Der Krieg in der Ukraine bringt, wie alle Kriege, viel Tod und Leid. Es ist wichtig, sich für den Frieden einzusetzen, und, solange kein Frieden herrscht, den Betroffenen vor Ort und auf ihrer Flucht zu helfen. Im Schatten des Ukraine-Krieges ereignet sich eine globale humanitäre Nahrungskrise, die es unbedingt abzumildern gilt. Da sowohl die Ukraine als auch Russland zentrale Exporteure von Weizen und anderen Nahrungsmitteln sind, prognostiziert das UN-Welternährungsprogramm, dass zusätzlich dutzende Millionen gar nicht oder nur unzureichend mit Nahrung versorgt werden können.

Gottfried Schweiger arbeitet am Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg. Michael Brauer
Gottfried Schweiger arbeitet am Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg. Michael Brauer

Die kriegsbedingte Verschärfung der Nahrungskrise kommt nicht überraschend, da schon zuvor die Situation in vielen Ländern durch Konflikte und Kriege, den Klimawandel und längere Dürreperioden, die Corona-Pandemie und insbesondere hohe Preise für Nahrungsmittel am Weltmarkt äußerst angespannt war. Im Jemen herrscht seit sieben Jahren Krieg - auch unter aktiver Beteiligung Saudi-Arabiens, mit dem Österreich weiterhin gerne Geschäfte macht - und alleine dort hungern knapp zwei Millionen Kinder. Weltweit waren voriges Jahr 800 Millionen Menschen von Mangel- oder Unterernährung betroffen - diese Zahl ist nicht nur erschreckend hoch, sondern angesichts der gewaltigen ökonomischen und technischen Ressourcen der heutigen Zeit auch skandalös.

Nothilfe für Hungernde ist keine langfristige und nachhaltige Lösung, aber sie ist unbedingt nötig. Es geht um Leben oder Tod von Millionen. Trotz des wahrscheinlichen Ausfalls der Exporte aus der Ukraine verfügt die Welt über genügend Nahrungsmittel, damit niemand hungern oder gar verhungern muss. Die Nothilfe kostet unter den heutigen Bedingungen nur einfach viel mehr Geld, weil auch die UNO und NGOs, die Nahrungsmittel an Hungernde ausgeben, diese zu Marktpreisen einkaufen müssen. Dass trotzdem genügend Geld dafür da wäre, kann niemand ernsthaft bestreiten. Der UN-Welternährungsorganisation fehlen 10 Milliarden Euro. Das ist viel Geld, aber Peanuts im Vergleich zur geplanten Aufstockung für die deutsche Bundeswehr (100 Milliarden Euro) oder zum jüngst beschlossenen US-Militärbudget (700 Milliarden). Die Aufrüstung wird mancherorts mit Verweis auf den Schutz von Leben und Freiheit gerechtfertigt. Doch wer Leben retten will, sollte lieber in Nahrung für die Welt finanzieren. Ebenso könnten die nun in Europa eingefrorenen und eingezogenen Vermögen russischer Oligarchen sinnvoll genutzt werden, um die Hungerkrise abzumildern. Diese (vorsichtig geschätzt) mehreren Dutzend Milliarden nun für Menschen in Not und auch für die Ukraine-Flüchtlinge zu verwenden, wäre nicht nur gerecht, sondern ein starkes Symbol, sind die Oligarchen doch zumindest indirekt an den politischen Ursachen des Krieges samt Folgen beteiligt.

Angesichts der akuten und sich rasch verschlechternden globalen Notlage darf sich Österreich nicht abwenden. Auch hierzulande wird über viel neues Geld fürs Bundesheer diskutiert und darüber, wie man das Vermögen russischer Oligarchen ausfindig machen kann. 2021 hat Österreich 14,5 Millionen Euro an das Welternährungsprogramm gezahlt - 2022 sollte man eine Null dranhängen und das Geld sofort überweisen.