und Konzerne müssten viel mehr verpflichtet werden von der Politik, Frauen und Männer gleich zu behandeln. Damit ist nicht nur das Gehalt gemeint, sondern auch die Möglichkeit der Elternzeit oder Teilzeitsysteme zu schaffen und sowohl für Frauen als auch Männer die Kinderkrankentage erhöhen. Wo sehen wir denn heutzutage eine Erleichterung für Working Moms? Eben nicht in der Politik, Gesellschaft oder Konzernchefs, sondern bei Start-ups oder Jungunternehmern.

Vor allem die breite Gesellschaft muss für dieses Thema sensibilisiert werden, wenn eine tiefgreifende Veränderung bewirkt werden soll. Nur wenn eine breite Masse das Problem als ein solches erkennt und sich dagegen wehrt, kann Veränderung gelingen. Es wird innerhalb der Politik immer vom breiten Mittelstand gesprochen, der die Basis für das Land darstellt. Da wird auch unglaublich viel diskutiert - aber wie viel wird umgesetzt? Es fehlen oft die starken Persönlichkeiten, die sich für dieses Thema einsetzen und sich für diese Sache engagieren. Vor allem Schauspielerinnen, Sportlerinnen, weibliche Führungskräfte und Influencerinnen können es schaffen, die breite Masse der Gesellschaft zu erreichen und anzusprechen. Viel zu wenig sind davon sichtbar und hörbar! Wenn die Gesellschaft hier viel mehr wichtige Persönlichkeiten auf Bundesebenen gewinnen würde, könnte auch politisch an den richtigen Hebeln gezogen werden.

Ob es der Betriebskindergarten ist, allgemeine offizielle Babysitterangebote, finanzielle Förderungen und Ermäßigungen oder einfach auch die Werbung und Popkultur - der Kampf der Mütter um mehr Entlastung muss auf allen Ebenen geführt und gefochten werden. Nur das Zusammenspiel der genannten Faktoren kann den betroffenen Working Moms helfen, den Alltag leichter und mit weniger Druck zu organisieren, solange keine vollständige Gleichberechtigung auf allen Ebenen vorhanden ist. Es muss der Politik, den Konzernen und Unternehmen viel offensiver und regelmäßiger vor Augen geführt werden. Breite Kampagnen und Werbespots können helfen, das Thema in die Realität zu holen. Nur wenn es permanent präsent ist, kann sich langfristig etwas ändern.