Die Bewältigung der Corona-Krise stellt die heimischen Betriebe gemeinsam mit der Transformation der Wirtschaft vor historische Herausforderungen. Einen Beitrag zur besseren Bewältigung dieser Krise werden auch die Corona-Wirtschaftshilfsgelder der Europäischen Union leisten. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) unterstützt mit einem eigens geschaffen Analyse-Tool Betriebe dabei, in der gesamten EU Chancen für Investitionen zu finden, damit heimische Unternehmen auch EU-Aufbauhilfen in anderen Mitgliedstaaten erfolgreich nutzen können.

Mariana Kühnel ist stellvertretende Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). - © Nadine Studeny
Mariana Kühnel ist stellvertretende Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). - © Nadine Studeny

Für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Corona-Krise stellt die EU jedenfalls ein bemerkenswertes Volumen bereit: Das Aufbaupaket "NextGenerationEU" umfasst 806,9 Milliarden Euro. Die Dimension dieser Hilfen wird deutlich, wenn man sie mit dem berühmtesten Konjunkturprogramm vergleicht, von dem Europa profitiert hat: Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau in Europa mit 13,3 Milliarden US-Dollar unterstützt. In Preisen von 2017 waren das laut dem Research-Dienst im US-Kongress umgerechnet 120 Milliarden Euro und damit weniger als ein Sechstel der Mittel, die den EU-Mitgliedern nun zur Verfügung stehen. Im Fokus steht dabei ein Ziel: die europäischen Volkswirtschaften und Gesellschaften nachhaltiger und widerstandsfähiger zu machen. In diesem Sinne werden insbesondere Projekte unterstützt, die zur Digitalisierung und Ökologisierung beitragen.

Aus Sicht der Wirtschaft ist ein ausgewogener Mix unterschiedlicher Maßnahmen gelungen - ein gutes Signal dafür, dass europäische Mittel zielgerichtet für Reformen auch hinsichtlich der Modernisierung des Standorts Europa verwendet werden. Für Österreich bedeutet das konkret, dass aus dem Corona-Aufbaupaket rund 3,5 Milliarden Euro erwartet werden können. Das ist erfreulich, aber noch erfreulicher ist, dass unsere Unternehmen auch von Hilfsgeldern profitieren können, die andere EU-Länder erhalten, wenn sie sich an deren Projekten beteiligen.

Welche Chancen es wo gibt, zeigt das WKÖ-Analyse-Tool "Recover.EU". Unternehmen können dieses Online-Instrument kostenlos nutzen und erfahren dort durch Klicken auf einzelne Länder, welche EU-Aufbauhilfen es für welche Branchen gibt. "Recover.EU" ist somit für die österreichischen Betriebe der Kompass, um sich bei den EU-Wiederaufbauförderungen zurechtzufinden, und schafft damit für rund 60. 000 heimische Unternehmen neue Chancen. So stehen etwa in Deutschland 3,1 Milliarden Euro für die Digitalisierung von Wirtschaft und Infrastruktur zur Verfügung. Spanien wendet mit 17,6 Milliarden Euro EU-weit am meisten für den digitalen Übergang auf. Diese Informationen sind zum Beispiel für österreichische Unternehmen interessant, die auf Cyber-Security-Lösungen spezialisiert sind. In unserem Nachbarland Italien werden für Energieeffizienzmaßnahmen mehr als 15 Milliarden Euro in die Hand genommen. Das schafft etwa für Produzenten von Solarpaneelen ausgezeichnete Exportmöglichkeiten.